„Versicherungen sind für viele Menschen ein notwendiges Übel“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen

 

Nicht nur vor diesem Hintergrund gewinnt die Digitalisierung der Branche an Bedeutung. Dabei gibt es noch etliche Baustellen. „Viele Versicherer denken noch nicht ganzheitlich digital, die IT-Systeme stehen nebeneinander“, erläuterte Schoenauer. Nicht nur Technologien müssten ausgetauscht, auch die Organisation müsste verändert werden. „Jeder Mitarbeiter muss abgeholt werden.“ Das Problem: Noch wird zu zögerlich in diesem Bereich investiert. „Oft sind Versicherer der Ansicht, dass Digitalisierung kurzfristig keinen einzigen Kunden mehr bringt“, sagte Digitalisierungsexperte Jonas Piela. Er habe daher die Befürchtung, dass dieser Prozess „extrem lange“ dauern werde. „Irgendwann kommt dann der Punkt, wo ohne digitale Kommunikationswege der Aufwand für den Vertrieb plötzlich zu groß wird. Dann ist es möglicherweise zu spät, um zu handeln.“

Eine weitere mögliche Entwicklung: Das von vielen Studienteilnehmern gewünschte Versicherungs-Komplettpaket könnte auch von Handelsplattformen wie Amazon angeboten werden, dadurch entstünden neue Konkurrenzfelder. Zwar sei es laut Piela zweifelhaft, dass Amazon „eine Kernversicherung hinstelle“, aber: „Es könnte sein, dass sich der Branchenriese auf die Vertriebswege fokussiert.“ Daher müssten Versicherer Kooperationen mit Online-Anbietern in Erwägung ziehen, um nicht zu reinen Lieferanten zu werden.

Einen anderen Aspekt in Bezug auf das Personalisieren von Versicherungen brachte Tobias Kohl vom Beratungs- und Softwarehaus PPI in die Diskussion ein: „Am Ende darf der Kunde kein ‚Big Brother is watching me‘-Gefühl von seinem Versicherer bekommen.“