Nach Mietendeckel-Aus: Vermietern fehlt das Geld

Anne Mareile Walter Sachwerte

Laut einer Studie von Wirtschaftsexperten hat der Berliner Mietendeckel bei den Vermietern erheblichen Schaden angerichtet: Rund 20 Prozent der Befragten hatte dadurch starke finanzielle Probleme, ein Teil konnte sogar laufende Kredite nicht mehr bedienen.

Miete Bild: Adobe Stock/Friedberg

Weniger Modernisierungen und abbezahlte Kredite: Laut einer aktuellen Studie hat der Berliner Mietendeckel viele private Vermieter finanziell getroffen. Bild: Adobe Stock/Friedberg

Kredite wurden nicht mehr abbezahlt und die Bereitschaft zu Modernisierungen sank: Bei vielen privaten Vermietern hat der Berliner Mietendeckel offenbar Spuren hinterlassen. Etwas mehr als ein Jahr war die Regelung zur Mietbegrenzung in Kraft, bevor sie im April vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde. Der Mietendeckel sei verfassungswidrig, das Mietpreisrecht auf Bundesebene bereits abschließend geregelt, lautete die Begründung.

Nun hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Auswirkungen des Mietendeckels auf die Vermieter untersucht und führte dazu im Frühsommer 2021 eine Studie unter 283 Vermietern durch. Das Ergebnis: 15 Prozent der Befragten berichteten von starken finanziellen Einschränkungen, vier Prozent konnten infolge der Berliner Regelung ihre Immobilienkredite nicht mehr bedienen.

Nettoverluste bei jedem fünften Vermieter

Auch die Bereitschaft zu energetischen Sanierungen ging zurück – das gab mehr als die Hälfte der Vermieter in der Befragung an. Kleinere Investitionen, wie Maler- und Renovierungsarbeiten, führten 45 Prozent von ihnen nicht mehr durch. Knapp 60 Prozent schoben auch größere Investitionen auf. Langfristig würden starre Mietobergrenzen zu einer deutlichen Verschlechterung der Bausubstanz führen, schreiben die IW-Forscher.

Und: Jeder fünfte Vermieter hatte offenbar Nettoverluste aus dem Vermietungsgeschäft zu verzeichnen. Für die Studienautoren eine besonders pikante Tatsache, da Wohneigentum von privaten Vermietern häufig zur Altersvorsorge genutzt werde.

Laut Studienautor Michael Voigtländer habe der Mietendeckel dabei vor allem jene Akteure wenig getroffen, auf die das Instrument zur Mietenbegrenzung ursprünglich abzielen sollte: die Immobiliengesellschaften. „Diese Unternehmen sind so liquide, dass sie eine Unterfinanzierung wegen zu geringer Mieteinnahmen aussitzen können“, erklärte er. Und: Langfristig könnten die Unternehmen trotzdem auf erhebliche Wertsteigerungen ihrer Immobilien spekulieren.

Kaum Online-Portale zur Nachmieter-Suche

Wie sich in der Studie zudem herauskristallisierte, hatten 44 Prozent der Befragten in dieser Zeit mit einem Mieterwechsel zu tun. 64 Prozent nutzten während der Gültigkeit des Mietendeckels entsprechende Online-Portale zur Suche eines Nachmieters, zehn Prozent weniger als vor Einführung der Regelung. Stattdessen hätten Vermieter verstärkt auf private Netzwerke zurückgegriffen. „Je stärker die Nachfrage das Angebot übersteigt, desto zeitaufwändiger wird die Suche über für jeden einsehbare Inserate“, heißt es dazu in der Studie. Auch die Beauftragung von Immobilienmaklern dürfte in der Folge abgenommen haben.

Schon vor Beginn der Studie hatten die Forscher des IW einen negativen Effekt des Mietendeckels befürchtet. Als Mitte April die Bundesverfassungsrichter die Regelung für nichtig erklärten, bezeichneten die Wissenschaftler des Instituts das Urteil aus Karlsruhe als „wegweisend“. Denn seit Inkrafttreten des Mietendeckels habe es in der Hauptstadt 28 Prozent weniger Mietwohnungen gegeben, zugleich hätten viele Vermieter lieber an Selbstnutzer verkauft anstatt erneut zu vermieten.

Schon damals schlussfolgerten die IW-Experten, dass Vermieter durch den Mietendeckel seltener in ihre Immobilien investiert hätten und energetische Modernisierungen zurückstellten. „Für die Politik ist das Urteil eine neue Chance, dem Wohnungsneubau wieder Vorrang zu geben und so den Markt langfristig zu entspannen“, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer nach Bekanntwerden des Urteils.         

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