Versicherungsbetrug: Krise lässt Täter aktiv werden

Martin Thaler Versicherungen Panorama

Niedrigere Schadenzahlen, aber mehr Betrugsversuche: Die Allianz verzeichnet in der Corona-Krise eine deutliche Zunahme von dubiosen Schadensfällen – gewerblich wie privat. Viele Betrügereien geschehen dabei mittlerweile im virtuellen Raum.

Versicherungsbetrug Bild: Pixabay/Schwerdhoefer

Versicherungsbetrug hat in Corona-Zeiten offenbar Hochkonjunktur. Bild: Pixabay/Schwerdhoefer

Ein Mann verschwindet auf der Ostsee, nur um Monate später von der Polizei auf dem Dachboden seiner Mutter wiedergefunden zu werden – nicht jeder Fall von Versicherungsbetrug ist so spektakulär und genießt medial so große Aufmerksamkeit wie dieser. Dennoch: Versicherungsbetrug ist in Deutschland weit verbreitet. Laut Angaben des Branchenverbands GDV entstehen den Versicherern durch falsche oder übertriebene Schadensmeldungen Schäden in Höhe von fünf Milliarden Euro – allein in der Schaden- und Unfallversicherung wohlgemerkt.  

Die Corona-Pandemie hat – trotz in einigen Bereichen deutlich sinkender Schadenzahlen – an diesem Umstand offenbar nichts geändert. Im Gegenteil: „In Krisenzeiten nehmen Betrugsversuche deutlich zu. Seit Beginn der Pandemie sehen wir einen Anstieg von rund zehn Prozent“, erklärt Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherungs-AG. Vor allem im gewerblichen Bereich verzeichnet der Münchener Versicherer eine starke Zunahme potentieller Betrugsversuche: So stieg die Zahl der gewerblichen Leitungswasserschäden zuletzt um 25 Prozent. Hier kommt der Verdacht auf, dass auf diese Weise die Kosten für durch den Corona-Lockdown nicht verkaufte Saisonware wieder hereingeholt werden sollen. 

Doch auch im privaten Bereich verzeichnet die Allianz eine Zunahme der Betrugsversuche: Während Meldungen über dubiose Einbruchsversuche rückläufig waren, stiegen die Betrugsversuche laut dem Unternehmen in der Haftpflichtversicherung um 20 Prozent und in der Kfz-Versicherung um zehn Prozent. Mit mehr als 50 Prozent aller Fälle stellt die Kfz-Versicherung weiterhin die überwiegende Mehrheit unter den aufgedeckten Betrugsversuchen dar. Auf die Schadenversicherung entfallen 30 Prozent der Fälle, auf die Haftpflichtversicherung 20 Prozent.

Betrüger nutzen digitale Mittel

Bemerkenswert dabei ist, dass sich die Betrügereien zunehmend in den digitalen Raum verlagern. So können Betrüger unter anderem via Bildbearbeitungssoftware oder mittels digitalem Identitätsmissbrauch Schäden konstruieren. „Das Betrugsgeschehen wird sich daher immer mehr in den virtuellen Raum verlagern. Durch vermehrte Nutzung digitaler Mittel gehen wir davon aus, dass bis 2030 jeder fünfte Versicherungsbetrug virtuell stattfinden wird“, blickt Haug in die Zukunft.  

Entsprechend müssen auch die Versicherer digital aufrüsten, um Betrugsversuche erkennen zu können. So hat die Allianz vor zwei Jahren ihre Betrugsabwehr um eine „Intelligence Einheit“ erweitert, in der Spezialisten mittels digitaler Technik und Tools versuchen, echte von unechten Schadensanzeigen zu unterscheiden.  

Mit den Ergebnissen zeigt sich der Versicherer zufrieden – so könnten beispielsweise immer häufiger provozierte Unfälle nachgewiesen werden. „Durch das Auslesen und die Auswertung elektronischer Fahrzeugdaten wie zum Beispiel des Lenkwinkels oder der Geschwindigkeit können absichtlich herbeigeführte Unfälle erkannt werden“, erklärt Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz Zentrums für Technik (AZT), welches die Betrugsaufklärung mit technisch-wissenschaftlichen Methoden unterstützt. Insgesamt habe man Auszahlungen im dreistelligen Millionenbereich verhindern können, teilt der Münchener Versicherer mit, der weiterhin eine Null-Toleranz-Strategie gegen Betrüger fahren will.