Rentenbescheid: Mit Widerspruch zu mehr Rente

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Altersrente gibt es nur auf Antrag. Liegt der Bescheid im Briefkasten, glauben viele an einen schlechten Scherz, denn die Rente kommt ihnen zu gering vor. Mitunter hilft ein Widerspruch. Das bekommen Betroffene auch ohne ihren Vorsorgeberater hin.

Knapp jeder zehnte Rentenbescheid ist nicht plausibel und rechtfertigt einen Widerspruch. Bild: Pixabay/Wilfried Pohnke

Knapp jeder zehnte Rentenbescheid ist nicht plausibel und rechtfertigt einen Widerspruch. Bild: Pixabay/Wilfried Pohnke

Viele Altersrentner im Osten müssen seit kurzem mehr Steuern zahlen, weil die gesetzliche Rente im Sommer leicht gestiegen ist - im Westen nicht. Andere bekommen erstmals Rente, aber womöglich zu wenig. Gibt es begründete Zweifel, ob der Rentenbescheid richtig ist – der Rentenantrag sollte gut drei Monate vor Beginn der Rente gestellt werden - kann der Versicherte bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Widerspruch einlegen. Wenn nach Jahren noch Fakten auftauchen, die eine Neuberechnung der Rente lohnenswert machen, können Versicherte beim Träger einen Überprüfungsantrag verlangen (nach Paragraf 44 SGB X).

Über 1,7 Millionen Rentenbescheide hat die DRV 2020 verschickt, 148.000 Empfänger legten Widerspruch ein. Davon wurden knapp 40.000 zugunsten der Antragsteller geklärt, weil Unterlagen nachgereicht wurden, berichtet die Stiftung Warentest in ihrer September-Ausgabe von Finanztest. Mehr als jeder vierte Widerspruch hat also Erfolg. Etwa 10.000 Widersprüche aus dem Jahr 2020 sind noch in Bearbeitung.

Die häufigsten Fehler

Die wichtigsten Fehler, die trotz regelmäßiger Zusendung von Kontoauszügen und Versicherungsverläufen während der Berufstätigkeit passieren können, listet Finanztest auf. Häufigster Fehler: auf dem Rentenkonto gespeicherte Zeiten sind unvollständig, etwa weil

  • Fachschul- oder Berufsausbildungszeiten sowie Nebenjobs während des Studiums nicht oder nicht vollständig erfasst wurden,
  • Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Krankheit fehlen,
  • freiwillige Beiträge bei selbstständigen Tätig­keiten nicht berücksichtigt sind,
  • es bei Einkommens- und Beitragszahlungen zu Zahlendrehern kam,
  • die Daten zu einem Versorgungsausgleich nach einer Scheidung eventuell nicht richtig berücksichtigt wurden.

Wenn Versicherte mehrmals zwischen den alten und neuen Bundesländern umgezogen sind, sollten sie prüfen, ob der Rentenversicherer für die Zeiten in den neuen Ländern den korrekten Umrechnungsfaktor für die Rente berücksichtigt hat, empfiehlt Finanztest.

Frühzeitig Verlauf und Rentenkonto prüfen

Zeit, die Sache zu prüfen, besteht jahrelang. Hilfestellung bietet der Versicherungsverlauf, den Versicherte im Alter von 27 unaufgefordert zugeschickt bekommen, wenn sie bis dahin mindestens fünf Versicherungsjahre auf ihrem Rentenkonto haben. Dort steht unter anderem, wie hoch die bisher erworbenen Rentenansprüche sind, und wie hoch die Altersrente voraussichtlich ausfallen wird. Danach gibt es dann jedes Jahr eine Renteninformation, ab 55 kommt der Versicherungsverlauf wieder regelmäßig.

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