Immobilienkauf: reine Männersache?

Hannah Petersohn Sachwerte

In Partnerschaften ergreifen häufiger Männer als Frauen die Initiative, wenn es um den Kauf einer Immobilie geht. So lautet zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie. Aber stimmt das überhaupt? Eine kurze Bestandsaufnahme

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Angeblich ergreifen in Partnerschaften eher Männer als Frauen die Initiative zum Kauf eines Eigenheims. Klischee oder reale Rollenverteilung? Bild: Adobe Stock/Nenetus

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“ Wer kennt ihn nicht, den Sparkassen-Werbespot aus den Neunzigerjahren. Zwei Männer wetteifern darum, wer im bisherigen Leben mehr Besitztum angehäuft hat. Der Werbefilm ist zum Klassiker avanciert und wird bis heute, gerne mit ironischem Unterton, immer wieder zitiert. Was mittlerweile aus der Zeit gefallen wirkt, scheint allerdings laut einer aktuellen deutschlandweiten Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleisters Dr. Klein zumindest beim Immobilienkauf noch zu gelten:

So gaben 80 Prozent der Männer an, häufiger als ihre Partnerin die Initiative in Sachen Eigenheim ergriffen zu haben. 74 Prozent sind überzeugt, letztlich auch das jeweilige Wunschobjekt gefunden zu haben. Und immerhin 63 Prozent der Männer sagen, mehr Kapital eingebracht zu haben, was angesichts des Gender Pay Gaps wenig verwunderlich ist. In den neuen Bundesländern geht es dabei zumindest gleichberechtigter zu als in den alten.

Klischee oder Realität?

Handelt es sich also tatsächlich nicht um ein Klischee, sondern um eine reale, wenn auch antiquierte Rollenverteilung? Die Meinungen und Umfrageergebnisse dazu gehen, nicht sehr überraschend, auseinander: Selbst eine Mitarbeiterin des Finanzdienstleisters Dr. Klein erlebt in ihrem Berufsalltag die Situation etwas anders. Gerade der Anstoß für die eigenen vier Wände gehe öfter von den Frauen aus: „Die Termine für die Budgetberatung oder das Erstgespräch vereinbaren meist die Frauen. Sie setzten den Prozess in Gang. Die Ausführung ist dann allerdings meist männerlastig“, sagt Bianka Lenz-Guckenhan von Dr. Klein. In der Praxis zeigt sich also ein differenzierteres Bild.

Eine andere Studie aus dem vergangenen Jahr bestätigt diesen Eindruck: Damals ermittelte Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen, die Interhyp AG, wer die Entscheidung über Miete oder Kauf denn letztlich treffe. Das Ergebnis dieser Umfrage: Paare entscheiden über den Traum vom Eigenheim durchaus gemeinsam. So gaben dreiviertel der Befragten an, zu einhundert Prozent gleichberechtigt am Entscheidungsprozess beteiligt gewesen zu sein. Ähnlich fielen die Zahlen aus bei der Frage, auf welche Immobilie die Wahl am Ende fällt: 77 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen sagen, sie würden diese Wahl gemeinsam treffen.

Stereotype Gefühlslage

Finanz-Expertin Lenz-Guckenhan beobachtet allerdings geschlechtsspezifische Unterschiede. So falle der Gesprächsanteil der Männer während eines Beratungsgesprächs meist wesentlich höher aus. Auch würden sie insgesamt risikofreudiger auftreten. „Aber ich erlebe häufig, dass die Frauen im Hintergrund die Entscheidungen treffen.“

Vor diesem Hintergrund gibt die aktuelle Umfrage ein interessantes Detail preis: Knapp ein Viertel der Männer haben nach dem Immobilienkauf das Gefühl, dass ihre Partnerin während des Entscheidungsprozesses mehr Abstriche machen musste als sie selbst. Das bestätigt sich hingegen nicht durch die Angaben der Frauen.

Ob nun deutschlandweit eher Frauen oder eher Männer – wenn man überhaupt die diskussionswürdige binäre und hetero-normative Geschlechteraufteilung bemühen möchte – die Entscheidung über den Immobilienkauf fällen: Die Sparkasse hat sich des gesellschaftlichen Wandels angenommen und 2018 den einstigen Platzhirsch-Werbespot durch ein zeitgemäßeres Pendant ersetzt. Nun ist es eine ältere Frau, die dem männlichen und ebenfalls seniorigen Gegenüber mit ihrem Besitztum selbstbewusst Paroli bietet.

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