Erben und Schenken: „Vermögensnachfolge muss angesprochen werden“

Stefan Terliesner Sachwerte

Beim Thema Erbschaft können Finanzberater ihren Kunden aufklärend zur Seite stehen. Wie das konkret aussehen kann, erklärt René Niemann, Vermögensnachfolgeplaner bei der V-Bank.

René Niemann, Bild: V-Bank

René Niemann ist Vermögensnachfolgeplaner bei der V-Bank. Bild: V-Bank

procontra: Warum nennen Sie sich Vermögensnachfolgeplaner und nicht zum Beispiel Ruhestandsplaner?

René Niemann: Grundsätzlich kursieren zum Thema „Erben und Vererben“ verschiedene Begriffe. Eine allgemeingültige Definition kenne ich nicht. Im Gegensatz zur Ruhestandsplanung greift die Vermögensnachfolgeplanung in mehreren Lebensphasen. Während also der Ruhestandsplaner für seine Kunden die finanziellen Parameter nach dem aktiven Berufsleben plant, geht es in der Vermögensnachfolgeplanung um die Optimierung von Vermögens- und Liquiditätsflüssen zu bestimmten Ereignissen wie etwa Scheidung, beabsichtigte Vermögensüberträgen in die folgenden Generationen oder dem plötzlichen Ableben. Da wir diese Dienstleistung über Vermögensverwalter anbieten, haben wir die Bezeichnung ganz bewusst gewählt.

procontra: Was genau sind Ihre Kerndienstleistungen?

Niemann: Zunächst einmal bieten wir Informationsveranstaltungen für Vermögensverwalter und ihre Interessenten und Kunden an. Die Teilnehmer müssen Übrigens nicht alle V-Bank-Kunden sein.

procontra: Welche Themen interessieren besonders?

Niemann: Aktuell erreichen uns vermehrt Anfragen zur gezielten Vermögensverteilung, aber auch zu Vermögensverlagerungen ins Ausland, etwa in Form einer Familienstiftung nach Liechtensteinischem Recht. Die anstehende Bundestagswahl und eine möglicherweise damit einhergehende Vermögensabgabe und/oder Vermögenssteuer bereitet scheinbar dem einen oder anderen Kopfzerbrechen.

procontra: Wie läuft Vermögensnachfolgeplanung in der Praxis ab?

Niemann: Die Vermögensnachfolgeplanung gliedert sich in drei Teile. Im Erstgespräch geht es um die persönliche Situation des Kunden. Dabei wird die familiäre Situation aufgenommen, geklärt, welche Verfügungen und Vollmachten vorliegen, und ermittelt, wie sich das private und gegebenenfalls betriebliche Vermögen zusammensetzt. Wichtig ist es, die Ziele und Wünsche des Kunden zu definieren. Nach dem Erstgespräch analysiere ich die Angaben und Unterlagen. Auf Basis der Analyse findet ein zweites Gespräch statt, bei dem ich dem Kunden die Ist- und die Soll-Situation aufzeige. Aus der Diskrepanz wird dann das weitere Vorgehen abgeleitet.

procontra: Das ist die klassische Vorgehensweise auch eines Versicherungsmaklers. Haben Sie auch schon mal über Kooperationen nachgedacht?

Niemann: Ein Geschäftsmodell muss zuallererst vom Kunden her gedacht werden. Der klassische Kunde im Private Banking hat meist mehrere Berater. Auch hat er je nach Lebensphase verschiedene Probleme, die gelöst werden müssen. Welcher seiner Berater, ob nun Versicherungsmakler, Finanzanlageberater oder Vermögensverwalter, ihn auf das überaus wichtige Thema Vermögensnachfolge anspricht, ist dem Kunden im Zweifelsfall egal. Wichtig ist ihm nur, dass es überhaupt angesprochen wird und seine Probleme im weiteren Verlauf professionell gelöst werden. Grundsätzlich sind wir für jede Zusammenarbeit im Sinne des Kunden offen.