Neodigital: „Unser Makler-Vertriebsweg wächst langsamer als vermutet“

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Der noch junge Versicherer konnte in den vergangenen Monaten viele Kunden hinzugewinnen. Doch der Maklerkanal hinkt noch hinterher, gesteht Gründer und Vertriebsvorstand Stephen Voss. Locken will Neodigital die freien Vermittler vor allem mit Zeitersparnis.

Neodigital-Vorstand Stephen Voss will Makler vor allem mit automatisierten Prozessen und folglich mehr Zeit für die Kundenberatung von sich überzeugen. Bild: Neodigital

Neodigital-Vorstand Stephen Voss will Makler vor allem mit automatisierten Prozessen und folglich mehr Zeit für die Kundenberatung von sich überzeugen. Bild: Neodigital

procontra: Sie sprechen von fünfstelligen Kundenzuwächsen pro Monat seit Jahresbeginn. Welche Anteile daran entfallen auf welche Vertriebswege?

Stephen Voss: Wenn man so schnell wächst, geht das heute fast gar nicht mehr ohne Onlineplattformen oder die großen Vergleicher. Das hat auch mit dem neuen Kundenverhalten zu tun. Dieses Phänomen werden Sie momentan aber in nahezu jeder Branche finden. Die Wege, die zu einer Versicherung führen, sind heute sehr oft sehr viel direkter. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn der Großteil unserer Neukunden auch über die digitalen Wege zu uns gelangen.

procontra: Anders als die meisten jungen Versicherer haben Sie sich konkret für den Vertriebsweg Makler ausgesprochen. Wie hat sich dieser bei Ihnen über die Jahre entwickelt? Und tun Sie aktiv etwas dafür, um diesen noch auszubauen?

Voss: Der Absatz über die Makler wächst stetig! Allerding muss man auch anmerken, dass dieser Vertriebsweg langsamer wächst, als wir vermutet hatten. Die Vorteile einer komplett digital abbildbaren Versicherung liegen größtenteils in der vereinfachten Administration und den schnellen Vorgängen. Alle Prozesse einer Versicherung sind maximal automatisiert und dadurch – im Vergleich zu einer traditionellen Versicherungspolice mit Hängeordnern, physischen Kopien und verschiedenen Ablagen – unglaublich beschleunigt. Die Zeitersparnis ist enorm und auch die Kosten pro Versicherten pro Schadenfall so auf ein Minimum reduziert.

Ein Makler kann also viel Administrationsaufwand, viel Alltagsgeschäft mit digitalen Prozessen einsparen und an Kollege Roboter auslagern, wenn Sie so wollen. Dadurch hat er mehr Zeit für den eigentlichen Mehrwert, den er seinen Kunden bringt: Die persönliche Beratung, weil er seine Bedürfnisse besser kennt als jedes Vergleichsportal. Leider sehen viele Makler diesen Vorteil noch nicht in diesem Maße, wie wir erwartet hatten. Aber wir wollen die Vorteile einer digitalen Versicherung noch besser herausstellen und Maklern bei der Zusammenarbeit mit Neodigital und seinen Produkten noch besser unterstützen. Für diese Aufgabe haben wir erst kürzlich unsere Belegschaft erweitert.

Trend zum Haustier deutlich spürbar

procontra: Soll die Zusammenarbeit mit Maklerpools noch ausgebaut werden?

Voss: Wir glauben nach wie vor fest an die Zukunft des Maklers, denn Makler haben einen auf lange Sicht uneinholbaren Mehrwert: Sie kennen ihre Kunden genau, wissen seit Jahren, wie sie leben, was sie sich wünschen, was ihre Ziele sind. Dieses Wissen ist gerade für komplizierte Versicherungsprodukte nicht nur ein echter Wettbewerbsvorteil, sondern auch der Kunde profitiert, wenn ein auf ihn höchst-individuelles Paket geschnürt wird. Wir wollen Makler auch weiterhin dabei unterstützen, dass sie diesen Trumpf noch besser ausspielen können. Und ja, dafür wollen wir auch in Zukunft noch mit weiteren Maklerpools zusammenarbeiten. Es kommen immer mehr Maklerpools als Kooperationspartner von Neodigital hinzu. Mittlerweile sind es circa 33, also eigentlich alle wichtigen im Markt.

procontra: Welche Policen werden bei Ihnen am stärksten nachgefragt?

Voss: Momentan handelt es sich dabei vor allem um Versicherungsprodukte, die einen Schub durch die Corona-Pandemie und die dadurch vermehrt Zuhause verbrachte Zeit erhalten haben. Die Top-3 bei Neodigital sind Privathaftpflicht, Tierhalterhaftpflicht, Hausratversicherung. Den durch Corona entstandenen Trend zum Haustier haben wir bei den vermehrten Abschlüssen der Tierhalterhaftpflicht besonders deutlich gespürt.

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