Nachhaltig vorsorgen und versichern: So werden Makler zu Klimastrategen

Carla Fritz Versicherungen Berater

Nachhaltig vorsorgen und versichern. Makler sind durch neue EU-Regelungen in dieser Hinsicht stark gefordert, können sich so aber auch neue Zielgruppen erschließen. Neue Weiterbildungsangebote tragen dem Rechnung.

Nachhaltigkeit bei Versicherungen, Bild: Adobe Stock/ sompong_tom

Makler sollten die Weiterbildung zum Thema Nachhaltigkeit nicht auf die lange Bank schieben. Bild: Adobe Stock/ sompong_tom

Derzeit genügt es noch, wenn Makler, respektive Finanzberater auf ihrer Website informieren, dass sie in der Beratung auch auf Nachhaltigkeit von Versicherungen und Geldanlagen eingehen.

Im nächsten Jahr wird aus dieser verordneten Informationspflicht eine Verpflichtung, in der Kundenberatung direkt nach diesbezüglichen Präferenzen zu fragen. So wollen es die seit März geltende Offenlegungsverordnung und der weitere EU-Fahrplan, der ebenso die Produktanbieter im Finanz- und Versicherungsbereich in die Pflicht nimmt.

„Die Politik macht Druck, weil ohne die Geldmittel von Banken und Versicherungen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens nicht erreichbar sind“, sagt Heidi Geisler von Greensurance. „Deshalb werden die Daumenschrauben auf allen Unternehmensebenen immer enger gezogen.“ Die Geschäftsführerin der Stiftung ist überzeugt: „Versicherer werden in naher Zukunft überwiegend nachhaltige Produkte anbieten.“

Makler sollten liefern können

Die Gesetzgebung habe hier vieles beschleunigt. „Es wird uns alle betreffen – mithin ein Potenzial von 80 Millionen Kunden“, so Nils Keller, Produktmanager der Deutschen Maklerakademie. Immerhin rund 60 Prozent der Verbraucher sind laut aktueller Studie des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Heute und Morgen durchaus geneigt, künftig gezielt nachhaltige Versicherungsprodukte abzuschließen, bei den unter 30-Jährigen und denen, die besonders nachhaltig orientiert sind, sogar über 80 Prozent. Sie wünschen sich aber mehrheitlich mehr Aufklärung: Sind die beworbenen Produkte beziehungsweise die Unternehmensführung tatsächlich nachhaltig? Hier sollte der aufgeklärte Makler liefern können.

Allerdings: „Vielen Maklern fehlt bislang eine klare Einordnung des Begriffs Nachhaltigkeit in den verschiedenen Finanzprodukten“, fasst Dr. Stephan Müller-Eicker seine Erfahrungen als Referent aus ersten DMA-Fortbildungsangeboten zu dieser Thematik zusammen.

Inwiefern sich hier aber auch ein Wertewandel in Gesellschaft und Versicherung vollzogen hat, darüber soll der neue Online-Experten-Lehrgang „Nachhaltige Versicherungen und Finanzen“ der DMA einen ersten Überblick verschaffen.

Noch vor wenigen Jahren bestimmten vor allem Ausschlusskriterien wie Waffenproduktion und Atomkraft die Auswahl eines nachhaltigen Investments. Heute geht es zum Beispiel zusätzlich darum, wie man die Erderwärmung stoppen kann oder auch um verantwortungsvolle Unternehmensführung, mithin um ein Positiv-Screening. Darauf verweist Keller.

Ständig neue Anlageideen

Und ständig kommen neue Anlageideen hinzu. „Ganz neu Kreislaufwirtschaft. Mancher Fondsmanager sieht darin Potenzial und greift es in seinem Fonds auf“, so Müller-Eicker.

Was fragt man den Kunden und wie übersetzt man seine Antwort in Fonds? Darin werden die angehenden Experten geschult und zugleich für die Mehrdeutigkeit des Themas sensibilisiert. Denn jeder Manager der hierzulande rund 1.800 bislang zugelassenen Nachhaltigkeitsfonds sieht das durch seine Brille. „Der eine hängt sich an die EU-Taxonomie, der andere hat seine eigene Definition von Nachhaltigkeit“ sagt Müller-Eicker. Erste und von Maklern meist genutzte Möglichkeit: Man folgt bei der Auswahl einer Ratingagentur, die ESG-Scores ermittelt. Es gebe aber durchaus weitere Optionen, die er als Verhaltensökonom den Kursteilnehmern ebenfalls nahebringen wolle.

„Makler werden aufgrund ihrer Qualifikation von Kunden angesprochen“, bezieht sich Heidi Geisler auf das Weiterbildungsangebot der Greensurance-Stiftung zum ESG-Berater-Klimastrategen. „Und sie bieten die Produkte selbst auch offensiver an“, so die Bilanz nach den ersten drei Kenner-Kursen. Der vierte startet im Herbst, als Auftakt wiederum mit einer zweitägigen Präsenzveranstaltung und einer Moorexkursion. „Moor ist als Lebensraum vielfältiger Flora und Fauna und CO2-Speicher für das Verständnis von Nachhaltigkeit optimal“, begründet die gelernte Bankkauffrau mit Studienabschlüssen in Geografie und Wirtschaft diese Wahl.

"Über Abkupfern freuen wir uns"

„Ursprünglich kommt der Begriff ja aus der Forstwirtschaft.“ Heute setze sich Nachhaltigkeit als Lebensstil immer mehr durch – Biolebensmittel, Ökostrom, E-Bike statt Auto, nachhaltige Geldanlage. Letzter Stein im Mosaik sei die Versicherung, die in ihrer nachhaltigen Variante immer mehr nachgefragt werde. So etwa, wenn beim Schadenersatz beispielsweise die Mehrkosten für die neue klimafreundlichere Heizung übernommen werden. Neuerdings auch bei Haftpflichtschäden – das heißt gegenüber Dritten. „Eine Idee, die wir erstmals an die Waldenburger Versicherung herangetragen und zusammen umgesetzt haben. Über Abkupfern freuen wir uns“, sagt Makler und Greensurance-Stiftungs-Gründer Marcus Reichenberg unter Verweis auf erste Nachahmer.

Waren es anfangs vor allem kleinere Versicherer, die vornweg auf dem Nachhaltigkeitspfad marschiert sind, folgen jetzt zunehmend die Großen. Von den ca. 500 von der BaFin beaufsichtigten Komposit- und Lebensversicherungen bieten nach Reichenbergs Einschätzung derzeit allerdings weniger als fünf Prozent echte nachhaltige Versicherungs- beziehungsweise Anlageprodukte an. Hier habe die Branche noch einen weiten Weg vor sich.

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