Hochwasserschutz: Kann die Schweiz als Vorbild dienen?

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Versicherer übernehmen volle Deckung – außer bei Erdbeben

Die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG), die die 19 regionalen Monopolanbieter vertritt, spricht von 100 Prozent Entschädigung für Hochwasseropfer. Bislang seien in diesem Sommer Schäden im Umfang von 615 Millionen Schweizer Franken aufgelaufen. Das Besondere bei den VKG-Anbietern: Nicht nur Schäden sind versichert, sondern bei jedem Schaden schlägt ein Gutachter konkrete Schutzmaßnahmen für die Zukunft vor.

Geht der Eigentümer darauf ein, übernimmt der Versicherer 40 Prozent der Umbaukosten. In manchen Kantonen greift auch eine Malus-Regel: Ohne Nachrüstung des Schutzes wird beim nächsten Schaden die Leistung gekürzt. Unterm Strich ergibt das einen günstigen Schadenverlauf, so die VKG. Dazu trägt auch bei, dass Erdbeben-Schäden ausgeschlossen sind – mit Ausnahme des Kantons Zürich. Das sei die größte Deckungslücke in der Schweiz, erklärt VKG-Sprecher Rolf Meier.

Prävention auf mehreren Ebenen

Das Geld für die Präventionshilfen der kantonalen Gebäudeversicherer kommt von den Kunden. Neben dem regulären Beitrag ist ein Präventionsbeitrag fällig, der in der Regel ein Drittel der gesamten Prämie ausmacht. Dennoch sei das Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichsweise günstig und der Selbstbehalt betrage maximal 300 Franken pro Schadenfall, berichtet die VKG. Erhoben wird im jeweiligen Kanton sogar nur ein Einheitsbeitrag – unabhängig von der konkreten Gefährdungslage des Hauses.

Die Prävention macht in der Schweiz jedoch nicht beim Eigentümer halt. Auch hier hat Deutschland massiven Nachholbedarf: Die Behörden bei den Eidgenossen haben längst sogenannte rote Zonen definiert, in denen Bauverbote herrschen. In orangenen Zonen darf nur bauen, wer spezielle Schutzvorkehrungen schon beim Bau trifft. Als Lehre aus früheren Überflutungen hat die Schweiz zudem ein spezielles Schleusensystem installiert, mit dem sich die Wasserstände von Flüssen und Seen besser regulieren lassen.

Auch die Feuerwehr ist für Hochwasser besser vorbereitet und ausgerüstet als bei uns. Dabei spielen abermals die kantonalen Gebäudeversicherer eine Schlüsselrolle: Sie haben die Oberaufsicht über das Feuerwehrwesen und verfügen über Mitwirkungsrechte in der öffentlichen Planung des Katastrophenschutzes. Zusammen mit den Kantonen und Gemeinden finanzieren sie die Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren. Ein Teil der Versicherungsbeiträge fließt auch in diesen Bereich.

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