Unwetterschäden: Bafin sieht Versicherer nicht in Gefahr

Martin Thaler Berater Versicherungen

Immer deutlicher wird das Ausmaß der vom Unwettertief „Bernd“ hinterlassenen Schäden. BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund rechnet mit Schäden in Höhe von 5,7 Milliarden Euro und rät Hausbesitzern, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen. Denn dass so viele Häuser keinen Elementarschutz haben, liege nicht an den Versicherern.

Frank Grund Bild: BaFin/Bernd Roselieb

BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund rechnet derzeit mit einem versicherten Schaden in Höhe von bis zu 5,7 Milliarden Euro. Bild: BaFin/Bernd Roselieb

Immer deutlicher wird das Ausmaß der Schäden, das Unwettertief „Bernd“ im Juli vor allem im Westen Deutschlands hinterlassen hat. Am Montag hatte die R+V eine erste offizielle Zwischenbilanz veröffentlicht: Mit einer Schadenhöhe von 470 Millionen Euro ist „Bernd“ die schwerste Unwetterkatastrophe in der Geschichte des Wiesbadener Versicherers gewesen. Gleiches gilt auch für andere Versicherer, wie die Provinzial.

Trotz der Rekordschäden seien die deutschen Versicherer allerdings nicht in ihrem Bestand gefährdet, erklärte nun BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund in einem Interview mit dem hauseigenen BaFin-Journal: „Aus den bisherigen Meldungen lässt sich ablesen, dass keine Bestandsgefährdungen drohen ­– weder bei den Schaden- und Unfallversicherern noch bei den Rückversicherern."

Maximalschaden von 5,7 Milliarden Euro

Nach Rücksprache mit rund 150 Schaden- und Unfallversicherern sowie 28 Rückversicherern gehen Grund und die Bafin von einem Maximalschaden in Höhe von 5,7 Milliarden Euro aus – vier Milliarden Euro dürften dabei von den Rückversicherern übernommen werden.  

Von den verbleibenden 1,7 Milliarden Euro entfällt der Großteil auf die Wohngebäudeversicherung: Auf bis zu 700 Millionen Euro beläuft sich hier die erwartete Nettoschadenbelastung. 200 Millionen entfallen jeweils auf die Kraftfahrtkasko- sowie die Hausratversicherung. „Die übrigen rund 0,5 Milliarden Euro verteilen sich auf weitere Versicherungszweige wie die Sturm- und die Betriebsunterbrechungsversicherung“, berichtet Grund.  

Dass der Schaden für die Versicherer nicht noch höher ausfalle, liege daran, dass nicht einmal die Hälfte der betroffenen Immobilienbesitzer sowie Unternehmer über eine entsprechende Elementarversicherung verfügte, so Grund. Laut Zahlen des Versichererverbands liegt die Verbreitungsquote von Elementarversicherungen im vom Unwetter besonders betroffenen Rheinland-Pfalz bei gerade einmal 37 Prozent.  

„Die Unwetter haben noch einmal auf schmerzliche Weise gezeigt, wie wichtig es für Menschen und Unternehmen ist, ausreichend versichert zu sein“, erklärte Grund. „Dass nur so wenige versichert sind, liegt aber nicht, wie man vermuten könnte, an den Versicherern.“

Versicherungsschutz überprüfen

Zwar dürfte der Anteil nicht zu versichernder Immobilien in überflutungsgefährdeten Regionen höher und der Versicherungsschutz damit teurer ausfallen, räumte Grund ein. Dennoch sollten alle Kunden die Überflutungen zum Anlass nehmen, über ihren Versicherungsschutz nachzudenken.

Immer wieder betont der GDV, dass 99 Prozent aller Häuser versicherbar sind. Auch der Trierer Versicherungsmakler Alexander Kirschweng erklärte im Gespräch mit procontra: „Natürlich gibt es einige wenige Gebiete und Objekte, die nicht oder wirklich nur zu extrem hohen Beiträgen versichert werden können. Doch die allermeisten Häuser und deren Hausrat konnten bisher zu verträglichen Konditionen versichert werden.“  

Entsprechend gelte es, den vorhandenen Versicherungsschutz zu überprüfen, rät Grund.  „Gewerbetreibende sollten außerdem schauen, ob ihre Betriebsunterbrechungsversicherung im Fall der Fälle greift.“

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