Negativzinsen: Jeder Zweite will deshalb die Bank wechseln

Florian Burghardt Berater Investmentfonds

Immer mehr Banken erheben Verwahrentgelte auf Sparguthaben. Solche Negativzinsen wollen viele Sparer nicht mehr akzeptieren. Die Suche nach Investitionsalternativen eröffnet zunehmend Gesprächsanlässe für Berater.

Immer mehr Geldhäuser erheben Verwahrentgelte auf die Sparguthaben ihrer Kunden. Bild: Pixabay/mrganso

Immer mehr Geldhäuser erheben Verwahrentgelte auf die Sparguthaben ihrer Kunden. Bild: Pixabay/mrganso

Knapp jeder zweite Kontoinhaber (46 Prozent) ist mittlerweile bereit dazu, seine Bank zu wechseln, sofern diese Verwahrentgelte auf Sparguthaben (im Volksmund oft als Negativzinsen oder auch Strafzinsen bezeichnet) einführt. Das hat im Juli eine Umfrage der Investmentbank J.P. Morgan unter 2.000 Bundesbürgern ab 20 Jahren ergeben.

Die Anzahl der Banken und Sparkassen, die Verwahrentgelte berechnen, steigt rasant. Laut dem Vergleichsportal Biallo sind es bereits über 500 in Deutschland. Häufig gelten die Grenzen beim Guthaben, ab denen die Gebühren anfallen, nur für Neukunden und immer noch häufig erst ab sechsstelligen Beträgen. Im April machte aber die Sparda Bank West Schlagzeilen, als sie diese Grenze schon bei 25.000 Euro zog – auch für Bestandskunden. Laut Matthias Schulz, Managing Director bei J.P. Morgan Asset Management, würde diese Grenze bei manchen Anbietern mittlerweile schon bei 5.000 Euro Guthaben beginnen.

Schulz mahnt: „Auch ohne das Verwahrentgelt findet bei den aktuellen Minizinsen nach Abzug der aktuell wieder höheren Inflation ein realer Wertverlust statt.“ Diese schleichende Enteignung sei bereits Realität. „Auch wenn Kapitalmarktanlagen mit einem etwas höheren Risiko der Marktschwankungen verbunden sind, ermöglichen diese über mittel- bis langfristige Zeiträume einen Kapitalzuwachs und damit das Erreichen der Anlageziele“, so Schulz. Kapitalmarkteinsteigern empfiehlt er Mischfonds, die breit gestreut über verschiedene Anlageklassen hinweg investieren und damit weniger schwanken als reine Aktienanlagen. Tatsächlich finden Mischfonds bei den Deutschen seit Jahren immer mehr Anklang.

Negativzinsen liefern Beratungsanlässe

Laut der Umfrage wollen 26 Prozent der Kontoinhaber nicht komplett wechseln, sondern ihr Geld nur zwischen verschiedenen Banken aufteilen, um nirgends die Grenze zu den Verwahrentgelten zu überschreiten. In den Kapitalmarkt investieren, anstatt Negativzinsen zu bezahlen wollen immerhin 24 Prozent und in Immobilien investieren wollen 18 Prozent der Befragten.

Bei solchen neuen Investitionsvorhaben können viele Verbraucher eine fachkundige Beratung gebrauchen. Somit liefern die Banken mit ihren Negativzinsen zunehmend Gesprächsanlässe für Finanzberater.

 

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