„Bernd“ sorgt für Schäden bis fünf Milliarden Euro

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Die Versicherer haben eine erste Schätzung für die Unwetterschäden in Nordhrein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vorgelegt. Gegenüber der Einführung einer Pflichtversicherung zeigt sich die Branche unter bestimmten Voraussetzungen gesprächsbereit.

Hochwasser. Bild: Adobe Stock/Animaflora PicsStock

Die Versicherer rechnen bei „Bernd“ mit einem Schaden zwischen vier und fünf Milliarden Euro. Bild: Adobe Stock/Animaflora PicsStock

Die deutschen Versicherer schätzen, dass das verheerende Unwettertief „Bernd“ versicherungstechnische Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro verursacht haben – alleine in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Auch in Sachsen und Bayern hatte „Bernd“ in den vergangenen Tagen für Zerstörungen gesorgt. Starke Regenfälle hatte insbesondere im Berchtesgadener Land schwere Schäden angerichtet; es kam zu Erdrutschen, Häuser wurden geräumt, mindestens eine Person starb.  

Doch auch ohne die Schäden in Bayern und Sachsen fällt der Schaden enorm aus.  „Die Schäden dürften sogar noch über denen des August-Hochwassers im Jahr 2002 von 4,65 Milliarden Euro liegen. Tief ‚Bernd‘ gehört damit zu den verheerendsten Unwettern der jüngeren Vergangenheit“, erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Gut möglich ist dabei, dass der Schaden noch höher ausfällt. Wie der Verband am Mittwoch mitteilte, erschwere die zerstörte Infrastruktur vor Ort derzeit die Kommunikation sowie die Besichtigung der Schäden vor Ort. Die Evaluierung der Schäden dauere somit noch an – in der kommenden Woche hofft der Verband, eine aktualisierte Schadeneinschätzung abgeben zu können.    

Bundesregierung bewilligt Soforthilfe

Da bereits im Juni Hagel und Starkregen für Schäden in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gesorgt hatten, dürfte 2021 eines der schadenträchtigsten Jahre seit 2002 für die Versicherer werden, schätzt Asmussen.  Damals hatten Sturm, Hagel und Starkregen für Schäden in Höhe von 10,9 Milliarden Euro gesorgt.

Um die Not vor Ort zu lindern hatte die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen, 200 Millionen an Soforthilfen zu bewilligen. Weitere 200 Millionen Euro kommen von den Bundesländern. Mit dem Geld sollen besondere Notlagen überbrückt sowie die schlimmsten Schäden an Gebäuden und kommunaler Infrastruktur behoben werden. Darüber hinaus ist ein milliardenschwerer Aufbaufonds geplant, über dessen Höhe allerdings erst entschieden werden soll, wenn die Höhe der Schäden feststeht. „Am Geld wird die Hilfe nicht scheitern. Dafür zahlen die Leute doch Steuern, damit ihnen in solchen Situationen geholfen wird. Nicht alles ist versicherbar“, erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer bei der Vorstellung des vereinbarten Hilfspakets.  

„Die jetzt entstandenen Schäden übersteigen die Selbsthilfekräfte der Kommunen und Landkreise bei weitem. Zur Linderung der unmittelbaren Not ist die Auszahlung von Soforthilfen daher sinnvoll“, begrüßte auch GDV-Mann Asmussen die Soforthilfen. Deutlich reservierter fällt die Meinung jedoch gegenüber der Einführung einer Pflichtversicherung gegen Naturgefahren aus.  

 „Als einzelnes Instrument lehnen wir sie ab, weil sie den Anreiz nimmt, sich gegen Flut- und andere Extremwetterrisiken abzusichern“, so Asmussen. Die Versicherer argumentieren, dass durch eine Pflichtversicherung Hausbesitzer keine Notwendigkeit mehr sehen würden, in dichte Fenster, gefließte Keller oder Schutzmauern zu investieren.

GDV plädiert für Gesamtkonzept

Gegenüber dem Spiegel hatte Asmussen zudem erklärt, dass eine Pflichtversicherung dazu führen könnte, dass die Prämien für die Versicherungsinhaber unbezahlbar oder die Risiken für die Versicherer untragbar groß werden würden.   „Sie wäre allenfalls dann sinnvoll, wenn sie in ein neues Gesamtkonzept für Flächen- und Bauplanung sowie den Katastrophenschutz eingebunden wäre“, merkte Asmussen an. Heißt: Nur wenn seitens der Kommunen unter anderem darauf verzichtet wird, Baugrundstücke in hochwassergefährdeten Gebieten auszuweisen, befürworten die Versicherer einen entsprechenden Schritt.

In den vergangenen Tagen war von vielen Seiten die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementargefahren ins Gespräch gebracht worden. Im Morgenmagazin von ARD und ZDF hatte sich selbst Christian Lindner, Parteichef der FDP, für die Einführung einer solchen offen gezeigt.  

Diese könnte beispielsweise auch mit einem Selbstbehalt ausgestattet werden, schlug Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Wirtschaft in Kiel, gegenüber dem Spiegel vor. Auf diese Weise würden weiter Anreize zum Selbstschutz bestehen. Die Höhe der Prämien solle von den jeweiligen Risiken abhängig sein. vzbv-Chef Klaus Müller hatte eine Allgefahrenversicherung ins Spiel gebracht, bei der Hausbesitzer einzelne Risiken abwählen könnten. Nur wenn auf diese Weise keine weitreichende Verbreitung von Versicherungsschutz erreicht würde, sollte man über die Einführung einer Pflichtversicherung nachdenken, so Müller.