Kein Vertrauen in die Rente

Hannah Petersohn Versicherungen Berater

Die Mehrheit der unter 40-jährigen Deutschen befürchtet, im Alter keine gesetzliche Rente mehr zu bekommen. Während das Vertrauen in diese Form der Altersvorsorge stark schwindet, befürworten immer mehr Menschen die Einführung einer Aktienrente.

Unzufriedener Junge Bild: Adobe Stock/Robert Kneschke

Das Vertrauen in die gesetzliche Altersvorsorge schwindet. Immer mehr Menschen befürworten die Einführung einer Aktienrente. Bild: Adobe Stock/Robert Kneschke

Die jüngere Generation hat kein Vertrauen mehr in die gesetzliche Altersvorsorge: 21 Prozent und damit jeder Fünfte der unter 40-Jährigen geht davon aus, im Alter keine gesetzliche Rente zu erhalten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für den Finanzdienstleister Fidelity. 32 Prozent halten das düstere Szenario zumindest für wahrscheinlich.

Auch hat der jahrzehntelange Glaube daran, dass es künftigen Generationen immer besser gehen werde, stark gelitten: Über die Hälfte der jüngeren Befragten glaubt demnach, dass es für die Elterngeneration wesentlich einfacher war, für das Alter vorzusorgen. Immerhin 30 Prozent halten das bisherige System der Umlagefinanzierung, also dass die jüngeren Erwerbstätigen für die heutigen Rentner zahlen, für ungerecht.

„Wir dürfen keine Wohlstandskluft zwischen Alt und Jung zulassen“, sagt Alexander Leisten, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Fidelity. Die Politik müsse dringend handeln: „Nur mit einer stärkeren Beteiligung am Kapitalmarkt über Aktien oder Fonds können junge Menschen effektiv Vorsorgevermögen aufbauen. Wer das ignoriert und Aktien sowie Fonds bei dauerhaft niedrigen Zinsen weiter stigmatisiert, handelt verantwortungslos“, so Leisten.

Wahlkampfthema: Aktienrente?

Vor diesem Hintergrund sollte die Parteien so kurz vor der Bundestagswahl vor allem ein Umfrageergebnis besorgen: Fast 60 Prozent der 18- bis 39-Jährigen fühlen ihre Interessen laut Umfrage in Bezug auf die Altersvorsorge von keiner Partei ausreichend berücksichtigt.

Während also das Vertrauen in die gesetzliche Rente sinkt, steigt das Interesse, sogar generationsübergreifend, an der Aktienrente. Mit einem entsprechenden Vorschlag zieht die FDP in den Wahlkampf. Die Partei plant einen Teil der Rentenbeiträge, angedacht sind zwei Prozent, nicht in die Umlagefinanzierung, sondern in die Aktienmärkte fließen zu lassen. Als Vorbild dient das schwedische Modell.

Ein Vorschlag, der in der Bevölkerung offenbar auf Akzeptanz stößt: Demnach befürworten 58 Prozent die Einführung einer Aktienrente als Bestandteil der gesetzlichen Rente, so das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative Minderheitsaktionäre. Insgesamt hält eine knappe Mehrheit der Befragten, nämlich 51 Prozent, unter ihnen insbesondere jüngere Befragte zwischen 18 und 45 Jahren, Aktien, Aktienfonds beziehungsweise ETFs zur Absicherung im Alter für geeignet. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 61 Prozent der Befragten.

Auch in dieser Erhebung zeigt sich ein grundlegendes Misstrauen in die Stabilität und Sicherheit der gesetzlichen Rentenversicherung in ihrer aktuellen Form. Eine klare Mehrheit von 86 Prozent glaubt, dass das Rentenniveau sinken wird und in Zukunft eine Versorgungslücke droht. Die Parteien wären also gut beraten, wenn sie das Thema der Altersvorsorge stärker in den Fokus rücken.

 

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