Aktienrente: Was Marktkenner davon halten

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Versicherungen Top News

Die meisten Parteien setzen auf eine stärkere gesetzliche Rente. Die Union will zudem die Zulagenrente stärken und von Geburt an fördern. Einzig die FDP will die gesetzliche Rente mit Kapitaldeckung erweitern. Die Zustimmung hält sich in Grenzen.

Die Renditechancen aktienbasierter Altersvorsorge lassen sich nicht nutzen, ohne die Risiken auf den Einzelnen zu verlagern, fürchtet DRV-Forscher Reinhold Thiede. Bild: Pohl

Die Renditechancen aktienbasierter Altersvorsorge lassen sich nicht nutzen, ohne die Risiken auf den Einzelnen zu verlagern, fürchtet DRV-Forscher Reinhold Thiede. Bild: Pohl

Einzig die FDP setzt auf Kapitaldeckung auch in der ersten Säule. Der sensationell anmutende Reformansatz der gesetzlichen Rente: Während der Großteil des Rentenbeitrags weiterhin in die Umlage fließt, soll ein kleinerer Teil in Aktien investiert werden und so höhere Renditen und letztlich ein höheres Rentenniveau ermöglichen. Für diesen kleinen Teil schlägt die FDP verpflichtend 2,0 Prozent vor, paritätisch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzubringen. Um niemanden zu überfordern, soll der GRV-Beitragssatz exakt um diese 2,0 Prozentpunkte sinken.

Mit dieser „gesetzlichen Aktienrente“ soll die GRV „enkelfest“ gemacht werden. Einzig die Union hatte im Vorfeld eine ähnliche Idee. Damit die gesetzliche Rente mehr Wohlstand ermöglicht, wollte zumindest Kai Whittaker eine Kapitaldeckung in der GRV einführen. Ob sich der Vorsitzende des Bundesfachausschusses Arbeit und Soziales der CDU damit in seiner Partei durchsetzt, ist fraglich.

Wie die Union jetzt von Geburt an powern will

Das inzwischen beschlossene Wahlprogramm der CDU/CSU fällt eher mit der Forderung auf, dass ein künftiges Standardprodukt für die private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung, aber ohne Abschlusskosten auskommen soll. Das Programm enthält jedenfalls nichts zu einer gesetzlichen Aktienrente. Dafür schaffte es eine Generationenrente von Geburt an ins Programm, die Whittaker unlängst vorgeschlagen hatte.

Ob der Reformvorschlag, der eine gewisse Faszination ausübt, auf fruchtbaren Boden fällt, hängt auch vom Ergebnis der Bundestagswahl am 26. September ab. Derweil haben sich weitere Finanzexperten mit der Aktienrente beschäftigt. „Wir suchen nach einem tollen Produkt, haben es aber bisher nicht gefunden", sagte Reinhold Thiede, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), bereits vor zwei Jahren mit Blick auf zusätzliche Vorsorgemodelle.

DRV fordert stärkeren Blick darauf, wer die Risiken trägt

Beim diesjährigen Presse-Fachseminar der DRV vor einigen Tagen beschäftigte Thiede sich konkret mit der Aktienrente und lehnt sie ab. In der Debatte um Modelle auf Aktienbasis gehöre die Frage in den Mittelpunkt, wer letztlich das Risiko tragen soll: die Solidargemeinschaft oder der Einzelne. Die Menschen wollten vor allem Garantien und weniger Renditeversprechen. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sei der Versicherte lebenslang abgesichert und auch im Fall der Invalidität und Tod des Ehepartners grundsätzlich geschützt.

Sieht man sich die sozialen Risiken (Alter, Invalidität und Hinterbliebenen-Absicherung), demografische Risiken (Quote von Rentnern zu Erwerbstätigen; Lebenserwartung) und Kapitalmarktrisiken (erwartete und tatsächliche Rendite; Volatilität) genauer an, so kommen bei der GRV für die ersten beiden Kategorien die Solidargemeinschaft bzw. der Staat auf. Und „Kapitalmarktrisiken sind kaum relevant“, so Thiede in seinem Vortag.

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