Grundfähigkeitsversicherungen: Wie Versicherer für mehr Klarheit sorgen

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Bei Grundfähigkeitsversicherungen liegt der Teufel oftmals im Detail – insbesondere die Leistungsauslöser sind häufig unklar formuliert. Allerdings wollen erste Anbieter diesen Mangel mittlerweile beheben, zeigt eine Auswertung von Assekurata.

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Bei ihren Grundfähigkeitspolicen sind einige Anbieter bemüht, für mehr Klarheit hinsichtlich der Bedingungen zu sorgen, hat die Ratingagentur Assekurata beobachtet. Bild: Pixabay/Free-Photos

Gerne präsentieren die Versicherer die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative für all diejenigen, für die eine BU-Versicherung aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht infrage kommt. Auch wenn die Grundfähigkeitspolicen dem Kunden gegenüber nicht als „BU light“ angepriesen werden sollten – schließlich versichern sie einzelne körperliche Fähigkeiten und nicht das Einkommen –, erfreuen sich Grundfähigkeitsversicherungen zunehmender Beliebtheit. Das Angebot wächst. Konnte das Analysehaus Morgen & Morgen im vergangenen Jahr „nur“ 53 Tarife und Tarifkombinationen überprüfen, waren es in diesem Jahr bereits 78.  

Für den Makler ist durch die Vielzahl neuer Tarife die Beratung noch herausfordernder geworden – insbesondere dann, wenn mittels Grundfähigkeitspolice doch die Arbeitskraft abgesichert werden soll. Dies liegt auch darin begründet, dass viele Vertragsbedingungen bislang unzureichend formuliert sind. „Ob das jeweilige Produkt den Kundennutzen erfüllt oder übertrifft, ist in vielerlei Hinsicht für Interessenten und Vermittler kaum zu erfassen“, sagt Arndt von Eicken, der sich für die Kölner Ratingagentur Assekurata das Angebot an Grundfähigkeitstarifen einmal angeschaut hat.

Mangel an eindeutigen Formulierungen

Oftmals fehle es hinsichtlich der Erreichbarkeit eines Leistungsversprechens an praxisnahen Beispielen und eindeutigen Formulierungen in den Vertragsbedingungen. Ein Beispiel zur Grundfähigkeit „Heben und Greifen“. Hier heißt es in bestimmten AVB:  

„Die versicherte Person kann nicht mit der rechten oder der linken Hand oder mit beiden Händen eine Tasse greifen, halten und daraus trinken.“  

Hier sei alleine schon unklar, wie groß besagte Tasse sein darf, moniert von Eicken. Zudem erschwere der Umstand, dass der versicherten Person auch zugemutet werden kann, mit beiden Händen die Tasse zu greifen, den Leistungsauslöser zu erreichen. „Vielen massiv eingeschränkten Personen dürfte es nämlich noch gelingen, durch Vorbeugen des Oberkörpers und der Fixierung der Tasse mit beiden Händen aus der Tasse zu trinken“, erklärt von Eicken.  

Ein weiteres Beispiel führt der Assekurata-Analyst zu den Grundfähigkeiten Bücken/Knien und Erheben an. Hier heißt es beispielsweise:  

„Die versicherte Person ist nicht mehr in der Lage, sich aus eigener Kraft zu bücken oder hinzuknien, um den Boden zu berühren, und sich danach wieder aufzurichten.“  

"Mehr Auslöser bedeutet nicht gleich mehr Leistung"

Unklar bleibt hier beispielsweise, ob das Hinknien mit einem oder beiden Beinen möglich bzw. unmöglich sein muss. Auch die Frage, ob sich der Versicherungsnehmer bei besagtem Vorgang abstützen darf, bleibt unbeantwortet. „Abweichende Auslegungen in der Leistungsregulierung sind somit vorprogrammiert“, vermutet von Eicken.  

Zudem bestünden im Hinblick auf die Leistungsauslöser in den Tarifen oftmals Schnittmengen und Redundanzen. Viele Versicherer präsentieren immer neue Leistungsauslöser, um sich von den Wettbewerbern abzuheben. Ein Mehrwert ergibt sich für die Kunden daraus aber nicht, da die „besonderen“ Leistungsauslöser häufig bereits durch andere Leistungsauslöser innerhalb der AVB abgedeckt würden. „Mehr Auslöser bedeuten nicht gleich mehr Leistung“, stellt von Eicken klar. Durch die fehlenden Erfahrungen in der Regulierung von Leistungsfällen, sei für den Kunden zudem das Risiko groß, im Schadensfall leer auszugehen. Vermittler drohen somit, in die Haftungsfalle zu geraten.  

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