Kfz-Beiträge: Die meisten Kunden verschenken ihre Corona-Ersparnis

Uwe Schmidt-Kasparek Versicherungen Berater Top News

Kfz-Versicherer gehören zu den Gewinnern der Pandemie, wenn man so will. Fast alle horten das Mehrergebnis, was kaum fair erscheint. Vermittler können die Situation nutzen und aktiv einen „Weniger-Kilometer-Nachlass“ promoten.

Rückerstattung bei der Kfz-Versicherung, Bild: Pixabay/Mohamed Hassan

Wer coronabedingt weniger Auto gefahren ist, kann Beiträge von der Kfz-Versicherung erstattet bekommen. Bild: Pixabay/Mohamed Hassan

Die Corona-Pandemie hatte das Autofahren zumindest zeitweise weitgehend zum Erliegen gebracht. Weniger Fahrten bedeuteten auch weniger Unfälle und weniger Schäden für die Kfz-Versicherer. Der Zweitwagen wurde gar nicht mehr genutzt und der Erstwagen maximal noch für Fahrten zum Einkaufen oder zum Arzt. Im Frühjahr 2020 gab es auf deutschen Straßen bis zu 58 Prozent weniger Autofahrten, im November und Dezember lag das Minus nochmal bei rund 50 Prozent – verglichen mit Zeiten vor Corona. Das hat die HUK-Coburg ermittelt. Angesichts der dramatischen Entwicklung der Corona-Pandemie blieb die individuelle Mobilität auch 2021 bislang weitgehend auf der Strecke. Die Freude der Kfz-Versicherer hält an.

2020 mussten sie rund 2,3 Milliarden Euro weniger für Schäden zahlen, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt hat. Das ist im Marktschnitt ein Minus von 9,1 Prozent. Viele Versicherer liegen bei der Ersparnis deutlich darüber, wie der HDI mit fast 29 Prozent (siehe Grafik). Doch automatisch rücken die meisten Assekuranzen ihre Millionen Corona-Gewinne nicht wieder heraus. Rechtlich ist dieses Handeln scheinbar unangreifbar. „Wir beobachten die Gewinnverwendung der Autoversicherer sehr genau. Hinweise auf missbräuchliches Verhalten liegen nicht vor“, so die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Zwei Versicherer verhalten sich hingegen anders als die Branche. „Wir werden in der Kfz-Versicherung unseren Kunden 150 Millionen Euro zurückzahlen“, sagt Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-Coburg Gruppe. Auch DEVK-Chef Gottfried Rüßmann beabsichtigt 2021 mehr als acht Millionen Euro auszuzahlen. Grundsätzlich bekommen nur schadenfreie Kunden Geld erstattet. Gemeinsam haben HUK und DEVK rund 16 Millionen Autofahrer unter Vertrag. Da könnte die Abwanderung zu diesen beiden Kfz-Versicherern vor allem in der Wechselsaison schon deutlich steigen. Sie wuchern mit Fairness.

Kilometerangabe aktualisieren

Der Rest der Branche bemäntelt sein „kaufmännisches“ Verhalten damit, dass die Kunden ja individuell Geld zurückbekommen können. Sie müssten dafür lediglich neu schätzen, wie viele Kilometer sie wahrscheinlich pro Jahr fahren werden. Dann sei rückwirkend eine Erstattung der zu viel gezahlten Prämie möglich. Doch das ist die Theorie. Selbst die Zurich Versicherung, die ihre 420.000 Kunden über die persönliche Rückvergütung informiert hat, erreichte nur rund 10 Prozent, die sich mit einer Minderfahrleistung meldeten. Eine Umfrage unter 25 großen Autoversicherer zeigt: Fast überall haben die Autofahrer diese Chance nicht genutzt – meist, weil sie sie gar nicht kennen. Hier können Vermittler über Sparpotenziale informieren.

Bei der Allianz haben sich mit 350.000 Kunden lediglich 4 Prozent gemeldet und etwa 20 Millionen Euro zurückerhalten. Bei der HUK-Coburg machen die rund 500.000 Kunden nur 3,8 Prozent aus. Sie erhielten 40 Millionen Euro zu viel gezahlter Prämie zurück. Und bei der R+V machen 50.000 aktive Kunden sogar nur 1,9 Prozent aus. Auch bei anderen Anbietern fallen die Quoten durchweg marginal aus. Zudem möchten viele Versicherer das Thema nicht an die große Glocke hängen. So verweigert sich die LVM aus Münster „aus Wettbewerbsgründen“ und die Generali möchte keine „unternehmensinterne Daten“ preisgeben.

Kundenbindung stärken

Wer eine geringere Fahrleistung bei seinem Versicherer anzeigt, erhält meist eine Beitragsvergütung ab Vertragsstart (siehe Tabelle). Das ist die Chance für Vermittler, sich als positiver Informant und Helfer mitten im Jahr anzubieten und nicht immer nur zur Wechselsaison „aufzuschlagen“. Sie können einen „Weniger-Kilometer-Nachlass“-Service promoten und agieren so sehr proaktiv.

Das machen bereits einige Versicherungsmakler, wie René Bendgens aus Geldern. Doch aktiv werden sie meist nur kurz vor der Wechselsaison. „Im November werden bei uns fünf der acht Mitarbeiter für den Bestands-Check abgestellt“, erläutert der Makler. „Wir selektieren die Kunden aber vor. Nur Vollkunden werden bearbeitet.“ Kontaktiert – meist per Telefon – würden dann nur Versicherte, bei denen die Ersparnis nach Altdaten mindestens 40 Euro ausmacht. Bendgens: „Es geht um den Kundenbindungsgedanken."

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