Riester ist tot, es lebe Riester!

Gastkommentar Versicherungen Top News von Norman Wirth

Riester hat Reformbedarf? Ja. Aber muss man das Produkt, auf das 16 Millionen Bundesbürger ihre Altersvorsorge bauen, gleich beerdigen und durch ein Einheitsprodukt ersetzen? Das wäre ein Affront am mündigen Bürger, warnt AfW-Vorstand Norman Wirth und macht deutlich, warum er ausnahmsweise von der Politik weniger erwartet als angekündigt.

Norman Wirth, Bild: procontra

Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW, Bild: procontra

Schön wäre es. Aber die Aussichten sind trübe. Das Totalversagen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz beim Thema Reform der Riesterrente (und überhaupt der Altersvorsorge) ist offensichtlich. Nicht erledigt bei Riester sind u.a.:

  • Entbürokratisierung des Zulagenverfahrens
  • Wegfall der Beitragsgarantie
  • Öffnung für weitere Berufsgruppen, u.a. Selbständige.

Stattdessen: Garantiezinssenkung. Das nun gerade die DWS verkündete, das Riester-Neugeschäft einzustellen, ist die völlig nachvollziehbare Quittung zulasten all derer, die gerade auf solche Produkte für die ergänzende Altersvorsorge angewiesen sind.

Und da wird es dann wirre. Denn die SPD, unter deren Ägide gemeinsam mit den Grünen 2002 Riester einst eingeführt wurde, wollen Riester jetzt offensichtlich beerdigen. Ein letzter Schlussstrich mit der Schröder-Ära? Dafür ein Produkt kaputt zu machen, was für Geringverdiener und Familien mit mehreren Kindern das einzige ist, was durch Zulagen und nicht nur über Steuerersparnis funktioniert, kann eigentlich nur als Ausdruck grober fachlicher Unkenntnis bezeichnet werden.

Wenn dann als Alternative noch das beratungsfreie Rundumsorglosprodukt obligatorischer Staatsfonds als vierte Säule der Altersvorsorge ins Gespräch gebracht wird, sollte jedes Verständnis enden.

Unterschiedliche Biografien nicht ignorieren

Die Menschen sind verschieden, die Biografien, die Wünsche und Bedürfnisse – all dies zu ignorieren und stattdessen ein staatlich organisiertes Einheitsprodukt neu zu erfinden, wäre für die 16 Millionen Bürger, die Riesterverträge halten, ein Affront und einmal mehr auch dem berühmten mündigen Bürger gegenüber. Es bleibt die Hoffnung auf Vernunft der politisch handelnden Personen – wenigstens nach der Bundestagswahl.

Ungern, aber in diesem Fall ist zu hoffen, dass die Realität hinter den Wahlprogrammen bleibt und man sich der eigentlich schon sehr weit gedachten Reform der Riester-Rente widmen wird. Lang lebe Riester!