Zahl der bKV-Versicherten überspringt Millionen-Schwelle

Martin Thaler Versicherungen

Während die Vollversicherung weiter kriselt, entwickelt sich die betriebliche Krankenversicherung zu einer echten Erfolgsgeschichte. Auch im vergangenen Jahr konnte die bKV beeindruckende Zuwächse verzeichnen.

Betriebliche Krankenversicherung Bild: Pixabay/Tumisu

Mittlerweile sind über eine Million Beschäftigte über eine betriebliche Krankenversicherung versichert. Bild: Pixabay/Tumisu

Die PKV kriselt – zumindest in der Vollversicherung. Laut Angaben des Kölner Analysehauses Assekurata ging die Zahl der Vollversicherten im vergangenen Jahr weiter zurück (- 0,1 Prozent). Im Vergleich zu 2011 wechselten deutlich weniger gutverdienende Angestellte und Selbstständige von der GKV in die PKV – lediglich bei Beamten steigen die Versichertenzahlen.  

Einen Lichtblick liefert hingegen das Geschäft mit Zusatzversicherungen – insbesondere Zahnzusatzversicherungen, aber auch die betriebliche Krankenversicherung erfreuen sich steigender Beliebtheit. Laut aktuellen Zahlen des PKV-Verbands sichern mittlerweile 13.100 Arbeitgeber ihre Angestellten über eine betriebliche Krankenversicherung ab – gegenüber 2019 stellt das ein Plus von 24,8 Prozent dar.  

Über eine Million Beschäftigte mit bKV-Schutz

Entsprechend wächst auch die Zahl der profitierenden Arbeitnehmer: Mittlerweile profitieren über eine Million Beschäftigte (1,023 Millionen) von Zusatzleistungen zur Gesetzlichen Krankenversicherung, die ihnen über die betriebliche Krankenversicherung ermöglicht werden – damit stieg ihre Zahl gegenüber 2019 um 15,8 Prozent.  

Die betriebliche Krankenversicherung gilt als Win-Win-Geschäft für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zugleich: Arbeitnehmer profitieren von der betrieblichen Krankenversicherung durch günstige Beiträge, den Wegfall von Gesundheitsprüfungen sowie einer gehobenen Absicherung im Krankheitsfall. Für Arbeitgeber ist sie ein „social benefit“, mit dem sich im Wettstreit um Facharbeiter und Experten punkten lässt.  

Und auch Makler spüren die Auswirkungen des bKV-Booms: Laut Dr. Thomas Wiesemann, Vorstand für den Maklervertrieb bei der Allianz Krankenversicherung, entfällt knapp ein Drittel des Neugeschäfts auf freie Vermittler. „Betrachten wir allein den Makler-Vertrieb, hatten wir beim bKV-Neugeschäft 2020 sogar eine Steigerung um mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, erklärte Wiesemann im procontra-Gespräch.

36,7 Million Verträge

Insgesamt hat sich laut aktuellem Rechenschaftsbericht des PKV-Verbands die Zahl der Voll- und Zusatzversicherungen auf 36,07 Millionen Verträge erhöht. Zum Vergleich: 2019 lag die Vertragszahl bei 35,41 Millionen, vor fünf Jahren bei 33,86 Millionen. Der Großteil entfällt dabei auf die Zusatzversicherungen: Während die Zahl der Vollversicherungsverträge bei 8,72 Millionen liegt, entfallen auf die Zusatzversicherung insgesamt 27,34 Millionen.  

Dennoch ist die Vollversicherung weiterhin für den Löwenanteil der Beitragseinnahmen verantwortlich: 66,1 Prozent der 2020 eingenommenen 42,8 Milliarden Euro entfielen im vergangenen Jahr auf die Vollversicherung. Die auf die Vollversicherung entfallenden Beitragseinnahmen stiegen in den vergangenen fünf Jahren von 26,1 auf 28,3 Milliarden Euro – ein Wachstum, das allerdings nicht auf steigende Vertragszahlen, sondern in erster Linie auf Beitragserhöhungen zurückzuführen ist.