Altersvorsorge: Zahl der Hochbetagten erreicht Rekordwert

Hannah Petersohn Berater Versicherungen

Immer mehr Menschen in Deutschland werden einhundert Jahre und älter. Die meisten von ihnen sind Frauen. Gerade sie sorgen aber selten fürs Alter vor und sind häufiger von Altersarmut betroffen.

Ältere Frau Bild: Adobe Stock/Hunor Kristo

Die Zahl der Hundertjährigen ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Über 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Bild: Adobe Stock/Hunor Kristo

Die Deutschen werden immer älter. Im vergangenen Jahr sind laut Statistischem Bundesamt 20.465 Menschen einhundert Jahre und älter geworden. Trotz Corona-Pandemie waren das 3.500 mehr Hochbetagte als noch 2019. „Noch nie während der letzten zehn Jahre gehörten so viele Menschen zur Altersgruppe 100 plus“, teilten die Wiesbadener Statistiker mit. Dabei war nicht nur absolut gesehen die Zahl der Hundertjährigen im vergangenen Jahr am höchsten. Auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist gestiegen. 

Gut 80 Prozent der Hochbetagten waren Frauen. Und gleichzeitig sind es ausgerechnet Frauen, die seltener privat für das Alter vorsorgen als Männer. Während 56 Prozent der Männer eine private Vorsorge treffen, tun das hierzulande nur 43 Prozent der Frauen, wie eine aktuelle Studie der Versicherung Swiss Life Deutschland ergeben hat.

Versorgungslücke betrifft alle

Das ist besonders verhängnisvoll, weil Frauen im Schnitt auch eine geringere gesetzliche Rente beziehen: Das durchschnittliche Alterseinkommen von Männern lag im Jahr 2019 bei 1.816 Euro. Alleinstehende Frauen verfügten monatlich über durchschnittlich 1.607 Euro, wie aus dem aktuellen Sozialbericht der Bundesregierung hervorgeht. Ihr Alterseinkommen ist also niedriger als das von Männern. Ein Fakt, der vielen Frauen offenbar unbekannt ist: In einer Umfrage gaben 80 Prozent der Frauen zwischen 20 und 60 Jahren an, noch nie von dem sogenannten Gender Pension Gap gehört zu haben.

Doch betrifft die Versorgungslücke im Alter letztlich beide Geschlechter gleichermaßen. Sich nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen, ist zu kurz gegriffen – auch weil die finanzielle Belastung für den Bund immer größer wird. Ein Beratergremium des Bundeswirtschaftsministeriums hatte im Juni dieses Jahres vor schockartigen Beitragserhöhungen in naher Zukunft gewarnt. Andernfalls könne das Rentenniveau nicht gehalten werden. Der Vorschlag der Experten, unter anderem das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu knüpfen, war jedoch von Vertretern sämtlicher Parteien abgelehnt worden.

 

Wenn Ihnen dieser Artikel gefällt, abonnieren Sie unseren täglichen kostenlosen Newsletter für weitere relevante Meldungen aus der Versicherungs- und Finanzbranche!