Die Unfallversicherer mit den meisten Beschwerden

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Im Jahr 2020 war die private Unfallversicherung erneut eine Sparte mit auffallend wenigen Kundenbeschwerden bei der Bafin. Dennoch schnitten einige Anbieter beim Beschwerdeaufkommen deutlich schlechter ab als andere.

Wenn der Unfallversicherer nicht so will wie der Kunde, kann dieser schon einmal aus der Haut fahren – und zur Bafin-Beschwerde greifen. Bild: Adobe Stock/Elnur

Wenn der Unfallversicherer nicht so will wie der Kunde, kann dieser schon einmal aus der Haut fahren – und zur Bafin-Beschwerde greifen. Bild: Adobe Stock/Elnur

Bei der Anzahl der Verträge tritt die private Unfallversicherung seit fünf Jahren auf der Stelle – wenngleich die Sparte den meisten Anbietern hohe Gewinne beschert. Dennoch wäre ein Ausbau dieses lukrativen Geschäftsfeldes für sie wünschenswert. Dabei könnte ausgerechnet die Corona-Pandemie für Auftrieb sorgen, schließlich bringt sie mit sie mit ihren Einschränkungen für Privatleben und Beruf auch mehrere Beratungsansätze mit sich.

Da wäre erstens die Verlagerung vieler Arbeitsstunden ins Homeoffice. Auch wenn der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) an diese Umstände angepasst wurde, so sollte bei Mischformen dringend vorher geklärt werden, ob die GUV greift. Deutlich schwerer wiegt der zweite Aspekt: Sport und Freizeit. Zum Beispiel haben Motorräder und E-Bikes in der Pandemie bundesweit mehr Nachfrage erfahren. Dazu kommt, dass durch das Tourismus-Tief deutlich mehr Menschen ihre Wohnungen und Häuser renovieren oder sonstige handwerkliche Projekte angehen. Auch dabei lauern zahlreiche Gefahren, etwa beim Deckenstreichen auf der wackeligen Leiter. Ein dritter Aspekt ist die Absicherung vor Impfschäden mit Blick auf die Corona-Impfungen. Zwar ist es extrem unwahrscheinlich, infolge der Impfung einen Invaliditätsgrad davonzutragen. Doch auch diesen decken bereits manche private Policen ab.

Natürlich sind nicht alle Kunden mit ihrem Unfallversicherer zufrieden. Insgesamt 173 ihrer Beschwerden konnte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Jahr 2020 abschließend bearbeiten. Das sind acht Stück weniger als im Vorjahr, als sich das Beschwerdeaufkommen in der privaten Unfallversicherung ebenfalls auf vergleichsweise niedrigem Niveau befand. In anderen Sparten liegt die Fallzahl um einiges höher:

In der Unfallversicherung verteilten sich die Fälle in 2020 auf 43 Anbieter. Im Verhältnis zu deren rund 57 Millionen Verträgen entfiel somit durchschnittlich eine Beschwerde auf 325.696 Policen. Bei neun Unternehmen entfiel eine Beschwerde auf weniger als 100.000 Policen (siehe Bilderstrecke unten). Allerdings sei betont, dass aufgrund des geringen Beschwerdeaufkommens in der Unfallversicherung bereits ein Fall ausreichen kann, um auf eine schlechte Beschwerdequote zu kommen.

Die meisten Beschwerden betrafen die Allianz (25). Aufgrund ihrer Bestandsgröße von 4.474.026 Verträgen taucht sie aber nicht unter den Anbietern mit den schlechtesten Beschwerdequoten auf.

Die 9 Unfallversicherer mit dem höchsten Beschwerdeaufkommen

Platz 9: Signal Iduna (97.782)
Über die Signal Iduna hatte die Bafin elf Beschwerden in der Unfallversicherung abschließend zu bearbeiten. Bezogen auf ihren Bestand von 1.075.597 Verträgen in dieser Sparte entfiel ein Fall auf 97.782 Policen. Bild: GDV