Hohes Ordnungsgeld wegen „untergeschobener Versicherung“

Martin Thaler Berater Recht & Haftung Versicherungen Panorama

Ein Anbieter von Reiserückholversicherungen hatte Kunden zunächst ein kostenfreies Schnupper-Paket angeboten, um sie dann plötzlich zur Kasse zu bitten. Trotz eines Gerichtsurteils hielt das Unternehmen an dieser Praxis fest – und muss nun Strafe zahlen.

Ordnungsgeld Bild: Adobe Stock/Sergey Yarochkin

Ein hohes Ordnungsgeld verhängte nun das Landgericht Limburg gegen die F.A.S.I., da diese ihre Geschäftspraktiken nach einem ergangenen Urteil nicht änderte. Bild: Adobe Stock/Sergey Yarochkin

Das Landgericht Limburg an der Lahn hat gegen die F.A.S.I. Flight Ambulance Services International Agency GmbH ein Ordnungsgeld in Höhe von 50.000 Euro verhängt – das vermeldet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.  

F.A.S.I. vertreibt Auslandskranken- und Rückholversicherungen. Das Limburger Unternehmen wirbt unter anderem damit, bei medizinischen Notfällen Rückholkosten bis zu einer Höhe von 100.000 Euro zu erstatten. Der Vertrieb erfolgt jedoch auf zum Teil zweifelhafte Art und Weise, wie ein Urteil des Landgerichts Limburg (Az: 5 O 30/16) aus dem Dezember 2016 zeigt.

Damals erhielt ein Kunde, der ein Abonnement für eine Wochenzeitschrift abgeschlossen hatte, als „Dankeschön“ eine kostenlose Test-Mitgliedschaft für besagte In- und Auslandsreise-Rückholversicherung. Nach Ablauf der Testphase musste der Verbraucher die Versicherung jedoch aktiv kündigen, da andernfalls aus der kostenlosen eine kostenpflichtige Mitgliedschaft in Höhe von jährlich 69 Euro geworden wäre.

Unternehmen ändert Geschäftspraxis nicht

„Und das für eine Absicherung, deren Bedarf vom Anbieter gar nicht ermittelt worden ist und den die Betroffenen oftmals gar nicht benötigten,“ kritisiert Dr. Peter Grieble, Abteilungsleiter Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Fall zeige aus seiner Sicht, dass Versicherungen nur von Fachleuten und nicht im Rahmen eines Zeitschriften-Abonnements vertrieben werden sollten.  

Besagtes Urteil hatte auf die Geschäftspraktiken der F.A.S.I. offenbar nicht die gewünschten Auswirkungen. „Der Anbieter änderte sein Verhalten nur geringfügig und wollte so weiter Geschäfte machen,“ berichtet Grieble. Eine Überprüfung ergab, dass das Geschäftsgebahren weiterhin gegen das bestehende Urteil verstieß. Die Verbraucherzentrale beantragte daraufhin die Verhängung eines Ordnungsgeldes und erhielt nun vor dem Landgericht Limburg Recht.  

Ob die Firma nun einlenkt, bleibt abzuwarten. „Wir hoffen, dass dem Treiben nun endlich ein Ende gesetzt wird“, heißt es von Grieble. Auf jeden Fall wolle man die Firma weiter im Auge behalten. Ihr Webauftritt war an diesem Montag nicht zu erreichen.

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