Digitale Gesundheitsservices: So weit sind die privaten Krankenversicherer

Stefan Terliesner Berater Versicherungen Top News

Anbieter überarbeiten ihre Tarifwerke und bieten Versicherten die Teilnahme an E-Health an – jedoch mit unterschiedlichen Leistungen. Maklern mit Durchblick bieten sich neue Chancen.

E-Health Bild: Adobe Stock/keBu.Medien

E-Health-Angebote versprechen auch für Makler neues Vertriebspotential. Bild: Adobe Stock/keBu.Medien

Vermittler von privaten Krankenvollversicherungen müssen immer stärker auf Unterschiede in den Tarifbedingungen achten. Denn der Markt für Gesundheitsdienstleistungen ist in Bewegung, die Digitalisierung ermöglicht immer mehr E-Health-Angebote. Ausprägungen sind unter anderen die elektronische Gesundheitskarte (eGK), Telematik-Infrastruktur (TI), elektronische Patientenakte (ePA), elektronische Gesundheitsakte (eGA), Telemedizindienste wie Videosprechstunden sowie Gesundheit-Apps und Fitnesstracker.  

Digitales Vorsorgegesetz  

Regierung und Parlament haben auf das wachsende Angebot an digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGa) reagiert und ein „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ erlassen. Es zielt zwar nur auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). „Die Vorgaben werden aktuell aber auch in der privaten Krankenversicherung aufgegriffen,“ hat Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen und Morgen, festgestellt.

Die folgenden Anbieter hätten bereits teilweise oder komplett ihre verkaufsoffenen Tarife aktualisiert: Allianz, AXA/DBV, Bayerische Beamtenkrankenkasse, Union Krankenversicherung, Continentale, Münchener Verein, Nürnberger und Württembergische.  

Weitere Gesellschaften würden ihre Allgemeinen Versicherungsbedingungen diesbezüglich zum Jahresende ändern. Bohrmann prognostiziert: „E-Health-Angebote fließen in die Tarifwerke ein und werden zunehmend ein Thema in der Vermittlung. Daher sind diese Tarifeigenschaften jetzt in unserer Vergleichssoftware filterbar und hinsichtlich ihrer Leistungen vergleichbar.“

Auch andere Analysehäuser, wie zum Beispiel Franke und Bornberg, sehen diesen beginnenden Trend. Beobachtern zufolge wird sich der Markt für private Krankenversicherungen auch über E-Health-Angebote differenzieren und Unterschiede in den Tarifen aufweisen. Für Vermittler entstehe hier ein neues Feld, das Beachtung in der Beratung bedarf.  

Chancen auf Neugeschäft  

Maklern eröffnet sich Neugeschäftspotenzial. Wohl jeder Mensch ist an Gesundheitsangeboten interessiert. Neuerungen auf diesem Gebiet sind stets ein Vertriebsargument. Es könnte sich also für Makler lohnen, die E-Health-Angebote ihrer Versicherungspartner – oder von potenziellen Produktgebern – mal unter die Lupe zu nehmen. procontra hat zehn Anbieter nach ihrem E-Health-Angebot befragt. Das Ergebnis: Alle arbeiten fleißig an dem Thema. „Wir bereiten die Änderung unserer Tarifwerke vor“, heißt es bei der Hallesche Kranken. Und weiter: „Leistungen für DiGa sollen rechtsverbindlich für das Neu- und Bestandskundengeschäft vereinbart werden.“ Die Änderungen sollen ab 2022 gelten.   

Schon weiter ist die Allianz. „Wir haben zum 1. Januar 2021 unser Tarifwerke für Neu- und Bestandskunden angepasst“, sagt eine Sprecherin. Der Versicherer erstatte DiGa auch über den Leistungsumfang der GKV hinaus. Beispiele wären eine ärztlich begleitete Online-Tinnitus-Therapie (Tinnitracks) oder ein digitales Training zur Förderung der mentalen Gesundheit von Kindern (Aumio). Auch die Nürnberger erstattet eigenen Angaben zufolge bereits Anwendungen, „die im DiGa-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukt gelistet sind und somit eine attestierte Wirksamkeit vorweisen.“

Weitere digitale Services, die aber noch nicht in den Bedingungen geregelt seien, seien zum Beispiel ärztliche Beratung und Rezepte per App (TeleClinic), die Online-Gesundheitsplattform Exparo und Gesundheitskurse für bKV-Versicherte (Humanoo).  

Seite 1: Chancen auf Neugeschäft
Seite 2: Smartphone oder Karte?