Unwetterschäden: Aktuare geben erste Einschätzung zur Schadenshöhe

Martin Thaler Versicherungen

Die Aktuare von Meyerthole Siems Kohlruss schätzen den versicherungstechnischen Schaden auf mindestens eine Milliarde Euro. Grund dafür ist auch der niedrige Abdeckungsgrad an Elementarversicherungen. Der ökonomische Schaden dürfte hingegen weit höher liegen.

Pegelstand Bild: Adobe Stock/creativenature.nl

Die Aktuare von MSK haben eine erste Einschätzung zur Höhe der durch das Unwettertief "Bernd" verursachten Versicherungsschäden abgegeben. Bild: Adobe Stock/creativenature.nl

Während die Bundesregierung an diesem Mittwoch über ein Soforthilfe-Paket für die Hochwasser-Opfer von Tief „Bernd“ verhandelt, liegt nun eine erste Einschätzung zur Höhe der versicherten Schäden vor. So schätzen die Aktuare der Beratungsfirma „Meyerthole Siems Kohlruss“ (MSK) den versicherten Schaden der Unwetter zwischen dem 13. und dem 18. Juli dieses Jahres auf über eine Milliarde Euro.  

„Das Gros der versicherten Schäden kommt aus der (erweiterten) Elementarversicherung, ein kleinerer Teil aus der Kfz- und Transport-Sparte“, erklärte MSK-Geschäftsführer Onnen Siems. Dass der Schaden für die Versicherer nicht höher ausgefallen sei, liege in der geringen Verbreitung von Elementarversicherungen, führt Siems weiter aus: „Elementargefahren haben in der Wohngebäude- und besonders in der Hausratversicherung nur eine geringe Anbindung. Das Gleiche gilt für gewerbliche Sachrisiken (Gebäude, Inhalt und Betriebsunterbrechung). Dadurch beläuft sich der Schadenbetrag der Versicherer auf deutlich unter 40% des theoretisch versicherbaren Schadens.“  

Laut GDV besitzen in Nordrhein-Westfalen lediglich 46 Prozent aller Hausbesitzer einen entsprechenden Elementarschutz, in Rheinland-Pfalz sind es mit 37 Prozent noch weniger.  

Versicherungstechnische Schäden in gleicher Größenordnung gab es zuletzt bei den Hochwasserereignissen 2002 und 2013, beim Wintersturm Kyrill im Januar 2007 und bei den Hagelereignissen im Juli 2013 sowie im Juni 2021. Allein für den Hagel in diesem Jahr rechnen die Versicherer mit Schäden in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.

Wiederkehrperiode liegt bei 5 Jahren

„Damit liegt die Wiederkehrperiode für das Schadenereignis ,Bernd` bei drei bis fünf Jahren“, ordnet Siems ein. Dies gilt aber nur für die versicherungstechnische Schadenhöhe, nicht aber für die Regenmengen. Für diese gelte eine Wiederkehrperiode von über 100 Jahren, schätzen die MSK-Aktuare. Als Beispiel wird dabei der Pegel des Flüsschens Ahr im Örtchen Altenahr (Landkreis Ahrweiler, Rheinland-Pfalz) aufgeführt: Dieser erreichte am 14. Juli einen Pegelstand von über fünf Metern und einen Abfluss von 332 m3 pro Sekunde. Zum Vergleich: Der 100-jährliche Abfluss wird mit 241 m3 pro Sekunde angegeben. Allerdings verzeichnen die Geschichtsbücher durchaus stärkere Sommerhochwasser, bemerkt Siems, beispielsweise für die Jahre 1804 und 1910.  

Nichtsdestotrotz dürfte das Jahr 2021 für die Versicherer teuer werden: „Nach sieben unterdurchschnittlichen Schadenjahren hat 2021 das Potenzial, das langjährige Mittel von 3,7 Mrd. Euro für die deutschen Versicherer zu übersteigen“, schätzt Siems.  

Gesamtökonomischer Schaden dürfte deutlich höher ausfallen

Der gesamtökonomische Schaden dürfte allerdings deutlich höher ausfallen. So schätzt Reimund Schwarze, Forscher am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, den allein durch „Bernd“ verursachten ökomischen Schaden auf sechs Milliarden Euro. „Das wäre das schadensträchtigste Starkregenereignis aller Zeiten in Deutschland“, erklärte Schwarze gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.    

Auch bei den Versicherern selbst geht man derzeit von einem höheren Milliardenschaden aus. „Wir rechnen damit, dass der Schaden im hohen Milliardenbereich liegen wird. Das ist ein ziemlicher Kracher", erklärte ein GDV-Sprecher gegenüber dem Sender ntv. Eine offizielle Einschätzung hat der Verband jedoch noch nicht veröffentlicht.