Klimawandel mitverantwortlich für Flutkatastrophe

Hannah Petersohn Versicherungen Panorama

Die Überschwemmungen im Juli dieses Jahres sind auch eine Folge des Klimawandels. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Und: Das Risiko derartiger Katastrophen nimmt zu.

Überflutete Straße Bild: AdobeStock/luchschenF

Ein Bild, das schon bald zum Alltag gehört? Eine neue Studie belegt den Zusammenhang zwischen Überschwemmungen und Klimawandel. Demnach steigt auch hierzulande das Risiko für Unwetterkatastrophen. Bild: AdobeStock/luchschenF

Die Überschwemmungen im Juli dieses Jahres stehen in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des internationalen Wissenschaftsteams der Initiative „World Weather Attribution“ (WWA). Demnach werden extreme Regenfälle durch den menschengemachten Klimawandel hierzulande immer wahrscheinlicher. Das Risiko von Naturkatastrophen steigt perspektivisch um ein Vielfaches.

Im Juli haben Starkregenfälle in Westeuropa zu massiven Überschwemmungen geführt, die um bis zu fast 20 Prozent heftiger ausgefallen sind als je zuvor. Die Flüsse Ahr und Erft traten über die Ufer, die Regenmenge lag bei 90 Liter pro Quadratmeter – und war damit so hoch wie nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Risiko für Unwetter steigt

Die Wahrscheinlichkeit für solche extremen Wettereignisse hat sich um das 1,2- bis 9-Fache erhöht, so das Wissenschaftsteam des WWA. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass es immer wichtiger wird, auch solche extremen und sehr seltenen Ereignisse zu berücksichtigen. Denn durch den Klimawandel werden sie künftig wahrscheinlicher“, sagte Maarten van Aalst, Leiter des Klimazentrums des Internationalen Roten Kreuzes in Den Haag und Mitautor der Studie, dem Deutschlandfunk.

„Durch die Überschwemmungen wurde deutlich, dass selbst Industrieländer nicht vor den schweren Auswirkungen solcher Extremwetterereignisse geschützt sind“, schreibt Friederike Otto, Klimaforscherin am Environmental Change Institute der Universität Oxford und Co-Autorin der Studie in einer Presseerklärung des Deutschen Wetterdienstes.

Die Schäden und negativen Auswirkungen durch extreme Wetterereignisse „können überall auftreten und starke Schäden sowie menschliche Verluste verursachen. Die lokalen und nationalen westeuropäischen Behörden müssen sich dieser wachsenden Risiken durch Starkregen bewusst sein, um besser auf mögliche künftige Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein“, warnt Studien-Mitautor Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst.

Aufklärung, Prävention, Schutz

Auch Mojib Latif, Klimaforscher und Präsident des Club of Rome Deutschland, ist überzeugt: „Ein solches Jahrhundertereignis kommt nicht mehr nur einmal im Jahrhundert vor. Es wird sich innerhalb weniger Jahre wiederholen“, sagte Latif kürzlich auf einer Online-Veranstaltung des Versicherers Generali. Und es könne jedes Gebiet in Deutschland treffen, zeigt die Auswertung der Radarmessungen. Markus Hofer, Leiter der Generali-Schadenabteilung in Deutschland, ist ebenfalls überzeugt, dass die Frequenz der Ereignisse zunehmen wird. „Von Mai bis in den Spätherbst haben wir mit solchen extremen Wetterereignissen zu tun, in jedem Jahr.“

Die aktuelle wissenschaftliche Analyse der WWA belegt, dass Starkregen bei einer Erderwärmung von zwei Grad um bis zu sechs Prozent zunehmen könnten. Das Ergebnis, der nachgewiesene Zusammenhang zwischen Unwetterereignissen und Klimawandel, könnte unmittelbare Folgen für die derzeitige und frühere Bundesregierungen haben: Wenn sie sich nicht ausreichend für die Verminderung des CO2-Ausstoßes eingesetzt haben, könnten sie als Mitverursacher des Klimawandels für die Unwetterkatastrophen vor einem Gericht zur Verantwortung gezogen werden.

Welche Auswirkungen erfolgreiche Klagen auf die Versicherer haben werden, bleibt abzuwarten. Schadenexperte Markus Hofer sieht für seine Branche drei wichtige Stellschrauben für die Zukunft: Aufklärung, Prävention und Schutz. Er hat ein klares Ziel: „Wir brauchen eine höhere Durchdringung der Abdeckung.“

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