„Wer selbst im Bootssport aktiv ist, wirkt authentischer“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

Die Deutschen zieht es im Sommer mittlerweile nicht nur ans, sondern immer häufiger auch aufs Wasser. Durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Booten enorm gestiegen, wodurch der Versicherungsbedarf spürbar wächst. Was es dabei zu beachten gilt und wie die Zielgruppe erreicht wird, erklärt Makler Stefan Heinz vom Versicherungsbüro Nammert.

Heinz Bild: Privat

Um eine Haftpflichtversicherung kommen Bootsbesitzer nicht herum, auch Vollkasko- und Rechtsschutzpolicen sind sinnvoll. Makler Stefan Heinz erläutert Details zur Beratung. Bild: Privat

procontra: Sie bieten seit rund drei Jahrzehnten Versicherungen für Boote und den Wassersport insgesamt an. Wie groß ist der Markt?

Stefan Heinz: Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2016 liegen in Deutschland insgesamt 370.000 Boote. Der Markt ist also groß und durch Corona eher noch gewachsen. Dabei benutzen die meisten Leute ein Motorboot, danach kommen Segelyachten und die offenen Sportboote. Seit der Pandemie hatten wir einen Kundenzuwachs von rund 20 Prozent. Viele Menschen, die vorher schon mit dem Gedanken gespielt hatten, sich ein Boot zu kaufen, haben sich durch Corona dann tatsächlich zu diesem Hobby entschlossen. Aus der Unsicherheit heraus, ob man im Ausland Urlaub machen kann, hat der Wassersport an Bedeutung gewonnen. Diese Erfahrung haben auch viele Bootshändler gemacht.

procontra: Firmengründer und -inhaber Norman Nammert fährt seit 2005 selbst Jetski. Erreicht man mit solch einem Hobby eine bessere Zielgruppenansprache?

Stefan Heinz: Als mein Kollege mit dem Jetskisport angefangen hat, gab es in Deutschland noch keinen Versicherungsschutz dafür. Wir haben dann entsprechende Versicherungstarife entwickelt, sind Sponsoren bei Veranstaltungen und wurden dadurch bekannter. Wenn man in diesem Sport aktiv ist, erreicht man diese Zielgruppe eher und wirkt authentischer. Unseren Kunden ist bekannt, dass auch ihr Spezialmakler aus eigener Erfahrung weiß, was auf dem Wasser passieren kann und welche Risiken es zu versichern gilt. Dadurch sind wir auch in die E-Surf- und E-Foil-Szene (elektrisch angetriebene Surfboards, Anm. d. Red.) weiterempfohlen worden und haben hierfür als erste einen Spezialtarif kreiert. Unser Wassersport-Know-How und unsere jahrelange Erfahrung geben wir gern an interessierte Maklerkollegen persönlich und volldigital über unser Partnerportal weiter. Auch an Vertriebs-Partnerschaften sind wir interessiert.

procontra: Welche Versicherungen sollten Bootsbesitzer auf jeden Fall abschließen? Sind für bestimmte Boote Haftpflichtversicherungen vorgeschrieben?

Stefan Heinz: Eine Versicherungspflicht wie beim Auto gibt es in Deutschland nicht. Die Entscheidung müssen die Bootsbesitzer also selbst treffen. Eine Bootshaftpflichtversicherung sollte mindestens abgeschlossen werden. Diese deckt im Wesentlichen Personen-, Sach- und Vermögensschäden ab. Auch Gewässer- und Umweltschäden, durch z.B. auslaufende Treib- oder Schmierstoffe, durch Lärm oder Abwässer, sind hierüber versichert. Wollen Bootsbesitzer mit ihrem Boot auf ausländischen Gewässern fahren, kommen sie um eine Haftpflicht-Versicherung nicht herum. Hier ist oft ein Versicherungsnachweis von Mindestdeckungssummen nötig. Bei den Hafenbehörden in Kroatien und Italien ist das beispielsweise der Fall.

procontra: Welcher Versicherungsschutz ist für Motorboote sinnvoll? Und was empfehlen Sie für Segelboote? 

Stefan Heinz: Empfehlenswert ist eine Vollkaskoversicherung oder eine Allgefahrendeckung, mit der Schäden am eigenen Boot, der Diebstahl des ganzen Bootes oder von Bootsteilen zum Neuwert abgesichert sind. Bei Gebrauchtbooten ist der Marktwert abgesichert. Das ist bei uns zeitlich unbegrenzt der Fall. Schon bei einem gestohlenen Kajak kommen schnell 1.000 bis 3.000 Euro zusammen. Und ein entwendeter Außenbordmotor kann mit 5.000 Euro zu Buche schlagen. Auch die Bergung des Bootes übersteigt oft den Bootswert. Die Kaskoversicherung bei den Segelbooten sollte das Brechen und Knicken von Masten und das Reißen von Segeln beinhalten. Wer an echten Regatten oder Vereinsregatten teilnimmt, sollte das ebenfalls mitversichern. Sowohl beim Segel- wie beim Motorboot ist außerdem die Mitversicherung des Trailers ein wichtiges Thema. Sobald dieser vom Auto abgehängt ist, greift der Kfz-Versicherungsschutz nicht mehr. Grundsätzlich ist für Bootsbesitzer auch eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll. Ordnungswidrigkeiten sind auch auf dem Wasser schnell begangen – beispielsweise, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten wird.

procontra: Welche Schäden bzw. Unfälle registrieren Sie am häufigsten?

Stefan Heinz: Besonders oft gibt es Schäden durch ein Auf-Grund-Laufen des Bootes. Auch Diebstähle – des kompletten Bootes oder einzelner Teile, wie beispielsweise des Außenbordmotors – kommen regelmäßig vor. Feuer und Transportschäden zählen ebenfalls zu den häufigen Schäden und immer wieder fahren Boote ineinander. Das alles kann teuer werden und sollte daher umfassend versichert werden.