Geld im Überfluss

Gastkommentar Investmentfonds von Dr. Hans-Jörg Naumer

Liquidität gibt es bei den Zentralbanken derzeit im Überfluss – doch ein Abbau der Anleihenbestände scheint weiterhin in weiter Ferne. Mit einem Ende der Negativzinsphase sollte entsprechend nicht so schnell gerechnet werden, kommentiert Dr. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors.

Dr. Hans-Jörg Naumer, Bild: Allianz

Dr. Hans-Jörg Naumer, Director Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors, Bild: Allianz

Liquidität gibt es unverändert im Überfluss, zumindest was die großen Zentralbanken betrifft. Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) tut sich schwer mit einem Zeitplan, wann das „Tapering“ – also der Abbau der Anleihebestände – denn nun beginnen soll. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zwar gerade ihre geldpolitische Strategie überarbeitet, aber auch hier ist kaum damit zu rechnen, dass es zu einer baldigen Wende bei der Liquiditätsvergabe kommt – im Gegenteil. So oder so scheint bereits jetzt festzustehen, dass sie auf jeden Fall den US-amerikanischen Kollegen den Vortritt überlassen will, umso mehr als die Überprüfung des geldpolitischen Ansatzes der EZB die Tür für eine anhaltend expansive Geldpolitik geöffnet hat.

Im Detail wurden von den Euro-Währungshütern folgende wesentliche Entscheidungen getroffen:

1. Übergang zu einem symmetrischen Inflationsziel von 2 Prozent, mit der Möglichkeit eines temporären moderaten Überschießens

2. Stärkere Berücksichtigung von Aspekten des Klimawandels/-schutzes

3. Einbeziehung der Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum in die Messung der Konsumentenpreisinflation und bei der Einschätzung der Preisstabilität. Die Einbeziehung dieser Kosten bei der Berechnung der Inflationsrate ist sinnvoll und sollte mittelfristig zu einer Erhöhung der „offiziell” gemessenen Konsumentenpreisinflation führen, was dann restriktivere Signale liefern sollte – aber erst sobald dies implementiert ist.

Die schlechte Nachricht für alle, die auf ein Ende der Negativzinsen hoffen: EZB-Chefin Christine Lagarde hat bereits verkündet, dass mit einem Abbau der Zentralbankbilanz so schnell nicht zu rechnen ist. Im Gegenteil: Die jetzigen Programme sollen bis mindestens März 2022 fortgesetzt werden. Es bestünde noch keine Notwendigkeit über Änderungen bei den Anleihekaufprogrammen nachzudenken. Wow!