„Die Versicherungsbranche steht in der Pflicht, allen Verbrauchern einen bezahlbaren Versicherungsschutz anzubieten“

Martin Thaler Versicherungen

Hochwasserschäden dürften in Zukunft häufiger vorkommen - doch wer soll für diese zahlen? Erneut ertönt der Ruf nach einer Pflichtversicherung. vzbv-Vorstand Klaus Müller hat einen anderen Vorschlag.

vzbv-Vorstand Klaus Müller Bild: vzbv

Möchte für Naturgefahren eine All-Risk-Versicherung: vzbv-Vorstand Klaus Müller Bild: vzbv

Noch immer ist unklar, wie hoch der durch das Hochwasser der vergangenen Tage entstandene Schaden ausfallen wird. Eine erste Schätzung will der Versichererverband GDV in dieser Woche präsentieren, schon jetzt geht man bei den Versicherern aber von einem Rekordschaden aus. „Kurzfristig zeichnet sich ab, dass sich 2021 zu einem der schadenträchtigsten Jahre seit 2013 entwickeln könnte. Damals lag der versicherte Schaden bei 9,3 Milliarden Euro“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen der „Rheinischen Post“.  

Doch während das Ausmaß der Schäden noch nicht feststeht, wird erneut über die Versicherbarkeit von Flutschäden diskutiert. Erste Politiker wie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Versicherungsanalyst Carsten Zielcke sprachen sich für eine Pflichtversicherung gegen Hochwasserschäden aus. Peter Biesenbach, CDU-Justizminister in Nordrhein-Westfalen, erklärte gegenüber dem MDR, dass die Einführung einer Versicherungspflicht für Hausbesitzer auf der nächsten Sitzung der Landes-Justizminister im November diskutiert werden solle.  

Justizminister wollen Pflichtversicherung diskutieren

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) will beim Thema Hochwasserschutz nicht weiter allein auf die Freiwilligkeit der Hausbesitzer setzen: Trotz zahlreicher Unwetter in den vergangenen Jahren und mehreren Kampagnen von Versicherern, Behörden und Verbraucherschutz, haben immer noch weniger als die Hälfte aller Immobilienbesitzer eine Elementarschutzversicherung, mit der sie gegen Hochwasser abgesichert sind.  

„Die Versicherungsbranche steht somit in der Pflicht, allen Verbrauchern einen bezahlbaren Versicherungsschutz anzubieten“, fordert vzbv-Vorstand Klaus Müller. In einer Pflichtversicherung sieht Müller jedoch nur eine Notlösung, schließlich wäre diese ein hoher Eingriff in die Grundrechte. So plädiert der Verbraucherschützer dafür, aus der Wohngebäudeversicherung verpflichtend eine All-Risk-Versicherung zu machen. Statt zwischen Blitzschlag (Wohngebäude), Hochwasser (Elementar), Sturm (Wohngebäude) und Erdrutsch (Elementar) zu unterscheiden, wären alle Naturgefahren in einer Versicherung enthalten – der Kunde könne aber auf Wunsch einzelne Risiken abwählen.  

Eine Idee, die auch von Seiten der Versicherer nicht als vollkommen abwegig gilt. Prinzipiell spreche nichts gegen einen solchen Vorschlag, erklärte vor einem Jahr Dr. Matthias Salge, Vorsitzender der Grundeigentümer-Versicherung (GEV) im Gespräch mit procontra. „Wenn man hier als einziger Anbieter vorangehen würde, riskiert man, in den gängigen Rankings und Listings weit nach unten zu rutschen, da eine Vergleichbarkeit nicht mehr richtig gegeben ist. Wenn es eine Initiative der gesamten Branche gäbe, wäre es jedoch durchaus denkbar.“   

Zwei Jahre abwarten

Erst wenn dieser Weg keinen Erfolg verspricht, sollte man nach Ansicht von Verbraucherschützer Müller über tiefgreifendere Ansätze nachdenken: „Wenn dieser Weg innerhalb von zwei Jahren nicht zu einem breiten Abdeckungsangebot führt, wird eine Pflichtversicherung notwendig.“  

Diskussionen über die Einführung einer Pflichtversicherung gab es jedoch bereits nach vorherigen Flutereignissen – letztlich verliefen diese jedoch stets im Sande. Ob die Debatte diesmal aufgrund der Schwere der Flut einen anderen Ausgang nimmt, bleibt abzuwarten.