„Ein Eigenheim ist die beste Altersvorsorge“

Stefan Terliesner Sachwerte

Der deutsche Immobilienmarkt galt einst als verschlafen – mittlerweile kann davon keine Rede mehr sein. procontra sprach mit Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken, über zukünftige Entwicklungen und die Erwartungen an eine neue Bundesregierung.

Jens Tolckmitt, Bild: vdp

Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Pfandbriefbanken. Bild: vdp

procontra: Herr Tolckmitt, wie entwickeln sich Preise für Wohneigentum und Mieten eigentlich im historischen Vergleich?

Jens Tolckmitt: Der Immobilienmarkt in Deutschland galt lange als vergleichsweise ‚langweilig‘, weil er die Preisdynamik internationaler Märkte vermissen ließ. Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt grundlegend geändert, zeigt der vdp-Immobilienpreisindex: Während die Kaufpreise für Wohnimmobilien deutschlandweit um durchschnittlich 68,45 Prozent stiegen, erhöhten sich die Mieten von 2011 bis 2020 um 41,33 Prozent.

procontra: Würden Sie heute noch eine Immobilie als Kapitalanlage kaufen? 

Tolckmitt: Insbesondere für Selbstnutzer ist ein Erwerb nach wie vor attraktiv, ein Eigenheim stellt die beste Altersvorsorge dar. Das allgemeine Immobilienpreisniveau ist zwar hoch, aber grundsätzlich nach wie vor fundamental gerechtfertigt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Und in dieser Situation steigen eben die Preise – in den Metropolen allerdings nicht mehr so dynamisch wie im bundesweiten Durchschnitt. Die Nachfrage verlagert sich zusehends in die Randgebiete der Ballungsräume.

procontra: Noch sind die Zinsen niedrig und Kredite daher günstig. Wie lange hält dieser Zustand noch an?

Tolckmitt: Ja, Erwerber von Wohneigentum profitieren seit längerem vom Niedrigzinsumfeld. Es bietet die Chance, sich über einen immer länger werdenden Zeitraum günstige Finanzierungskonditionen zu sichern. Trotz gestiegener Kaufpreise fällt die durchschnittliche Kreditbelastung deshalb heute kaum höher aus als vor fünf Jahren und ist gegenüber einer vergleichbaren Miete attraktiv. Am Zinsumfeld wird sich absehbar wohl auch wenig ändern. Für einen Kurswechsel der Zentralbank sehen wir – vor allem angesichts der damit verbundenen Folgen für einzelne Staaten der EU – mittelfristig wenig Spielraum.

procontra: Könnte das Ergebnis der Bundestagswahl das Gefüge am Wohnungsmarkt spürbar verändern?

Tolckmitt: Wünschenswert ist eine Regierung, die wieder über eine stabile Mehrheit verfügt und die sich den vielen – vor allem auch wirtschaftlichen – Herausforderungen nach der Pandemie beherzt widmet. Bezahlbares Wohnen insbesondere in den Großstädten steht bei allen größeren Parteien zu Recht oben auf der Agenda. Zu den erfolgversprechenden Vorhaben zählen dabei sicherlich das Ankurbeln der Bautätigkeit und die Senkung von Grund- und Grunderwerbssteuer. Alles regulieren zu wollen, etwa durch einen bundesweiten Mietendeckel, geht fehl, das haben wir in Berlin eindrucksvoll erlebt.