Rente mit 68 reicht nicht aus

Anne Mareile Walter Versicherungen

Nach der Veröffentlichung eines Gutachtens aus dem Bundeswirtschaftsministerium geht die Rentendebatte in eine neue Runde: Jetzt fordert das Institut der deutschen Wirtschaft eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze.

Rente Bild: Adobe Stock/eyetronic

Experten mahnen immer stärker eine Reform der gesetzlichen Rente an, über das Renteneinstiegsalter sind sie sich uneins. Bild: Adobe Stock/eyetronic

Die Debatte über eine Reform der gesetzlichen Rente nimmt weiter an Fahrt auf. Nachdem Anfang der Woche der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums gefordert hatte, das Renteneintrittsalter auf 68 Jahre anzuheben, sind andere Experten der Meinung: Dies reicht nicht aus. Nach einem aktuellen Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist mit diesem Schritt die Kuh noch nicht vom Eis – das Renteneintrittsalter müsse stattdessen weiter erhöht werden.  

Regelaltersgrenze bei 70 Jahren

„Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragsanstieg bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren“, heißt es in dem Bericht. Aus Sicht der Autoren der IW-Studie solle ab 2031 der Rentenbeginn pro Jahr um zwei Monate angehoben werden. Dies sei aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Menschen nötig, um zu vermeiden, dass auf Dauer zu viele Empfänger zu wenigen Beitragszahlern gegenüberstehen.

Der wissenschaftliche Beirat hatte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre bis zum Jahr 2042 vorgeschlagen, in seinem Gutachten forderte er eine Anpassung des Eintrittsalters nach der sogenannten 2:1-Regelung: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, müssen Arbeitnehmer acht Monate länger arbeiten. Dieser Vorschlag stieß bei Union und SPD auf Ablehnung. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet erklärte daraufhin: „Die Rentensysteme brauchen eine gewisse Verlässlichkeit.“ Zwar sei klar, „dass wir irgendwann möglicherweise mal nachdenken müssen, auch Lebensarbeitszeiten zu verändern“. Doch aktuell gelte die Rente mit 67. Finanzminister Olaf Scholz und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sprachen sich aus den Reihen der SPD gegen die Empfehlungen des Beirats aus. „Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters halte ich für den falschen Weg“, hieß es in einer Mitteilung aus dem Bundesarbeitsministerium. Das Wahlprogramm der Sozialdemokraten setzt eine weitere Erhöhung der Altersgrenze mit einer Rentenkürzung gleich.  

Veweis auf andere EU-Staaten

Dies würde aus Sicht von IW-Studienautor Jochen Pimpertz bedeuten, dass jüngere Versicherte bei einer fixierten Regelaltersgrenze und weiter steigender Lebenserwartung einen Anspruch auf eine immer längere Rentenbezugsdauer erwerben. Ein solches Leistungsversprechen sei weder durch das Rentenrecht gedeckt noch lasse es sich ohne zusätzliche Anpassungen von Beitragssatz oder Rentenniveau finanzieren. Bereits vor einigen Jahren hatte das IW die Rente mit 70 gefordert, nun untermauert es dies mit neuen Modellberechnungen.

Dabei verweist Studienautor Pimpertz auf andere EU-Staaten. So gelte beispielsweise in Dänemark ab dem Jahr 2030 eine Altersgrenze von 68 Jahren und in den Niederlanden sei die Rente mit 67 schon heute Realität. Zudem würden die beiden Länder das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung „regelgebunden“ anpassen. Was ökonomisch unvermeidbar erscheine, würde den Bürgern hierzulande vor allem Planungs­sicherheit verschaffen. „Sowohl mit Blick auf die ergänzende Privatvorsorge als auch bei der Berufswahl und der Bildungsentscheidung“, schreibt Pimpertz.