Privat versichert: Bonus oder Steuervorteil nutzen?

Hannah Petersohn Versicherungen

Viele private Krankenversicherer belohnen ihre Kunden mit einem Bonus, wenn sie keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Aber: Was wie ein Vorteil klingt, könnte sich in der Steuererklärung als Nachteil herausstellen.

Bonuszahlungen als Steuervorteil Bild: Adobe Stock/thanksforbuying

Zahlen private Krankenversicherungen ihren Versicherungsnehmern einen Bonus, kann das die absetzbaren Sonderausgaben mindern. Bild: Adobe Stock/thanksforbuying

Viele brüten derzeit über ihren Steuererklärungen, füllen unliebsame Formulare aus und suchen nervös Rechnungen, um möglichst viel Steuern zurückzubekommen. Gerade durch sogenannte absetzbare Sonderausgaben lässt sich eine Menge Geld vom Fiskus zurückholen. Zu diesen Sonderausgaben zählen neben Spenden und Ausbildungskosten auch Krankheitskosten.

Häufig werden privat Versicherte belohnt, wenn sie keine Krankheitskosten einreichen. Dann winkt ihnen eine Bonuszahlung, die auf den ersten Blick verlockend wirkt. Wenn nämlich der Bonus die Höhe der bezahlten Rechnungen übersteigt, überlegt man sich natürlich, ob man die Kosten wirklich einreichen sollte. „Dies ist auf den ersten Blick günstiger, wenn die Bonuszahlung höher ist, als die nicht zur Erstattung eingereichten Krankheitskosten“, sagt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine in Berlin.

An dieser Stelle sollten privat Versicherte allerdings aufpassen: Derlei Bonusauszahlungen können die absetzbaren Sonderausgaben, in dem Fall die Krankenkassenkosten, mindern – soll heißen: nicht nur gibt es vom Staat weniger Geld zurück, manchmal droht Versicherungsnehmern sogar eine Rückzahlung. Der Grund: Das Finanzamt wertet den Bonus als Beitragsrückerstattung.

Der Vorteil wird zum Nachteil

Ein Beispiel: Winkt einer Versicherungsnehmerin qua Vertrag ein Bonus von 2.000 Euro und hat sie in einem Jahr Krankheitskosten in Höhe von 1.700 Euro bezahlt, dann könnte sie natürlich den Bonus einstreichen und die Krankheitskosten selbst begleichen. Dadurch würde sie ein Plus von 300 Euro machen. Da der Bonus aber die absetzbaren Krankenkassenkosten mindert, können in der Steuererklärung 2.000 Euro weniger als Sonderausgabe geltend gemacht werden. Dadurch steigt die Steuerbelastung. Angenommen der Steuersatz liegt bei 35 Prozent, ergibt sich damit eine Steuerbelastung von 700 Euro. Und schon wird aus dem ursprünglichen Vorteil in Höhe von 300 Euro ein Nachteil von 400 Euro. Diese Regelung gilt für Bonuszahlungen, die unabhängig davon gezahlt werden, ob Versicherte Geld für Krankheitskosten ausgeben mussten oder nicht.

Und wer nun so schlau ist, den Bonus einstreicht und die Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen geltend machen will, wird enttäuscht: „Ein Abzug von Kosten als außergewöhnliche Belastungen ist ausgeschlossen, wenn eine Versicherungs- und somit Erstattungsmöglichkeit bestand, diese aber nicht beansprucht wurde“, erklärt Bauer. Im Klartext: Wird die Bonuszahlung gewählt, dürfen die Krankheitskosten, die selbst bezahlt worden sind, nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung eingetragen werden. Denn Sonderausgaben berücksichtigt das Finanzamt nur, wenn sie eine wirtschaftliche Belastung für den Steuerzahler darstellen. Eine Beitragserstattung, wozu ein Bonus gezählt wird, mindert diese Belastung.

Auch bei Prämien, mit den Krankenkasse das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Mitglieder belohnen, gilt es steuerlich aufzupassen. Zwar hatte der Bundesfinanzhof (Az: X R 16/18) im vergangenen Jahr entschieden, dass die Bonuszahlungen nicht pauschal mit den steuerlich abziehbaren Krankenkassenbeiträgen verrechnet werden dürfen. In Fällen, in denen die Bonuszahlungen jedoch ohne konkrete Aufwendungen des Versicherten erfolgen, werden die abziehbaren Krankenkassenbeiträge gemindert. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Bonus für den Nichtraucher-Status der Versicherten gezahlt wird.

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