Wertminderung auch für älteres Fahrzeug möglich

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Alt gleich wertlos? Mitnichten. Auch bei älteren Autos können deren Besitzer nach einem Unfall Anspruch auf Wertminderung haben, wie ein aktuelles Urteil zeigt. Zumindest dann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Wertminderung Bild: Pixabay/tom69green

Auch für ältere Fahrzeuge kommt unter bestimmten Umständen eine Wertminderung infrage. Bild: Pixabay/tom69green

Nur weil das eigene Auto ein paar mehr Jahre auf dem Buckel hat, bedeutet das nicht, das Besitzern nach einem Unfall keine Wertminderung zusteht. Dies befand das Amtsgericht Schwäbisch Gmünd (Az: 5 C 626/20).  

Was war passiert?  

Nach einem unverschuldeten Unfall verlangte der Besitzer eines 19 Jahre alten BMWs nicht nur die Begleichung des entstandenen Schadens in Höhe von 5.500 Euro. Zusätzlich forderte er eine Wertminderung in Höhe von 1.000 Euro ein. Während die Begleichung des Schadens unstrittig war, stellte sich die Versicherung bei der Wertminderung quer: Bei einem 19 Jahre alten Wagen könne keine Wertminderung mehr eintreten, so das Argument der Assekuranz. Der Fall landete vor Gericht.  

Das Urteil  

Das Amtsgericht wollte der Argumentation der Versicherung nicht folgen. So handelte es sich bei dem verunglückten Fahrzeug um einen sogenannten Youngtimer: Dies sind laut Parlamentskreis Automobiles Kulturgut Fahrzeuge zwischen 20 und 30 Jahren in gutem Erhaltungszustand, der weitgehend dem Originalzustand entspricht.  

Dies war im vorliegenden Fall weitgehend gegeben: So wies der Pkw zum Unfallzeitpunkt eine unterdurchschnittliche Laufleistung (gerade einmal 63.000 Euro auf dem Tacho) und einen guten Zustand ohne reparierte und unreparierte Vorschäden auf. Durch den Unfall kam es zu einem Verlust der Originalität des Fahrzeugs sowie der Unfallfreiheit.  

Das Gericht schloss sich der Auffassung des Sachverständigen an, dass der Marktwert des BMW durch den Unfall um 250 Euro gemindert worden sei. Hinzu komme eine technische Wertminderung in Höhe von 750 Euro – die Zahlung einer Wertminderung in Höhe von 1.000 Euro sei somit angemessen, befand das Gericht.