bAV: Wann eine wertpapiergebundene Versorgungszusage lohnt

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Die wertpapiergebundene Versorgungszusage wird derzeit noch kaum genutzt in der betrieblichen Altersversorgung. Dabei bietet sie gerade in Niedrigzinszeiten zahlreiche Vorteile, erläutert Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial.

Bei der WpVZ genießt der Arbeitgeber alle Freiheiten der Kapitalanlage und kann so den Niedrigzinsen gut begegnen, sagt Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial. Bild: Longial

Bei der wertpapiergebundenen Versorgungszusage genießt der Arbeitgeber alle Freiheiten der Kapitalanlage und kann so den Niedrigzinsen gut begegnen, sagt Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial. Bild: Longial

Ob Kapitalgarantien angesichts anhaltender Niedrigzinsen der richtige Weg sind, bezweifeln Experten längst. „Vom gesetzlich vorgeschriebenen Beitragserhalt ist ab 2022 abzurücken“, fordert etwa Guido Bader, Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung. „Der vollständige Beitragserhalt mündet sonst in einen Realwertverlust und würde damit auch das Aus für die Riester-Rente bedeuten“, so Bader.

Interessant ist eine wertpapiergebundene Versorgungszusage (WpVZ) mit Blick auf die bevorstehende Absenkung des Höchstrechnungszinses für Lebensversicherer auf 0,25 Prozent zum 1. Januar 2022, findet Michael Hoppstädter, Geschäftsführer des bAV-Beraters Longial. Dabei handelt es sich um eine Art der Direktzusage, die im Handelsgesetzbuch geregelt ist (§ 253 Abs. 1 Satz 3 HGB). „Die Höhe der Versorgungszusage ergibt sich aus dem Wert einer Kapitalanlage und ist demnach im eigentlichen Sinn die reine Form der Beitragszusage“, sagt der Experte, der bei Longial den Geschäftsbereich Kundenbetreuung, Beratung und Vertrieb verantwortet.

Aber: Die reine Beitragszusage ist für Direktzusagen nach dem Betriebsrentengesetz nicht zulässig. Daher muss die bAV in Form einer wertpapiergebundenen Versorgungszusage als beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) ausgestaltet werden. Zum Beispiel, indem der Arbeitgeber den vollständigen Beitragserhalt garantiert – was einem Garantiezins von 0 Prozent entspricht. „Es ist auch möglich, einen höheren Zins zu garantieren, etwa 1,0 oder 2,0 Prozent. „Das macht das Modell für die Arbeitnehmer sehr attraktiv, allerdings trägt der Arbeitgeber die Risiken“, betont Hoppstädter.

Unabhängig von der Zinsschmelze

Vorteil gegenüber der Direktzusage: Die Verpflichtungen für die Handelsbilanz müssen nicht versicherungsmathematisch bewertet werden, solange die Wertpapiere nicht weniger wert sind als die garantierte Leistung. Der Wert der Kapitalanlage gibt die Höhe der Rückstellung vor. Das Problem klassischer Direktzusagen – der stetig sinkende Zins für die Bewertung der Pensionsverpflichtungen, also die sogenannte Zinsschmelze – besteht laut Hoppstädter bei der WpVZ nicht.

Bei Insolvenz des Arbeitgebers springt der Pensions-Sicherungsverein (PSV) ein. Zusätzlich wird die Kapitalanlage in der Regel verpfändet oder über einen Treuhänder, ein sogenanntes Contractual Trust Arrangement (CTA), gesichert. Das Kapital gilt dann als Deckungsvermögen und muss in der Bilanz mit der Verpflichtung beziehungsweise Rückstellung saldiert werden (nach § 246 Abs. 2 S. 2 HGB). De facto sind damit keine Rückstellungen in der Bilanz auszuweisen.

„Die Verpfändung ist in der Regel kostenfrei, bringt aber Verwaltungsaufwand mit sich“, betont Hoppstädter auf Nachfrage von procontra. Das CTA dagegen verursache Kosten, reduziert aber in der Regel den Verwaltungsaufwand. „Bei kleinen Kollektiven oder Einzelpersonen wird daher meist die Verpfändung gewählt, bei größeren Kollektiven das CTA“, so der Pensionsberater. Hintergrund: Die zusätzliche Sicherung ist erforderlich, damit die Kapitalanlage als Deckungsvermögen (HGB) oder Plan Asset (IAS) anerkannt wird, was zu einer Saldierung mit der Verpflichtung führt. „Ohne diesen Umweg führt die Zusage mit Kapitalanlage zu einer Bilanzverlängerung und Rückstellungsbildung, weiß Hoppstädter.

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