DAV präsentiert neue Zahlen: So hat sich die BU-Wahrscheinlichkeit entwickelt

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Die Deutsche Aktuarsvereinigung hat untersucht, wie sich das BU-Risiko in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat. Neben einer insbesondere für junge Frauen besorgniserregenden Tendenz stellten die Mathematiker auch erfreuliche Entwicklungen fest.

Berufsunfähig Bild: Adobe Stock/ New Africa

Besonders bei jungen Frauen ist das Risiko, berufsunfähig zu werden, in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Bild: Adobe Stock/ New Africa

Die Welt hat sich seit 1997 erheblich verändert: Statt des sogenannten Millenium-Bugs, der zur Jahrtausendwende den Absturz zahlreicher Computersysteme verursachen sollte, fürchten die Menschen heute die Corona-Pandemie, statt eines Tamagochis werden wieder Haustiere aus Fleisch und Blut, die sich viele Menschen während der Corona-Krise anschafften, gefüttert.  

Eine Erkenntnis hat aber nach wie vor Bestand: Die Berufsunfähigkeit bleibt für die Deutschen eines der größten, aber auch am meisten unterschätzten Gefahren. „Ohne eine entsprechende Absicherung sind das für die meisten kaum zu kompensierende Einschnitte im Haushaltseinkommen und für Alleinverdiener oder Singles kann das sogar den Ruin bedeuten“, erklärte Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

Ein Mahnruf, der in der Vergangenheit offenbar nicht immer die Zielgruppe erreichte. So hatten sich im Jahr 2019 von insgesamt 45 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland gerade einmal 17 Millionen gegen eine Invalidität abgesichert. „Die Menschen versichern ihr Smartphone, aber nicht ihre Arbeitskraft und damit ihre Existenzgrundlage“, mahnte Schneidemann bei einem DAV-Pressegespräch, auf dem die Versicherungsmathematiker die neuen Tafeln vorstellten, mit denen die Versicherer ihre Reservierung für BU-Schäden auf Angemessenheit untersuchen können. Die letzten Tafeln stammten noch aus dem Jahr 1997.  

Signifikanter Anstieg bei jungen Frauen

Denn das Risiko, berufsunfähig zu werden, ist kein starres, sondern steht durchaus im Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen, beispielsweise der Digitalisierung und dem Klimawandel. So weisen einige Studien daraufhin, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der weltweit zu beobachtenden Zunahme von Atemwegserkrankungen kommt. Experten gehen davon aus, dass auch schwerere Krankheitsverläufe in Zukunft wahrscheinlicher werden.

Gleiches gilt für das Thema Hautkrebs – zwar gibt es noch keine Beweise, dass durch den Klimawandel das Hautkrebsrisiko steigt, Indizien für diese These gibt es allemal. So stieg laut Deutscher Krebsgesellschaft die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland von 144.000 Fällen im Jahr 2007 auf 224.000 im Jahr 2015. Das Umweltbundesamt warnte zuletzt, dass die Zunahme von Hitze, Starkregen und Orkane nicht nur physische Auswirkungen auf die Menschen haben könne, sondern auch psychische. So könnten sich die für den Menschen nachteilig entwickelnden klimatischen Bedingungen auch in Stress, Angstzuständen und Depressionen niederschlagen.

Bei den BU-Versicherern selbst diagnostiziert man dann auch eine Zunahme psychischer Erkrankungen - insbesondere bei jüngeren Frauen. So haben Frauen unter 40 Jahren im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung vor 20 Jahren (1997) ein um über 30 Prozent erhöhtes Risiko – „ein signifikanter Anstieg“, erklärte DAV-Vorstandsmitglied Nils Dennstedt, der vor allem auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist. Bei Männern dieser Altersgruppe blieb die BU-Wahrscheinlichkeit hingegen stabil. Die Gründe für diese Entwicklung bleiben aber vorerst unklar – verantwortlich hierfür könnten neben dem Klimawandel auch die stärkere Doppelbelastung bei Frauen sein, Beruf und Familienplanung unter einen Hut zu bekommen. Auch ein stärkeres Bewusstsein für psychische Erkrankungen könnte diese Entwicklung mitverursachen.

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