Digitale Gesundheitsservices: So weit sind die privaten Krankenversicherer

Stefan Terliesner Berater Versicherungen Top News

Ärzte werden vernetzt  

Auch die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung des Gesundheitswesens Schwung verliehen. Aktuell werden alle Akteure über den Aufbau einer Telematik-Infrastruktur (TI) elektronisch vernetzt. Dafür gibt es seit Jahren die Gematik. Gesellschafter sind der Bund sowie die Verbände der Ärzte, Krankenhäuser, Apotheker und GKV. Finanziert wird die Gematik zu 93 Prozent aus GKV-Beiträgen und zu 7 Prozent durch die PKV. Der PKV-Verband war ursprünglich mit an Bord, ist dann als Gesellschafter ausgestiegen, um im April 2020 dann aber doch wieder mit einem kleinen Anteil von 2,45 Prozent einzusteigen.

Damit es angesichts dieser Gemengelage an unterschiedlichen Interessen endlich vorangeht, hatte der Bund 2019 die Mehrheit von 51 Prozent der Stimmrechte übernommen. Zuvor hielt der GKV-Spitzenverband 50 Prozent der Anteile und die übrigen Verbände zusammen die andere Hälfte. Alle Verbände gaben winzige Anteile ab.  

Diese Konstellation verdeutlicht, warum die PKV heute um einen diskriminierungsfreien Zugang zur Telematik-Infrastruktur kämpfen muss. Während gesetzlich Krankenversicherte beispielsweise schon von  der ePA profitieren, wenn auch hier nur von Basisfunktionen, geht die PKV erst Anfang 2022 an den Start. Dann sollen zumindest Anlaufschwierigkeiten behoben sein. „Die PKV steigt direkt mit einer ePA 2.0 ein, die den Versicherten wirklich Mehrwerte wie den Impfpass und das zahnärztliche Bonusheft in digitaler Form bietet“, so Christian Hälker, Geschäftsführer Zentrale Dienste im PKV-Verband. Die ePA soll medizinische Informationen und Dokumente der Nutzer enthalten, die bislang an verschiedenen Orten dokumentiert sind – auch Röntgenbilder und eine Medikamenten-Übersicht.  

Smartphone statt Karte  

Einen anderen zentralen Prozess versucht der PKV-Verband laut Hälker derzeit „im Sinne der PKV-Unternehmen zu gestalten“. Dabei handele es sich um die elektronische Gesundheitskarte, die in der GKV Voraussetzung für die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur und die Nutzung von Diensten wie ePA und E-Rezept ist. Einige PKV-Unternehmen, die Anfang 2022 die Telematik-Infrastruktur für ihre Versicherten nutzen möchten, müssen wahrscheinlich eine elektronische Gesundheitskarte ausgeben.

Statt der Plastikkarte mit Chip und Lichtbild wünscht der PKV-Verband, dass privat Krankenversicherte über ihr Smartphone auf die Telematik-Infrastruktur und die E-Health-Dienste zugreifen können. Hier habe die PKV tatsächlich „gewisse Freiheiten“. So sehe der Gesetzgeber vor, dass die PKV auch ausschließlich digitale Identitäten ausgeben kann.  

Die PKV verspricht sich hiervon eine größer Nutzerfreundlichkeit, schließlich müssten Versicherte dann nicht extra eine Plastikkarte mitführen. Vor allem wären die privaten Krankenversicherer näher am Kunden und in ihrem Alltag relevanter, schließlich wollen sie in Zukunft Gesundheitsdienstleister sein und nicht reine Kostenerstatter. Auch Makler sollten etwas Know-how in Sachen E-Health aufbauen. Beim Kunden käme das gewiss gut an.

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