„Versicherer haben Angst vor der Entwicklung zur Kampfmaschine“

Anne Mareile Walter Berater Versicherungen Top News

Kampfsportler zählen bei vielen Versicherern nicht zur favorisierten Kundengruppe. Trotzdem sind Absicherungen gegen Unfälle oder Berufsunfähigkeit möglich. Wie das geht und wie diese spezielle Zielgruppe zu erreichen ist, erklärt Kampfsportmakler Ralf Hüber.

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"Die Absicherung von Kampfsportlern ist naturgemäß mit Problemen behaftet": Versicherungsmakler Ralf Hüber erklärt, wie sich diese Zielgruppe trotzdem absichern lässt. Bild: Privat

procontra: Sie schreiben auf Ihrer Webseite, dass Sie Versicherungskonzepte von Kampfsportlern für Kampfsportler anbieten. Was meinen Sie damit genau?

Ralf Hüber: Ich bin selbst Kampfsportler, DAN-Träger und Trainer im Jiu-Jitsu und auch in unserem Team sind Trainer und Trainerinnen im Kampfsport. Deshalb kennen wir die Problematik, die sich Kampfsportlern beim Thema Versicherungsschutz stellt, aus der eigenen Praxis. Zunächst einmal ist die Absicherung von Kampfsportlern naturgemäß mit Problemen behaftet. Menschen, die solche Sportarten ausüben, sind beispielsweise von vielen Unfallversicherungstarifen ausgeschlossen. Andere Versicherer haben in ihren Annahmerichtlinien geregelt, dass Kampfsportler nicht angenommen werden dürfen. Weitere Versicherer nehmen Kampfsportler nur unter der Bedingung an, dass sie Schutzkleidung tragen. Allerdings handelt es sich hier um ein „wachsweiches“ Kriterium, das Interpretationsspielraum bietet. Da muss in den Annahmerichtlinien sehr genau festgeschrieben sein, was unter Schutzkleidung zu verstehen ist. Ein weiteres Thema, speziell in der Unfallversicherung, ist der oft fehlende Schutz bei Eigenbewegungen oder überhöhter Kraftanstrengung. Kampfsportler, die zu uns kommen, erhalten Unfallversicherungen mit vollumfänglichem Schutz.

procontra: Wie sorgen Sie dafür, dass Menschen mit derart „gefährlichen“ Hobbys Versicherungsschutz bekommen?  

Ralf Hüber: Wir reden hier von nahezu vier Millionen Menschen in Deutschland, von denen die allermeisten Kampfkunst als Breitensport betreiben. Als gefährliche Sportart würde ich das nicht bezeichnen. Um für diese Sportler Versicherungsschutz zu bekommen, muss man die Versicherungsbedingungen der einzelnen Versicherer sehr genau kennen. Wir arbeiten beispielsweise mit sogenannten Side-Letter-Vereinbarungen. Diese Zusatzvereinbarungen werden zwischen Versicherer und Makler geschlossen und schreiben fest, dass das Kampfsporttraining dann auch wirklich mitversichert ist. Das von uns angebotene Spektrum ist breit: Für Trainer bieten wir private Haftpflichtversicherungen mit gewerblichem Trainerschutz an und wer im Amateurbereich Kampfsport ausübt, sollte neben der Haftpflicht auch eine Rechtsschutzversicherung besitzen. Für Kampfkunstschulen kommen neben der Haftpflicht und dem Rechtsschutz auch Gebäude-, Inhalts-, und Cyberversicherungen in Frage.

procontra: Für Kampfsportler ist es zudem oft schwierig, eine BU- oder Risikolebens-Versicherung zu bekommen. Wie können Sie hier helfen?

Ralf Hüber: Hier muss man grundsätzlich eine individuelle und anonyme Einzelanfrage beim Versicherer stellen. Dabei bewerten die Versicherer das Risiko der einzelnen Kampfsportarten unterschiedlich. Wer Jiu-Jitsu praktiziert, bekommt leichter Versicherungsschutz als jemand, der im Taekwondo oder Kick-Boxing unterwegs ist.

procontra: Welche Unterschiede zwischen den einzelnen Kampfsportarten gibt es darüber hinaus in puncto Versicherungsschutz?

Ralf Hüber: Schlagintensive Sportarten, wie Boxen, Kickboxen oder Mixed Martial Arts, sind generell schwerer zu versichern als andere Kampfsportarten. Denn hier ist die Verletzungsgefahr vergleichsweise hoch. Wo Vollkontakt besteht, ist auch statistisch gesehen die Verletzungsgefahr größer. Im Profi-Bereich ist es nahezu unmöglich, überhaupt Versicherungsschutz zu erhalten. Die Risiken sind nicht versicherbar. Dass ein Amateursportler irgendwann ins Profi-Segment wechseln könnte, gehört zu den größten Ängsten der Versicherer.

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