Finanzwende trommelt für Abschaffung der Provisionsberatung

Martin Thaler Berater Versicherungen

Kurz vor der Bundestagswahl veröffentlicht die Bürgerbewegung Finanzwende ein Forderungspapier an die Politik. Neben der Abschaffung von Provisionen plädieren die Verbraucherschützer auch für ein Ende der Riester-Rente und für mehr Verbraucherschutz durch die Bafin.

Schlagzeug Bild: Pixabay/thelifeofdina

Die Bürgerbewegung Finanzwende hat ein Forderungspapier anlässlich zur Bundestagswahl veröffentlicht. Bild: Pixabay/thelifeofdina

Die Wahl eines neuen Parlaments ist für Interessengruppen sämtlicher Form und Größe stets ein willkommener Anlass, ihre Ideen und Forderungen gegenüber der Politik öffentlichkeitswirksam zu formulieren.  Die Finanzbranche bildet hier keine Ausnahme. Nicht nur die Vermittlerverbände BVK und AfW schickten in den vergangenen Monaten ihre Vorstellungen und Lösungen für bestehende Probleme gen Berlin, auch der Verbraucherschutz meldete sich öffentlich zu Wort.

Nun hat anlässlich der Bundestagswahl in wenigen Wochen auch die Bürgerbewegung Finanzwende ein Forderungspapier vorgelegt. Neben der konsequenten Aufarbeitung von CumEx- und CumCum-Skandal, besseren Regeln für Wirtschaftsprüfer und einem „Lockdown für Dividenden“ für Unternehmen, die staatliche Hilfen in Anspruch genommen haben, beinhaltet das online abrufbare Papier auch einige Punkte, die aus Vermittlersicht von Interesse sind.

Kritik an Provisionen

An vorderster Stelle dürfte hierbei die Forderung nach einer Abschaffung des Provisionssystems stehen. „Provisionen führen immer wieder dazu, dass Verbraucherinnen keine passenden Produkte erhalten, sondern solche, die wegen hoher Provisionen im Eigeninteresse der Vermittler sind“, kritisieren die Autoren. Stattdessen sollten die Kunden für die Beratung – wie schon bei Steuerberatern und Rechtsanwälten – aus eigener Tasche zahlen.  

Sonderlich überraschend kommt dieser Punkt nicht. Bereits in der Vergangenheit hatten sich der Verein sowie Vorstand Gerhard Schick mehrfach kritisch im Bezug auf die provisionsbasierte Vergütung von Vermittlern gezeigt. Aus Vermittlerkreisen werden diese Forderungen stets strikt zurückverwiesen. Groß sind die Zweifel, dass die Verbraucher bereit sind, für eine Finanzberatung Geld in die Hand zu nehmen – Erfahrungen aus Großbritannien nähren diesen Verdacht. Der AfW nannte die ständigen Diskussionen über die Vergütungsfrage „branchen- und damit auch verbraucherschädlich“. Stattdessen plädiert der Vermittlerverband für das bestehende duale System aus Honorar- und Provisionsberatung.  

Neben der Provisionsvergütung möchte die Bürgerbewegung Finanzwende schnellstmöglich auch die Riester-Rente abgeschafft wissen, die von den Verbraucherschützern als zu teuer abqualifiziert wird. „Das Konzept hat als zusätzliche Altersvorsorge versagt und ist nicht mehr zu retten“, lautet für die Bürgerbewegung die sich hieraus ergebende Konsequenz. Statt für Riester solle sich die Bundesregierung für „ein günstiges und einfaches Altersvorsorgeprodukt nach schwedischem Vorbild starkmachen“. Bei dieser Forderung stehen die Chancen auf Umsetzung gut – praktisch jede Partei bis auf die FDP plädiert für ein Riester-Ende.  

Zunehmender Einfluss der Digitalwirtschaft

Kritisch steht die Bürgerbewegung Finanzwende auch dem Trend gegenüber, dass sich große Tech-Unternehmen ihren Einfluss zunehmend auch auf die Finanzwirtschaft ausweiten: „Immer da, wo große IT-Konzerne versuchen, in die Finanzwelt vorzudringen - wie zum Beispiel Facebook mit seiner Währung Libra/Diem oder Apple mit seinem digitalen Bezahlsystem - gilt es aus kartellrechtlicher Sicht kritisch zu prüfen“, heißt es im Forderungspapier. Grund hierfür ist die als gefährlich empfundene große Marktmacht der großen Tech-Unternehmen.  

Auch wenn namentlich nicht erwähnt, dürfte auch Amazon in diese Riege fallen. Hier wird seit einiger Zeit wieder über einen Einstieg des Handelsriesen in den Versicherungsbereich spekuliert. Mittlerweile vermittelt Amazon in den USA Haftpflichtpolicen – viele Experten sind überzeugt davon, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dieses Geschäftsmodell seinen Weg auch nach Deutschland findet.  

Darüber hinaus plädiert die Bürgerbewegung infolge des P&R- sowie Wirecard-Skandals für eine schlagkräftigere Finanzaufsicht, ohne hierbei jedoch groß ins Detail zu gehen. So heißt es unter anderem nur, dass die Bafin klare Pflichten benötige, um Hinweisen auf Finanzkriminalität nachgehen zu müssen.  

Bessere Finanzprodukte

Gleichzeitig solle die Bafin für bessere Finanzprodukte sorgen. Strenge Vorgaben, Untersuchungen und ein frühes Einschreiten sollen dafür sorgen, dass schädliche Produkte schneller vom Markt verschwinden. Eine Stärkung in diesem Bereich hat die Finanzaufsicht bereits durch die jüngste Reform in diesem Jahr erfahren: So soll die Bafin in Zukunft anonyme Testkäufe durchführen können, um einschätzen zu können, wie einzelne Akteure am Finanzmarkt mit ihren Kunden umgehen. Ein entsprechendes Pilotprojekt zum sogenannten „Mystery Shopping“ war im Mai gestartet.

Das vollständige Forderungspapier finden Sie hier.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!