„PKV-Kunden können die Beitragsstabilität mitgestalten“

Stefan Terliesner Versicherungen

Eric Bussert, Vertriebsvorstand der HanseMerkur, über Entwicklungen am PKV-Markt und Bausteine, um steigende Beiträge im Alter zu vermeiden.

Eric Bussert, Vertriebsvorstand HanseMerkur; Foto: HanseMerkur

Eric Bussert, Vertriebsvorstand HanseMerkur; Foto: HanseMerkur

procontra: Herr Bussert, seit eineinhalb Jahren stecken wir in einer Pandemie. Wie hat sich der Markt für private Krankenversicherungen in dieser Zeit entwickelt?

Eric Bussert: Die große Mehrheit der Menschen hat eine sehr positive Meinung über das Ge-sundheitssystem. Und sie nehmen auch wahr, dass die privaten Versicherer dieses System stützen. In der Branche kam es pandemiebedingt zu Mehrausgaben zum Beispiel für Prävention und Tests, aber auch zu Minderausgaben aufgrund verschobener Behandlungen. In Summe waren die Leistungsausgaben stabil. Die Zusatzversicherungen verzeichnen unverändert gute Wachstumsraten. Und in der Vollversicherung gleichen sich die Zu- und Abgänge der Versicherten aus; insofern herrscht auch hier Stabilität.

procontra: Ihr Unternehmen versichert auch viele Selbstständige, deren Existenzen durch die Lockdowns stark gefährdet sind. Macht sich das im Bestand schon bemerkbar?

Bussert: Wir haben bisher keine Steigerung bei den Kündigungen festgestellt. Es gab Selbstständige, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht mehr ihre Beiträge bezahlen konnten. In diesen Fällen sind wir, wo es ging, den Betroffenen entgegengekommen. Gemeinsam haben wir Lösungen gefunden, wie zum Beispiel den Versicherungsschutz temporär zu reduzieren und damit auch die Beiträge. Oder Betroffene sind in Tarife gewechselt, die einen höheren Selbstbehalt haben.Auch unsere Makler haben in der Beratung mit dazu beigetragen, dies alles zu ermöglichen. Wir haben 2020 sogar netto rund 11.000 Vollversicherte hinzugewonnen. Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort.

procontra: Was sind die Gründe für diesen Zulauf?

Bussert: Das ist die Gesamtkonstellation aus gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, breiter Aufstellung im Vertrieb und umfassendem Mehrwert-Angebot. Ein Beispiel für letzteres ist die virtuelle Beratung zu Gesundheitsfragen. Dort können Vollversicherte mit Ärzten aller Fachrichtungen per Video-Chat sprechen. Ein zweites Exempel ist ein digitales EKG-Gerät, das ohne Kabel auskommt. Der Nutzer klebt einfach ein Pflaster mit Sensor auf seine Brust. Der Sensor überwacht den Herz-Rhythmus. Via Smartphone gehen dann regelmäßig EKGs an einen Kardiologen, der so Unregel-mäßigkeiten sofort feststellen und eine Behandlung einleiten kann.

procontra: Für die Versicherten sind nicht nur die Leistungen wichtig, sondern auch die Beiträge. Wie stabil sind die bei der HanseMerkur?

Bussert: Seit Jahren liegt unsere durchschnittliche Beitragsanpassungsrate bei 2,8 Prozent. Das ist deutlich unter dem Durchschnitt in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dass wir Jahr für Jahr viele neue Kunden gewinnen, die ja in der Regel jung und gesund sind, trägt zur Beitragsstabilität bei.

procontra: Aufgrund des Dauerzinstiefs fällt es auch Versicherern schwerer, gute Kapitalanlageergebnisse zu erzielen. Damit einher gehen Beitragssteigerungen, die bei Kunden und auch Vermittlern für Verunsicherung sorgen. Wie stark belastet Ihr Unternehmen das Zinstief?

Bussert: Wir haben in der Kapitalanlage auch in den vergangenen zehn Jahren sehr gute Ergebnisse erzielt. Im vergangenen Jahr lag unsere Nettoverzinsung bei 4,3 Prozent. In unserem Asset Management kümmern sich 150 Mitarbeiter um das uns anvertraute Geld. Dabei setzen wir auch auf Aktien und Immobilien. Rund 30 Prozent unserer Kapitalanlage besteht aus solchen Sachwerten.

procontra: Für Verunsicherung sorgt zudem immer wieder die Diskussion über steigende Beiträge im Alter. Was sagen Sie dazu?

Bussert: Das ist für uns fast kein Thema. Der Anteil der Vollversicherten, der im Alter gleich viel oder mehr zahlt als den Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 0,22 Prozent. Das hat zwei Gründe. Zum einen – das hatte ich bereits erwähnt - die Qualität unseres Kundenbestands. Zum anderen haben wir ein ausgeklügeltes Beitragssicherungsprogramm im Alter. Ziel sollte sein, dass Versicherte im Alter niedrigere Beiträge zahlen als während der Erwerbsphase. Um dies zu ermöglichen, können Versicherte bei Abschluss aus zwei entsprechenden Bausteinen wählen.

Der erste ist ein Ansparprogramm. In jungen Jahren legt der Versicherte einen kleinen Teil seiner Beiträge zusätzlich auf die Seite. Im Alter wird dann aus dem Ersparten ein Teil der Beiträge gezahlt. Der zweite Baustein bietet die Option, im Alter von einem Tarif ohne Selbstbehalt in einen leistungstechnisch gleichen Tarif mit Selbstbehalt von zum Beispiel 1.000 Euro zu wechseln. Das reduziert einerseits natürlich den Zahlbeitrag deutlich, das Alleinstellungsmerkmal der HanseMerkur ist allerdings der Baustein SBE, der im gleichen Zug die Selbstbeteiligung übernimmt. Für den Kunden bedeutet dies also niedrigere Beiträge ohne Selbstbeteiligung.  Auch wegen solcher Angebote haben bei uns viele Vollversicherte relativ niedrige Beiträge im Alter. Im Beratungsgespräch sollten Makler solche Möglichkeiten aufzeigen. So könnten sie die Verunsicherung beim Kunden abbauen.