Ausgaben für gesetzliche Rentenversicherung steigen deutlich

Martin Thaler Versicherungen

Für die Finanzierung von Unfallversicherungen, Gesundheitsversorgung und Rente muss der Staat immer tiefer in die Tasche greifen. Vor allem bei der Rente steigt der Steuerzuschuss über die nächsten Jahre deutlich an.

Sozialausgaben Bild: Adobe Stock/Elnur

Der Staat muss für die gesetzliche Rente immer mehr Mittel dazuschießen, wie aus dem aktuellen Sozialbericht der Bundesregierung hervorgeht. Bild: Adobe Stock/Elnur

Einmal pro Legislaturperiode legt die Bundesregierung einen umfangreichen Bericht vor, aus dem hervorgeht, welche Sozialleistungen der Staat in den zurückliegenden Jahren erbracht hat und was er sich diese hat kosten lassen. Den aktuellen Sozialbericht verabschiedete an diesem Mittwoch das Bundeskabinett.  

Ein Blick in die über 300 Seiten offenbart: Aufgrund der Alterung der Gesellschaft sowie umfangreicher Leistungsversprechen muss die Bundesregierung zur Finanzierung immer tiefer in die Tasche greifen. Zahlte der Staat 1991 noch 395 Milliarden für Sozialhilfe, Gesundheit, Rente oder gesetzliche Unfallversicherungen, waren es 2020 bereits 1,12 Billionen Euro. Bis 2025 sollen die Sozialausgaben auf 1,28 Billionen steigen.  

Auch der prozentuale Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich über die Jahre merklich. Entfielen 1991 noch knapp 25 Prozent des BIPs auf Sozialausgaben, liegt der Anteil 2020 bereits bei 33,6 Prozent. Bis 2025 soll dieser Anteil den Prognosen zufolge jedoch wieder auf 32,1 Prozent sinken  

Dass die stark steigenden Ausgaben nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind, zeigt ein Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung. So steigen die Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung von 344,5 Milliarden im vergangenen Jahr auf 405,1 Milliarden im Jahr 2025. Verantwortlich hierfür sind neben der Alterung der Gesellschaft auch politische Reformen, wie beispielsweise die Einführung der Grundsicherung oder die Aussetzung des Nachholfaktors bei der gesetzlichen Rente bis 2025.  

Bundeszuschuss für Rentenversicherung steigt deutlich

Verbunden mit dieser Entwicklung ist auch eine deutliche Erhöhung des Bundeszuschusses für die Rentenversicherung. Zahlte der Bund im vergangenen Jahr knapp 81 Milliarden aus dem Steuersäckerl dazu, wird dieser Zuschuss laut Sozialbericht bis 2025 um knapp ein Viertel auf 98 Milliarden Euro steigen.  

Angesichts dieser Zahlen werden Erinnerungen einen Bericht wach, den im Frühsommer der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums präsentiert hatte. Gewarnt hatte dieser vor „schockartig steigenden Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung“ ab dem Jahr 2025. Um den deutlichen Ausgabensteigerungen der Zukunft zu begegnen, hatten die Rentenexperten unter anderem eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vorgeschlagen.  

In der Politik war der Vorschlag des Experten-Gremiums auf deutliche Ablehnung gestoßen. Finanzminister Olaf Scholz sprach in der Tagesschau von einem Horrorszenario, mit dem Rentenkürzungen durchgesetzt werden sollten, für die es derzeit keinen Anlass gebe. CSU-Politiker Alexander Dobrindt sprach von einer verfehlten Debatte und mahnte, dass man die zukünftige Entwicklung nicht voraussehen könne. Die Zahlen des Sozialberichts zeigen allerdings, dass es für den Staat immer kostspieliger wird, die Rente für alle zu gewährleisten.

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