Überspannung: Rekordblitzschäden rücken Klauseln in den Fokus

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Blitze sorgen hierzulande für immer höhere Schäden. Das hängt auch mit der zunehmenden Technisierung der Haushalte zusammen. Die Prüfung von vereinbarten Entschädigungsgrenzen für Überspannung liefert auch einen Beratungsansatz für Vermittler.

Blitzeinschläge werden immer teurer. Ist Ihre Entschädigungsgrenze für Überspannungsschäden noch ausreichend? Bild: Pixabay/JohnsonGoh

Blitzeinschläge werden immer teurer. Ist Ihre Entschädigungsgrenze für Überspannungsschäden noch ausreichend? Bild: Pixabay/JohnsonGoh

Noch nie waren die Schadenkosten durch Blitze so hoch wie im Jahr 2020. Rund 260 Millionen Euro leisteten die deutschen Versicherer nach vorläufigen Zahlen des GDV. Gleichzeitig hatte es seit Einführung dieser Statistik im Jahr 1998 noch nie so wenige regulierte Blitz- und Überspannungsschäden gegeben wie im letzten Jahr (rund 200.000). Das trieb den Schadendurchschnitt auf den Rekordbetrag von 1.300 Euro.

Dass die Schäden und Folgeschäden durch Blitzeinschläge immer teurer werden, führt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen auf die immer umfangreichere Gebäudetechnik zurück: „Die Häuser und Haushalte sind technisch immer besser ausgestattet.“ Nach einem Blitzeinschlag müssten häufig teure Heizungs- oder Jalousien-Steuerungen repariert oder ersetzt werden, erläuterte Asmussen heute in einer Stellungnahme des Gesamtverbands.

Wo in Deutschland Blitze am häufigsten einschlagen, dokumentiert seit Jahren der Siemens Blitzatlas. Die Datengrundlage dafür liefern dem Konzern rund 160 miteinander verbundene Messstationen, die in ganz Europa verteilt sind. Wo es in 2020 die meisten Blitzeinschläge pro einem Quadratkilometer Fläche gab, zeigt unsere Grafik.

Versicherungsschutz überprüfen

Ein großer Anteil der Schadenzahlungen (genaue Zahlen dazu liegen nicht vor) ist nicht auf Schäden zurückzuführen, die durch direkten Blitzeinschlag entstanden sind, sondern auf Überspannungsschäden. Wenn sich die Energie des Blitzes in die Stromleitungen des Gebäudes entlädt, können am Stromnetz hängende technische Geräte Schaden nehmen. Dieses Risiko betrifft nicht nur Handys oder Fernseher, die gerade in die Steckdose eingesteckt sind. Auch die zunehmende Anzahl fest verbauter elektrischer Installationen (Heizungs- und Jalousiesteuerungen) ist davon bedroht.

Letztere sind über die Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Hier sollte allerdings geprüft werden, ob eine Entschädigungsgrenze vereinbart ist und falls ja, ob diese nach einer eventuellen technischen Aufrüstung des Gebäudes noch ausreichend ist. In der Hausratversicherung kommt es hingegen darauf an, ob die Klausel „Überspannungsschäden“ gegen Mehrbeitrag überhaupt miteingeschlossen wurde. Ansonsten ist gar kein Versicherungsschutz gegen Überspannung vorhanden. Neuere Policen haben das Risiko häufig schon standardmäßig integriert. Doch auch hier gilt es regelmäßig zu prüfen, ob eine eventuell vereinbarte Entschädigungsgrenze bei zunehmender Technisierung des Haushaltes noch ausreichend ist.

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