Leben: Warum die Kapitalanlage immer weniger zum Rohüberschuss beiträgt

Detlef Pohl Berater LV-Check Versicherungen Top News

Der Rohüberschuss ist eine maßgebliche Kennziffer, um zu sehen, wie hoch die Kunden an ihrer Lebensversicherung beteiligt werden. Warum dabei das Risikoergebnis entscheidend ist und die Kapitalanlage immer weniger zählt, zeigt ein LV-Marktausblick.

Das Risikoergebnis hat dem Kapitalanlageergebnis mittlerweile den Rang als wichtigste Ergebnisquelle der Lebensversicherung abgelaufen, sagt Assekurata-Analyst Lars Heermann. Bild: Assekurata

Das Risikoergebnis hat dem Kapitalanlageergebnis mittlerweile den Rang als wichtigste Ergebnisquelle der Lebensversicherung abgelaufen, sagt Assekurata-Analyst Lars Heermann. Bild: Assekurata

Wegen anhaltend niedriger Zinsen ist die Gesamtverzinsung klassischer Rentenversicherungen 2021 auf 2,73 Prozent zurückgegangen, ergab die jährliche Untersuchung „Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer“ der Kölner Rating-Agentur Assekurata für 2021. Generell sind noch immer etwa 83 Prozent der Kapitalanlagen in festverzinslichen Wertpapieren investiert, die im anhaltenden Tiefzinsumfeld kaum Erträge abwerfen, ergab der „Marktausblick zur Lebensversicherung 2021“ von Assekurata.

„Gleichzeitig erfordern Staatsanleihen und Zinstitel kein Zurückhalten von Eigenmitteln und stärken so die Solvency-II-Quoten - ein Spagat für die Anbieter“, sagt Lars Heermann. „Das langanhaltende Tiefzinsumfeld schlägt sich bereits deutlich in der Ertragsstruktur der Lebensversicherer nieder“, hat der Bereichsleiter für Analysen und Bewertungen bei Assekurata ausgerechnet.

Rohüberschuss vorwiegend aus Risikogewinn

Assekurata hat ermittelt, wie stark die Beitragseinnahmen in zwei unterschiedlichen Fünfjahreszyklen jeweils zum Rohüberschuss beigetragen haben und aus welchen Ergebnisquellen dieser gespeist wird. So betrug der gesamte Branchen-Rohüberschuss 2015 bis 2019 durchschnittlich 12,2 Prozent der gebuchten Bruttobeiträge, während er 2010 bis 2014 mit 15,7 Prozent noch deutlich höher gelegen hatte.

„Des Weiteren hat das Risikoergebnis dem Kapitalanlageergebnis mittlerweile den Rang als wichtigste Ergebnisquelle deutlich abgelaufen, was auf die niedrigen Zinsen in der Neuanlage und insbesondere auf die hohen ZZR-Anforderungen für die Hochzinsgarantien zurückzuführen ist“, erläutert Heermann.

Das Risikoergebnis spielt also mittlerweile eine dominante Rolle für den Rohüberschuss. In Zahlen: 8,2 Prozent des Rohüberschusses in Relation zu den gebuchten Bruttoprämien stammen aus dem Risikoergebnis, während die Kapitalanlage hier auf 4,6 Prozent zurückging. Die Angaben gelten als 5-Jahresschnitt von 2015 bis 2019. Zum Vergleich: Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag die Kapitalanlage mit 8,9 Prozent noch vorn (Risikoergebnis: 7,2 Prozent).

Wo die Bruttobeiträge gestiegen und gefallen sind

Der Ergebnisbeitrag aus der Kapitalanlage (nach Garantien und ZZR) geht also zurück. „Insgesamt fällt der Rohüberschuss geringer aus als in den 5-Jahres-Periode zuvor – von 16 auf 12 Prozent der gebuchten Bruttobeiträge“, so Heermann. Auskömmliche und die Eigenmittel schonende Geschäftsfelder seien für den künftigen Erfolg entscheidend. Auch die Kosten müssten weiter runter.

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