„Versicherer haben Angst vor der Entwicklung zur Kampfmaschine“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen Top News

 

procontra: Inwieweit machen Versicherungen für Kampfsportler überhaupt Sinn? Sind die Beiträge nicht so hoch, dass sich der Versicherungsschutz grundsätzlich in Frage stellen lässt?

Ralf Hüber: Das muss natürlich jeder Sportler für sich selbst entscheiden. In der BU werden für Kampfsportler schon mal Risikozuschläge bis zu 300 Prozent erhoben. Das muss man sich dann genau überlegen. Wenn die Leute zu uns kommen, haben sie vorher oft schon eine BU-Anfrage gestellt und wissen, was finanziell ungefähr auf sie zukommt. Sie wünschen sich, dass wir als spezialisierte Makler eventuell günstigere Konditionen schaffen.

procontra: Welche Versicherungen sind für Sportler wichtig? Welche für Trainer?

Ralf Hüber: Egal, ob neben- oder hauptberuflich: Trainer brauchen eine Haftpflichtversicherung, die die Trainertätigkeit in Kampfsport oder Kampfkunst miteinschließt. Auch eine Rechtsschutzversicherung inklusive erweitertem Strafrechtsschutz ist sinnvoll. Wir haben es hier mit einem körpernahen Training zu tun. Da kann es Vorwürfe der sexuellen Belästigung oder der vorsätzlichen Körperverletzung geben. Da BU-Versicherungen nicht so leicht abzuschließen sind: Eine Grundfähigkeitsversicherung kann ebenfalls eine gute Alternative sein. Die lässt sich oft leichter abschließen.

procontra: Wie schwierig ist es, Zugang zur Zielgruppe der Kampfsportler zu bekommen? Man würde annehmen, dass es eine sehr einheitliche Zielgruppe ist, die durch eine hohe Anzahl junger Männer gekennzeichnet ist. 

Ralf Hüber: Nein, das ist nicht so. Kampfsport geht durch alle Bevölkerungsschichten und Geschlechter. Wir können als Makler punkten, weil wir Ahnung haben, selbst Kampfsportler und Kampfsporttrainer sind und dieselbe Sprache sprechen. Sonst hätten wir keine Chance. 70 Prozent der Zielgruppe erreichen wir über unser Web-Portal. Die restlichen Kunden kommen über eine Empfehlung, haben durch andere Kampfsportler von uns gehört.

procontra: Wie hoch ist das Risiko für eine Verletzung in diesem Sportsegment tatsächlich?

Ralf Hüber: Vor einigen Jahren gab es eine Untersuchung der Uni Köln. Danach ereignen sich im Kampfsport weniger relevante Verletzungen als beispielsweise beim Fußball oder beim Skifahren. Auch der Unfallreport der Arag Sportversicherung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Versicherer haben dazu eine andere Sichtweise. Sie beurteilen das subjektiv und haben Angst vor der Entwicklung eines Kampfsportlers oder einer Kampfsportlerin, die irgendwann möglicherweise zu 'Kampfmaschinen' mit den entsprechenden Verletzungsrisiken mutieren könnten. Dann wird es zum Problem, das man nicht mehr versichern will. Und in dem Fall geben auch Rückversicherer keine Deckung mehr.

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