Inflation steigt auf 3,9 Prozent

Hannah Petersohn Investmentfonds

Die Geldentwertung ist so hoch wie seit knapp 30 Jahren nicht mehr. Die Gründe für den Anstieg der Inflationsrate auf aktuell 3,9 Prozent sind vielfältig. Eine Mehrheit der Deutschen ist überzeugt: Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Inflation Bild: Adobe Stock/Mark Poprocki

Das Leben in Deutschland wird teurer, wie neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen. Bild: Adobe Stock/Mark Poprocki

Waren und Dienstleistungen waren im August durchschnittlich 3,9 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Das ist der höchste Stand seit fast 28 Jahren. So hoch war die Geldentwertung zuletzt im Dezember 1993. Damals lag sie bei 4,3 Prozent.

Experten schätzen, dass die Inflationsrate auch in den kommenden Monaten bis auf fünf Prozent anziehen könnte. Erst im kommenden Jahr werde sie sich demnach wieder abschwächen. Allerdings führen verschiedenen Faktoren zu dem hohen Wert: So waren im vergangenen Jahr pandemiebedingt Güter noch günstiger als aktuell. Die Mehrwertsteuer wurde zudem bis Ende 2020 auf 16 Prozent gesenkt und dann wieder auf den regulären Mehrwertsteuersatz auf 19 Prozent angehoben. Beide Entwicklungen führten zu einer Preissteigerung.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, nennt gegenüber dem Handelsblatt auch den enormen Anstieg der Energiepreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und die massiv gestiegenen Materialkosten, die die Unternehmen zunehmend an die Verbraucher weiterleiten. „Letztlich sind das Sondereffekte,“ so Krämer.

Mehrheit geht von weiter steigender Inflation aus

Eine Mehrheit der Deutschen geht davon aus, dass die Inflation in den kommenden Jahren so hoch bleibt oder sogar noch steigt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Demnach geht ein Drittel der Befragten davon aus, dass die Inflationsrate auch weiterhin drei bis vier Prozent betragen wird. Ebenfalls knapp ein Drittel (31 Prozent) rechnet damit, dass die Inflationsrate weiter steigen wird und hält sogar einen Anstieg auf über fünf Prozent für möglich.

Je nach politischer Präferenz gingen die Einschätzungen bei den Befragten auseinander: 56 Prozent der AfD-Wähler und 46 Prozent der Wähler der Linkspartei prognostizieren ein Voranschreiten der Geldentwertung, während die anderen Wählergruppen angaben, die Inflationsrate werde bei drei bis vier Prozentpunkten stagnieren.

Interessant dabei ist, dass die Inflationserwartung mit dem Alter zunimmt: Befragte, die 50 Jahre alt und älter sind, gehen laut DIA deutlich mehr von einer anhaltend hohen Geldentwertung aus als in der Altersgruppe der bis 39-Jährigen. Das Institut für Altersvorsorge vermutet, dass älteren Befragte die Phasen mit hoher Inflation in früheren Jahrzehnten noch in Erinnerung sein könnten. „Diese Erfahrungen beeinflussen auch den Blick auf künftige Entwicklungen“, so DIA-Sprecher Klaus Morgenstern.

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