Elementardeckung: „Die Mär vom unbezahlbaren Schutz“

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Das ZDF sendete aus den Hochwassergebieten auch die Botschaft, dass eine Elementarschadenpolice unbezahlbar sei. Im Interview führt Makler Alexander Kirschweng die These ad absurdum.

Der Einschluss der Elementarschadendeckung kostet meist nur 10 bis 30 Prozent mehr im Jahr, angesichts einer Hochwasserkatastrophe ein Klacks, sagt Makler Alexander Kirschweng. Bild: SeVeS

Der Einschluss der Elementarschadendeckung kostet meist nur 10 bis 30 Prozent mehr im Jahr, angesichts einer Hochwasserkatastrophe ein Klacks, sagt Makler Alexander Kirschweng, Geschäftsführer der SeVeS GmbH in Trier. Bild: SeVeS

procontra: Sie wohnen seit Jahren in Trier nahe der Mosel und sind als Makler hochwassererprobt. War es diesmal wie früher auch nach einem Hochwasser?

Kirschweng: Ich wohne in Trier und habe natürlich viele Schäden vor Ort gesehen. Einige Kunden sind betroffen, andere nicht. Bei einer Kundin wird die Elementarschadenversicherung die Gebäudeschäden tragen – bei einem überschaubaren Selbstbehalt. Doch ihr Mieter, der im Erdgeschoss wohnt, hat seinen gesamten Hausrat verloren und war nicht gegen Hochwasser versichert.

procontra: Über solche Fälle hat das Fernsehen ja intensiv berichtet. Das ZDF verband das mit der Nachricht, dass viele ja gerne eine Elementarschadenversicherung hätten, die aber unbezahlbar sei. Ist das so?

Kirschweng: Die Mär vom unbezahlbaren Elementarschadenschutz hat mich mächtig aufgeregt. Hätte man vernünftig recherchiert, wäre in kurzer Zeit klargeworden, dass derzeit 46 Prozent bundesweit einen solchen Schutz für Hausrat und Wohngebäude besitzen. Die jetzige Krise sollte alle Maklerkollegen ermuntern, die unversicherten 54 Prozent nochmals zu beraten. Natürlich gibt es einige wenige Gebiete und Objekte, die nicht oder wirklich nur zu extrem hohen Beiträgen versichert werden können. Doch die allermeisten Häuser und deren Hausrat konnten bisher zu verträglichen Konditionen versichert werden.

procontra: Woran liegt die Zurückhaltung vieler Kunden?

Kirschweng: Es ist offensichtliche eine sehr spezielle Risikoabwägung nach dem Motto: Bisher ist es doch jahrelang glimpflich bei Hochwasser ausgegangen. Und immer wieder springt bei Katastrophen ja der Staat ein. Unter diesen Vorzeichen sind viele einfach zu geizig, einen großen, oft sogar den größten Teil Ihres Vermögens gut zu versichern.

procontra: Was tun Sie, um da ein Umdenken zu erreichen?

Kirschweng: Zunächst einmal muss tatsächlich ein Umdenken im Kopf erreicht werden. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass Kunden gern ihr Handy und das uralte Auto voll absichern wollen, aber nicht existentielle Sachen wie das eigene Haus. Und andere lehnen es ab, einen Selbstbehalt bei Schäden zu tragen, etwa 250 oder 500 Euro pro Gebäudeschaden, obwohl die Gesamtschadenhöhe bei einem Hochwasser oder Erdrutsch sie ruinieren würde und der Selbstbehalt nur ein kleiner Klacks ist, der zudem den Jahresbeitrag für die Versicherung deutlich reduziert.

procontra: Einige, die jetzt Haus und Hof verloren haben, werden nach dem Wiederaufbau hoffentlich klüger sein. Oder brauchen wir tatsächlich eine Pflichtversicherung, die die Leute vor sich selbst schützt?

Kirschweng: Viele Kollegen haben in den vergangenen Jahren wie ich auch ihren Kunden dringlich empfohlen, ihre Immobilien samt Hausrat gegen Elementarschäden abzusichern. Der Mehrbeitrag hält sich fast immer sehr in Grenzen – häufig nur 10 bis 30 Prozent Zuschlag auf die bestehende Police, oft sogar weniger als 200 Euro im Jahr. Und wenn es wirklich mal 600 Euro im Jahr sein sollten, ist entweder das Objekt entsprechend groß – und die 600 Euro dann wirklich kein finanzielles Problem –, oder man kommt mit einem vernünftigen Selbstbehalt zu einem akzeptablen Beitrag. Die Nachfrage wächst.

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