Aktienrente: Was Marktkenner davon halten

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen Top News

Verlagerung von Risiken auf den Einzelnen sinnvoll?

Anders bei aktienbasierten Modellen. Das Altersrisiko trage überwiegend das Versichertenkollektiv, doch Invalidität und Hinterbliebenen-Absicherung müssten laut Thiede individuell getragen werden. Das demografische Risiko eines Ungleichgewichts von Rentnern und Erwerbstätigen sei nicht unmittelbar relevant und die steigende Lebenserwartung fängt das Versichertenkollektiv zu großen Teilen ab. Die Kapitalmarktrisiken seien weitgehend individuell zu tragen.

Nach Thiedes Einschätzung werden die Risiken einer Aktien-Altersvorsorge zu sehr auf den einzelnen Anleger verlagert. Unbeantwortet bleibe etwa die Frage, für welchen Zeitraum (bis ans Lebensende?) ein Aktienkapital reichen solle. Aktien böten die Chance auf mehr Rendite, aber eben auch das Risiko von Kursrückschlägen. Thiede warf eine spannende Frage auf: Lassen sich die Renditechancen aktienbasierter Altersvorsorge nutzen, ohne die Risiken auf den Einzelnen zu verlagern?

DAV fordert stärkere Betrachtung der Entsparphase 

In einem virtuellen Fachgespräch nahm jetzt auch die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) zu verschiedenen Rentenkonzepten Stellung. Die Versicherungsaktuare sehen politischen Handlungsbedarf auch in der kapitalgedeckten Altersvorsorge. „Die Pläne einer Deutschland-, Generationen- oder Aktienrente sind in ihrer bisherigen Form noch nicht die Lösung“, konstatiert Maximilian Happacher, Vize-Vorstandschef der DAV und im Hauptberuf Vorstand für das globale Lebensversicherungsgeschäft im Ergo-Konzern.

Seine Kritik: All diese Konzepte nehmen ausschließlich die Ansparphase in den Blick, lassen aber die hochkomplexe und vor allem Jahrzehnte währende Auszahlungsphase außer Acht. Ein 2020 geborenes Mädchen hat laut der aktuellen Sterbetafel des Statistischen Bundesamts eine Lebenserwartung von gut 93 Jahren, ein Junge von gut 90 Jahren. „Das ergibt eine Rentenbezugsdauer von 25 und mehr Jahren, in denen die künftigen Rentner würdevoll leben möchten – und dies auch finanziell planbar“, so Happacher weiter.

Mindestzahlung bis zum letzten Tag nicht aufweichen

Dies sei nur über eine Rente möglich, die ab Beginn der Ansparphase bis zum Lebensende eine Mindestzahlung sicherstellt, egal wie alt der Einzelne wird. Die wichtige Entsparphase sei bisher in den politischen Konzepten nicht vorgesehen. „Im Interesse der Menschen muss hier nachgebessert werden“, so der Experte. Die bisherige Planungssicherheit auf Basis traditioneller Garantien gebe es immer weniger. Das Niedrigzinsumfeld für ergänzende Alterseinkommen erfordere einen schnellen Paradigmenwechsel.

Indirekt teilt die DAV die Einschätzungen und Befürchtungen der DRV. Kollektives Sparen, etwa über moderne Produkte der bAV wie das Sozialpartnermodell, eine beitragsorientierte Leistungszusage oder die Lebensversicherung generell, federe Risiken besser ab als ein individuelles Investment in Aktien oder Fonds, befinden die Aktuare. Ob das auch im Rahmen der GRV erfolgen könne, dazu äußerte sich die DAV nicht.

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