Auslandsreisen: Wie Corona-tauglich Policen sind

Detlef Pohl Berater Top News

Auslandsreisen sind trotz Corona wieder in die meisten Länder möglich. Policen bei Krankheit, Reiserücktritt oder Reiseabbruch sind besonders wertvoll. Doch nicht immer leistet der Versicherer wie erhofft.

Eine private Krankenversicherung gehört ins Auslandsgepäck, ebenso sollten Stornierung oder Reiseabbruch im Blick bleiben, auch bei Infektion mit Covid-19. Bild: Pixabay / Syaibatul Hamdi

Eine private Krankenversicherung gehört ins Auslandsgepäck, ebenso sollten Stornierung oder Reiseabbruch im Blick bleiben, auch bei Infektion mit Covid-19. Bild: Pixabay / Syaibatul Hamdi

Die Liste des Auswärtigen Amtes für Länder mit Reisewarnungen ist inzwischen stark geschrumpft – nur noch 32 Länder stehen auf der Liste, darunter von den klassischen Reiseländern lediglich noch Ägypten. Damit sind Auslandsreisen aktuell wieder vertretbar. Reisende sollten aber noch mehr als früher beim Versicherungsschutz aufpassen.

Neben der finanziellen Absicherung bei Reiserücktritt oder -abbruch steht traditionell der unverzichtbare Krankenschutz bei Auslandsreisen im Fokus. Die Police sollte aktuell vor allem auch Corona-tauglich sein und stellt zudem sicher, dass man die bestmögliche medizinische Versorgung bekommt und notfalls per Krankentransport zurück nach Deutschland gebracht wird. Bei Reisewarnungen sollte das Kleingedruckte unbedingt geprüft werden, ist vom PKV-Verband zu hören. Die meisten AVB schließen die Leistung dann aus.

Corona-Erkrankung kann Policen-Laufzeit sprengen

Die Policen begrenzen den Schutz zeitlich. Abgedeckt ist bei sehr guten Einzel-Tarifen eine Reisedauer zwischen 42 Tagen (Concordia) und 70 Tagen (Debeka; Münchener Verein), fand die Stiftung Warentest heraus. Wer länger im Ausland bleiben muss, verliert dann meist seinen Schutz.

Das gilt jedoch nicht im Falle einer Corona-Erkrankung. „Verlängert sich der Auslandsaufenthalt durch Krankheit, bleibt der Auslandskrankenschutz unbefristet über die acht Wochen bestehen, bis Rücktransport oder Rückreise möglich sind, merkt Finanztest in Januar-Ausgabe 2021 an. Das gilt für Corona und andere schwere Erkrankungen sowie beispielsweise Unfallverletzungen“, heißt es bei der Halleschen auf Nachfrage. Solch unbefristete Verlängerungsklausel bieten nicht alle Gesellschaften. Einige Anbieter geben bei Erkrankung im Ausland nur wenige Tage oder Wochen drauf. Die Behandlung einer Corona-Infektion kann bekanntlich Monate dauern.

In einer neuerlichen Untersuchung hat die Stiftung Warentest kürzlich die Auslandsreise-Krankenversicherung bewertet und in der Finanztest-Juni-Ausgabe 2021 publiziert. Ergebnis unter 43 Anbietern: Laut AVB gibt es kaum Leistungseinschränkungen bei Covid-19. Lediglich Cosmos und URV zahlen nicht bei Pandemie. Europ Assistance, Ergo und Allianz schließen den Corona-Schutz aus, wenn das Auswärtige Amt vor Abreise eine Warnung ausgesprochen hatte. Dennoch geben Ergo und URV an, trotz der Einschränkungen derzeit zu leisten. Dies sollten sich Urlauber vor Reiseantritt schriftlich bestätigen lassen.

Einige Tarife zahlen nicht, wenn für das Urlaubsziel vor Reisebeginn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bestand. Kommt die Reisewarnung, wenn Urlauber bereits vor Ort sind, springen alle Versicherer ein, die Pandemien nicht generell ausschließen. Die meisten Auslandskrankenversicherer bieten laut Finanztest jedoch einen „sehr guten“ oder „guten“ Schutz. Spitzenreiter sind DKV („ReiseMed Tarif RD“), Ergo („Tarif RD“) und Vigo („Grün versichert ARN, Single).

Krankenschutz bei längeren Reisen

Für längere Auslandsreisen ist eine andere Krankenpolice nötig. Finanztest hatte in der Mai-Ausgabe 2020 Tarife für Reisen bis 90 Tage beziehungsweise bis 365 Tage geprüft. Sehr guten weltweiten Schutz für Einzelpersonen auf Reisen bis zu 90 Tagen boten insgesamt 12 Tarife. Am besten schnitt Hanse Merkur (Tarif „RKV mit USA/Kanada“) ab, gefolgt von Concordia („AKE/AKF + RT mit USA“) und Travelsecure/Würzburger („AKV 365 mit USA/Kanada“).

Wie die einzelnen Angebote der Versicherer zu Rücktransport, Leistungsausschlüssen, Vorerkrankungen oder Leistungen bei Pandemie (Beispiel Corona-Virus) konkret abschneiden, wurde bei Finanztest nicht deutlich. Ob und wie im Falle des Corona-Virus gezahlt wird, wurde nicht publiziert. Diese Umstände machen die Reiseplanung schwierig.

Als Ausweg bleibt der Krankenrücktransport nach Deutschland. Die damit verbundenen Kosten tragen alle Zusatzversicherer, jedoch mitunter nur, wenn er medizinisch notwendig ist. Bessere Angebote übernehmen die Kosten auch bei medizinisch sinnvollem Rücktransport. Viel entscheidender in der Pandemie kann jedoch sein, ob der Rücktransport medizinisch überhaupt möglich ist und ob die örtlichen Behörden ihn wegen der erhöhten Infektionsgefahr zulassen. Falls nicht, nutzt auch die beste Kranken- oder Reiseabbruchversicherung nichts.

Seite 1: Worauf bei Auslandsreise-KV wegen Coroan zu achten ist 
Seite 2: Warum die Zusatzbausteine für Reiserücktritt und -abbruch nötig sind