Autoversicherung für Ältere: mit Check zum Rabatt

Hannah Petersohn Versicherungen

Ältere Autofahrer verursachen häufiger Unfälle als jüngere, heißt es. Nun lockt ein Versicherer über 70-jährige PKW-Fahrer mit Rabatten, wenn sie ihre Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen.

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Der Versicherer R+V will ältere Autofahrer animieren, ihre Fahrtüchtigkeit checken zu lassen und lockt mit Rabatten. Bild: Adobe Stock/detailblick-foto

Senioren verursachen häufiger Unfälle als jüngere Autofahrer, soweit das gängige Urteil. In diesem Sinne verkündete Ende Juni dieses Jahres die R+V Versicherung, die Sicherheit von Senioren am Steuer fördern zu wollen. Konkret stellt das Unternehmen Autofahrern ab 70 Jahren einen geringeren Versicherungsbeitrag in Rechnung, wenn sie ihre Fahrfähigkeiten überprüfen lassen.

Das Ergebnis dieses Checks spiele für den Rabatt keine Rolle. Auch werde es dem Versicherungsunternehmen nicht gemeldet. Die Kosten für die Überprüfung müssen die Versicherungsnehmer zwar selbst tragen. Dafür ist aber nur eine einmalige Teilnahme nötig, um für die weitere gesamte Zeit der Versicherungsdauer den entsprechenden Rabatt einzustreichen.

Solcherart Prüfungen heißen Rückmeldefahrt und werden von Fahrlehrern begleitet. „Die ein- bis zweistündige Rückmeldefahrt hilft Senioren, sich selbst und andere mit wenig Aufwand vor Unfällen zu schützen“, erklärt Patricia Rehse, Kfz-Expertin bei der R+V. Im Anschluss an eine Fahrt analysiert der Fahrlehrer gemeinsam mit dem seniorigen Schüler die jeweiligen Stärken und Schwächen im Straßenverkehr. Eine Art Biofeedback von Mensch zu Mensch, das dazu dient, sich des eigenen Verhaltens bewusst zu werden, um es dadurch gegebenenfalls verändern zu können.

Das sei gerade für Senioren wichtig, weil sie nicht nur öfter als andere Altersgruppen Unfälle verursachen, sondern sie dabei auch häufiger schwere Unfallfolgen erleiden. Statistisch betrachtet sind ältere Menschen tatsächlich überproportional oft in schwere Verkehrsunfälle verwickelt. 2019 war jeder dritte Verkehrstote älter als 65 Jahre. Die körperliche Widerstandskraft lässt nach, die Folgen eines Unfalls sind schwerwiegender.

Status: Es ist kompliziert

In regelmäßigen Abständen wird darüber diskutiert, ob Fahrer ab einem gewissen Alter den Führerschein abgeben sollten. In der Schweiz müssen ältere Autofahrer alle zwei Jahre bei einem Hausarzt ihre körperlichen Funktionen wie den Sehsinn checken lassen. Aber sind ältere Fahrer hierzulande wirklich für das Gros der Unfälle verantwortlich?

Für Europas größten Verkehrsclub, den ADAC, stellen ältere Menschen keineswegs eine besondere Problemgruppe im Straßenverkehr dar. Vielmehr seien sie nach wie vor seltener an Unfällen mit Personenschäden beteiligt als andere Altersgruppen, schreibt der ADAC auf seiner Internet-Präsenz zum Thema „Fahr-Fitness-Check“. Der Verein beruft sich dabei auf die Daten des Statistischen Bundesamts.

Und in der Tat, ein Blick in die Statistik zeigt: Während im vergangenen Jahr knapp 40.000 Senioren, also Menschen ab einem Alter von 65 Jahren, an Unfällen im Straßenverkehr beteiligt waren, lag die Unfallbeteiligung bei den Jüngeren deutlich höher. In der Alterskohorte der 18- bis 35-Jährigen zählte das Statistische Bundesamt über 98.000 Unfälle.

