Unwetter: Allianz rechnet mit 35.000 Schadenmeldungen

Martin Thaler Versicherungen

Immer deutlicher wird das Ausmaß der Schäden, das Unwetter "Bernd" in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hinterlassen hat. Erste Versicherer präsentieren konkrete Zahlen – diese dürften in den kommenden Tagen jedoch noch deutlich steigen. Der GDV erhöhte bereits seine Schadenschätzung.

Allianz Bild: Allianz

Rund 10.000 Schadensmeldungen zu beschädigten Gebäuden und zerstörtem Hausrat liegen der Allianz mittlerweile nach Unwetter "Bernd" vor. Bild: Allianz

Nach den verheerenden Unwettern der vergangenen Wochen werden die Ausmaße der Katastrophe immer deutlicher: Mehr als 170 Menschen starben, viele werden weiterhin vermisst. Der Sachschaden geht in die Milliarden – allein die Deutsche Bahn bezifferte die Schäden an Gleisen, Stellwerken, Oberleitungs- und Signalmasten auf 1,3 Milliarden Euro.  

Auch seitens einzelner Versicherer gibt es mittlerweile einen ersten Überblick. So rechnet allein die Allianz für ihre Kunden mit Schäden in Höhe von 500 Millionen Euro. „Inzwischen liegen uns schon rund 10.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Häusern und Hausrat und etwa 3.000 Schadenmeldungen zu beschädigten Fahrzeugen vor. Wir rechnen aber damit, dass sich diese Zahlen in den nächsten Tagen noch deutlich erhöhen werden – unsere gegenwärtige Prognose geht von insgesamt über 30.000 Sachschäden sowie über 5.000 Fahrzeugschäden aus mit einem Schadenvolumen in Höhe von über 500 Millionen Euro“, erklärte Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs AG.  

Täglich über 1.000 Anrufe

Auch bei der Signal Iduna klingeln die Telefone der Schadenshotlines derzeit ständig. „Täglich gehen über 1.000 Anrufe bei unseren Schadenhotlines ein. Zudem melden sehr viele Versicherte ihre Schäden online“, erklärte Dr. Stefan Kutz, der im Vorstand der Signal Iduna das Kompositgeschäft verantwortet. Bislang verzeichnete der Dortmunder Versicherer Schäden in Höhe von 44 Millionen Euro. Allerdings wird damit gerechnet, dass diese Summe in den nächsten Tagen deutlich steigen dürfte.  

Die R+V hatte Mitte vergangener Woche bereits bekannt gegeben, dass bisher 9.545 Schäden in Höhe von 167 Millionen Euro allein im Zusammenhang mit Tiefdruckgebiet „Bernd“ gemeldet worden seien. Insgesamt verbuchten die Wiesbadener für das laufende Jahr bereits 82.000 Elementarschäden mit einer Schadensumme von knapp 387 Millionen Euro. Der R+V-Vorstandsvorsitzende Norbert Rollinger rechnet im Bezug auf Elementarschäden mit einem Rekordjahr, das die R+V in ihrer hundertjährigen Geschichte so noch nicht erlebt hat.  

Bei der Gothaer waren Mitte der vergangenen Woche 4.125 Schäden gemeldet worden – mittlerweile dürfte diese Zahl wesentlich höher liegen. Permanent kämen Schäden dazu, hatte der Versicherer zuletzt mitgeteilt.  

Versicherer erhöhen Schadenschätzung

Insgesamt geht die Branche mittlerweile von einem versicherten Gesamtschaden in Höhe von 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro aus. Damit erhöhten die Versicherer ihre ursprüngliche Schätzung aus der Vorwoche, die bei 4 bis 5 Milliarden Euro lag, jedoch nur die Flutgebiete in Rheinland-Pfalz und Nordhrein-Westfalen, nicht aber Sachsen und Bayern umfasste. Die neue Schätzung umfasst hingegen alle durch "Bernd" betroffenen Gebiete. Von den Schäden entfallen gut zwei Drittel auf Rheinland-Pfalz, wo insbesondere das Ahrtal schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war. Ein Drittel der Schäden entfällt auf Nordhrein-Westfalen, fünf bis 10 Prozent auf Bayern und Sachsen.

Laut GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen wurden durch die jüngsten Unwetter allein 40.000 Autos beschädigt. "Der versicherte Schaden für die Kfz-Versicherer liegt bei rund 200 Millionen Euro und für die Transportversicherer bei 100 Millionen Euro", erklärte Asmussen.