„Wir werden in Zukunft weitere Run-Offs sehen“

Matthias Hundt LV-Check Versicherungen

procontra: Sie haben kürzlich an anderer Stelle prognostiziert, dass kein Lebensversicherer Konkurs geht – was macht sie da so sicher?

Schneidemann: Zum einen die aufgebauten Sicherungsmittel, wie die Zinszusatzreserve, und zum anderen die Kontrollmechanismen, beispielsweise durch die Finanzaufsicht, die vorhanden sind.

procontra: Ist  davon auszugehen, dass weitere Unternehmen ihr Neugeschäft einstellen und in den Run-Off gehen?

Schneidemann: Es ist zumindest nicht auszuschließen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, in dieser Debatte, die ja zum Teil recht emotional geführt wird, zwischen einem internen und einen externen Run-Off zu unterscheiden. Bei einem internen Run-Off bleibt das Unternehmen über die Muttergesellschaft weiterhin im Neugeschäft aktiv und ist um eine gute Reputation gegenüber neuen und bestehenden Kunden bemüht; konkret in Form einer attraktiven laufenden Verzinsung und einer marktgerechten Überschussbeteiligung. Ich gehe davon aus, dass wir von internen Run-Offs in Zukunft noch mehr sehen werden.

procontra: Sind externe Run-Offs dann grundsätzlich negativ zu bewerten?

Schneidemann: Nein, absolut nicht. Die Situation ist nur eine andere, wenn ein externer Geldgeber einen Bestand aufkauft. Dann stehen Effizienzgewinne deutlich mehr im Vordergrund. Das Thema Reputationsschaden, beispielsweise aufgrund geringerer Überschussbeteiligungen, spielt eine ungeordnete Rolle.
Es entstehen also potenzielle Interessenskonflikte, da man im Neugeschäft selbst eben nicht aktiv ist. Damit sollte man offen umgehen und transparent darlegen, über welche Maßnahmen die Versicherten profitieren. Dann lassen sich Ängste nehmen und die aufgeladene Debatte etwas versachlichen.

procontra: An welchen Indikatoren und Kennzahlen zeichnet sich ein nahender Run-Off eines Lebensversicherers ab?

Schneidemann: Völlig verbindlich kann man das von außen nicht sagen. Aber durch einen Run-Off fällt im Konzern in jeden Fall erstmal ein Kostenträger weg. In der Regel resultiert ein Run-Off aus tiefgreifenden Problemen und geht mit allgemein größeren strukturellen Maßnahmen im Konzern einher. Beispielsweise mit einem Kostensenkungsprogramm.
Die Entwicklung der Kostenquoten und das Wachstum im Neugeschäft über einen längeren Zeitraum geben sicherlich eine Orientierung, welches Unternehmen einen Run-Off in Erwägung ziehen könnte. Wenn der Bestand stetig schrumpft, vergrößert sich automatisch der Kostendruck und es müssen strukturelle Maßnahmen ergriffen werden.

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