Noch dazu ist der Anteil der Menschen ab 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das könnte die Statistik sogar zu ihren Ungunsten beeinflussen, wenn ihr Anteil nicht in Relation gesetzt wird. Und: Senioren sind wesentlich mobiler geworden und nutzen ihr Auto bis ins hohe Alter. Sie sind damit also häufiger als in der Vergangenheit am Verkehrsgeschehen beteiligt, wenngleich naturgemäß der alltägliche Arbeitsweg bei ihnen wegfällt. Nichtsdestotrotz ermittelte 2019 das Bundesamt für Statistik, dass Senioren im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil eine unterproportionale Unfallbeteiligung bei Unfällen mit Personenschaden haben.

Beteiligt oder Hauptverursacher?

Die R+V greift bei ihrer Risiko-Einschätzung auf die Daten vom Bundesverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zurück. Demnach sind sowohl jüngere als auch ältere Fahrer vergleichsweise häufig Hauptverursacher von Unfällen. Die geringste Unfallquote hätten die 35- bis 55-Jährigen. Daher rät der GDV auch zu Abschlägen beim Versicherungsbeitrag in Abhängigkeit vom Alter. Soll heißen: der Versicherungsbeitrag für Fahrer mittleren Alters sinkt, während er für sehr jünge und ältere Fahrer steigt.

Und es ist ein Unterschied, ob jemand „nur“ an einem Unfall beteiligt oder aber der Hauptverursacher ist. Als Beteiligter gilt nach der Straßenverkehrsordnung jemand, dessen Verhalten zu einem Unfall beigetragen hat. Das können also auch Fußgänger, Beifahrer oder Fahrradfahrer sein. Für die Versicherer ist natürlich von Bedeutung, wer letztlich die Schuld am Unfall trägt, also Hauptverursacher ist. Allerdings ist genauso wichtig, wie groß der dabei entstandene Schaden ist.

Entsprechend heißt es von den Wiesbadener Statistikern, es gebe durchaus häufig Unfälle unter den älteren Autofahrern, nur: „Ältere verursachen nicht so schwere Unfälle wie jüngere Verkehrsteilnehmer. Sie fahren langsamer und weniger riskant“, sagt Cornelia Kerzl vom Bundesamt für Statistik.

Smartes Feedback

Unabhängig von dem Vorhaben der R+V, die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen, versuchen Versicherer wie die Allianz, Huk-Coburg oder Generali auch via Telematik-Tarifen Einfluss auf das Fahrverhalten ihrer Kunden zu nehmen. Dabei wird mit Hilfe einer App auf dem Smartphone das Fahrtverhalten aufgezeichnet, an den Versicherer übermittelt und anschließend ausgewertet. Wer umsichtig fährt, wird mit einem Rabatt in der Kfz-Versicherung belohnt. Meist können Autofahrer bereits auf ihrem Handy ihre Fahrweise überprüfen. Waren diese Tarife oftmals anfänglich auf junge Autofahrer begrenzt, werden sie mittlerweile für alle Altersgruppen angeboten.

Auch hier ist die Hoffnung der Versicherer: Unfälle minimieren, die Schadenhöhe begrenzen, Schadenfälle reduzieren. Doch gehen die Meinungen darüber auseinander, wie sinnvoll die einzelnen Parameter dieser Aufzeichnung sind: Während Bremsverhalten und Beschleunigung in die Bewertung einfließen, lassen sich Unfallrisiken wie zu dichtes Auffahren oder Missachtung von Straßenverkehrsschildern oder einer roten Ampel kaum erfassen.

Tragen die Bemühungen der Versicherer, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, vielleicht sogar schon Früchte? Im Mai 2021 gab es so wenige Verkehrstote wie noch nie in einem Mai seit der Wiedervereinigung. Und das, obwohl der Mai dieses Jahres weniger stark vom Pandemie-Geschehen geprägt war und wieder mehr Menschen auf der Straße waren. Auch ist die Zahl der Schwerverletzen und der Verkehrsunfälle insgesamt zurückgegangen. Es liegen allerdings keine Daten darüber vor, inwieweit Smart-Feedback oder Rückmeldefahrt dafür ausschlaggebend waren.

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