Amazon vermittelt Haftpflicht-Policen

Martin Thaler Berater Versicherungen

In den USA vermittelt Amazon nun Haftpflicht-Policen an Online-Händler, die über den Marktplatz des Tech-Riesen Geschäfte machen. Den beteiligten Versicherern macht Amazon dabei genaue Vorgaben. Gut vorstellbar, dass dieses Modell auch in Deutschland zur Anwendung kommt.

Amazon Bild: Adobe Stock/Mike Mareen

Kunden in den USA bekommen nun einen umfangreichen Schutz bei defekten Produkten zugesichert. Händler müssen dafür nun Haftpflichtversicherungen abschließen, bei denen Amazon die Bedingungen diktiert. Bild: Adobe Stock/Mike Mareen

Die Frage, ob sogenannte Big-Tech-Unternehmen wie Amazon den Sprung ins Versicherungsgeschäft wagen, beschäftigt die Branche seit langem. Im November 2017 reichte beispielsweise eine Stellenanzeige für Versicherungsprofis von Amazon aus, um die Branche auch hierzulande in helle Aufregung zu versetzen.  

Nun tätigt der amerikanische Handelsriese einen weiteren Schritt in Richtung Versicherungsmarkt – zumindest in den USA. Dort hat Amazon mittlerweile den „Amazon Insurance Accelerator“ ins Leben gerufen, mit dem er seine Kunden stärker gegen Sach- und Personenschäden absichern möchte. „Wir erweitern unsere A-bis-Z-Garantie, um unsere Kunden für den unwahrscheinlichen Fall abzusichern, dass ein über Amazon erworbenes Produkt zu Sachschäden oder Verletzungen führt“, teilen die Amerikaner auf ihrer Homepage mit. 

Diese Garantie sieht vor, dass Kunden im Fall von Schäden bis zu 1.000 Dollar sich nicht mehr an den Händler direkt wenden müssen, sondern den Schaden von Amazon selbst beglichen bekommen. Darüber hinaus verspricht der Handelsriese auch bei höheren Schäden einzuschreiten, wenn der Händler eine Begleichung des Schadens ablehnt oder nicht auf die Kundenanfragen reagiert. Für Kunden soll es dadurch einfacher werden, bei gerechtfertigten Ansprüchen zu ihrem Geld zu kommen. Verkäufer müssen für Schäden unter 1.000 Dollar nicht mehr selbst aufkommen.  

Haftpflichtversicherung nötig

Allerdings knüpft Amazon die erweiterte Garantie an die Voraussetzung, dass die bei Amazon gelisteten Händler eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben müssen. Und wie diese ausgestaltet sein muss, gibt Amazon ganz genau vor. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ muss die Deckungssumme mindestens eine Million Dollar betragen, der von den Händlern zu tragende Selbstbehalt maximal bei 10.000 Dollar liegen.  

Angeboten werden die Versicherungen nicht von Amazon selbst – zumindest noch nicht. Der Handelsriese hat zu diesem Zweck ein Netzwerk – besagten „Amazon Insurance Accelerator“ – ins Leben gerufen, an dem sich mehrere Versicherer beteiligten. Laut „Süddeutscher Zeitung“ sind neben dem Online-Makler Marsh auch die Versicherer Chubb, Hiscox und die Munich Re beteiligt.  

Diese müssen sich der Marktmacht und damit den Regeln Amazons beugen. So hat der Tech-Riese unter anderem genaue Vorstellungen, wie die Schadenbearbeitung abzulaufen hat – maximal 30 Tage haben die Versicherer Zeit, einen gemeldeten Schaden abzuwickeln.  

Bedrohung für die Branche?

Zudem behält sich Amazon das Recht vor, von den Versicherern abgelehnte Schadenansprüche noch einmal selbst zu prüfen. Kommt der Online-Händler zu einem anderen Ergebnis als die Versicherer, bezahlt er den Schaden aus eigener Tasche, nimmt nachfolgend den Versicherer aber dafür in Regress.  

Erst einmal ist das neue Garantie-Angebot nur für die Amazon-Kunden in den USA. Es gilt aber als sehr wahrscheinlich, dass Gründer Jeff Bezos das Konzept auch auf weitere Märkte ausweitet.  

Zumindest dann, wenn sich das Modell als erfolgreich erweist. Schon in der Vergangenheit hatte Amazon erste Schritte in Richtung Versicherungsgeschäft getätigt, von denen nicht alle auch von Erfolg gekrönt waren. Zu nennen ist hier an erster Stelle der von Amazon zusammen mit der Bank JP Morgan und der Investmentgesellschaft von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, gegründete eigene Krankenversicherer. Nach drei Jahren wurde das mit Namen „Haven Healthcare“ versehene Gemeinschaftsprojekt wieder eingestampft – zu den Gründen wollten sich die Initiatoren nicht äußern.  

Ob Amazon tatsächlich zu einer Gefahr für die deutschen Versicherer werden kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. 2017 diskutierten auf procontra-online Kommunikations-Profi MarKo Petersohn und Digitalisierungs-Experte Daniel Feyler kontrovers über das Thema. Eine Debatte, die auch in Zukunft wieder intensiv geführt werden dürfte.

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