Hochwasserschutz: Kann die Schweiz als Vorbild dienen?

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen

Unsere südlichen Nachbarn in der Schweiz kommen ohne Staatshilfen durch die Flut. Was die Hochwasser-Pflichtversicherung in vielen Kantonen abdeckt und was nicht. Wie dabei Schadenprävention eingefordert wird, die den Beitrag überschaubar hält.

Beim Hochwasserschutz wird hierzulande wieder einmal über eine Versicherungspflicht für Hauseigentümer gestritten. In der Schweiz gibt es die längst. Bild: Pohl

Beim Hochwasserschutz wird hierzulande wieder einmal über eine Versicherungspflicht für Hauseigentümer gestritten. In der Schweiz gibt es die längst. Bild: Pohl

Derzeit besitzen 46 Prozent aller Hausbesitzer bundesweit einen Versicherungsschutz für Wohngebäude gegen Elementarschäden, also gegen alle Schäden, die die Natur anrichtet: Hochwasser, Starkregen, Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch und Erdbeben. „Die Mär vom unbezahlbaren Elementarschadenschutz hat mich mächtig aufgeregt“, sagte Makler Alexander Kirschweng, Geschäftsführer der SeVeS GmbH in Trier, kürzlich im procontra-Interview. Die Nachfrage der Kunden wächst.

Die meisten Vermittler haben professionell im Kundeninteresse gearbeitet, ohne das an die große Glocke zu hängen. Eine Pflichtversicherung hält Kirschweng für die letzte Möglichkeit, mit Zwang den Selbstschutz durchzusetzen. Der Staat solle lieber mehr in Hochwasserschutz investieren und den Neubau in gefährdeten Gebieten von Kommunen stoppen. Der Makler fordert auch, Hochwasser-Prophylaxe schon beim Hausbau verpflichtend einkalkulieren.

Schweizer Hauseigner meist elementarversichert

In dieser Hinsicht sind die Eidgenossen, in diesem Sommer ebenfalls von schweren Unwettern und Hochwasser betroffen, deutlich besser aufgestellt. Dort gibt es keine Debatten um milliardenschwere Staatshilfen. Das hat mehrere Gründe. Am wichtigsten: Die allermeisten Hauseigentümer sind unbegrenzt gegen Hochwasserschäden versichert – und zwar verpflichtend zumeist beim Monopolversicherer ihres Kantons.

In 19 der 26 Kantone existieren dafür regionale Gebäudeversicherer, also öffentlich-rechtliche Institutionen, die nach kantonal-gesetzlichen Vorgaben als Monopolanbieter gegen Feuer- und Elementarschäden absichern. In den drei weiteren Kantonen (Obwalden, Schwyz und Uri) können die Eigentümer wählen, bei welchem Anbieter sie – ebenfalls verpflichtend – ihr Haus versichern. Lediglich in vier Kantonen (Genf, Appenzell Innerrhoden, Tessin und Wallis) besteht keine Versicherungspflicht. Dennoch sind auch dort die meisten versichert, weil die Banken bei Vergabe von Immobilienkrediten darauf bestehen.

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